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Der Schweizer Rüstungskonzern
Ruag sortiert seine Geschäfte neu

Die geplante Entflechtung des Rüstungskonzerns macht eine komplexe Gütertrennung erforderlich. Nach der Aufspaltung hat der internationale Teil steile Wachstumsziele für die Zukunft.
Daniel Zulauf
Ruag hat komplexe Strukturen. Eine Trennung von Sparten wird schwierig. Im Bild die Produktion in Emmen. (Bild: Eveline Beerkircher (19. März 2015)

Ruag hat komplexe Strukturen. Eine Trennung von Sparten wird schwierig. Im Bild die Produktion in Emmen. (Bild: Eveline Beerkircher (19. März 2015)

«Es wird keine Bevorteilung der einen oder der anderen Gesellschaft geben», sagte Ruag-Chef Urs Breitmeier an der Jahresbilanzpressekonferenz vom Donnerstag in Zürich im Blick auf die per Anfang 2020 geplante Entflechtung des Rüstungs- und Technologiekonzerns. Doch schon allein das Versprechen des Managers macht deutlich: die Gütertrennung zwischen dem zivilen Luft- und Raumfahrtgeschäft und den Versorgungsaktivitäten der Schweizer Armee ist eine delikate Aufgabe. Nebst buchhalterischem Geschick braucht es vor allem einen Prozess, der die nicht unbedingt gleichgerichteten Interessen der Firmenleitung und des staatlichen Alleineigentümers auszugleichen vermag.

Die Komplexität ergibt sich aus der Geschichte von Ruag. Als der Bund 1999 seine ehemaligen Regiebetriebe der Armee unter dem Dach der neu gegründeten Ruag zusammenschloss und dem fast gänzlich von einheimischen Armeeaufträgen abhängigen Konzern den Auftrag gab, stärker in zivile Bereich zu diversifizieren, entwickelte sich ein System von Quersubventionierungen, das Jahre später für viel politischen Unmut sorgen sollte.

Quersubventionierung war Teil des Geschäftsmodells

Die Einnahmen aus den Service- und Reparaturaufträgen der Armee nutzte Ruag zur Finanzierung der Expansion: 2007 übernahmen die Schweizer vom insolventen Flugzeugbauer Fairchild Dornier die Produktionswerke zur Herstellung von Flugzeugrümpfen. Im Jahr darauf akquirierten sie mit Saab Space einen führenden Hersteller von Raketen- und Satellitenhardware. Nur wenige Monate später erfolgte die Akquisition von der im gleichen Geschäft tätigen Oerlikon Space. Allein die Zukäufe haben nach Aussagen von Finanzchef Urs Kiener mehr als 200 Millionen Franken gekostet. Richtig teuer wurde es aber erst danach. Die eingekauften Firmen waren von ihren finanziell ausgezehrten, vormaligen Eigentümern auf Diät gehalten worden und mussten von Ruag mit hohen Investitionen wieder fit getrimmt werden. Auch dafür mussten mindestens teilweise die Erträge aus dem angestammten Rüstungsgeschäft herhalten.

2016 erhielt die Eidgenössische Finanzkontrolle Hinweise eines Whistleblowers, dass Ruag bei diesen Quersubventionierungen mit überrissenen Rechnungen an die Armee nachgeholfen habe. Die Bundesanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren gegen Unbekannt. Zurzeit prüft die Eidgenössische Finanzkontrolle, ob Ruag die Gewinnvereinbarungen mit Armasuisse eingehalten hat. In den Anfängen von Ruag seien die Quersubventionierungen ein Teil des Geschäftsmodells gewesen, jetzt aber gelte das Prinzip, dass die mit Armeeaufträgen erwirtschafteten Gewinne der Ruag beim Bund bleiben müssten, erklärte Breitmeier. Es habe ein «Paradigmenwechsel» stattgefunden. Vor diesem Hintergrund dürfte die finanzielle Entflechtung von Ruag auch politisch zur Knacknuss werden. Das Argument, dass mit der geplanten Abspaltung der zivilen Ruag-Bereiche die Gewinne privatisiert werden sollen, während die Kosten für deren Aufbau vom Staat getragen werden mussten, weist Breitmeier allerdings vehement zurück.

«Wir glauben an die Story»

Wenn Ruag International in einigen Jahren an die Börse kommt, habe der Bund als Alleineigentümer den ganzen Gewinn für sich. Ruag International kommt nach einer Überschlagsrechnung derzeit mit rund 4300 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von 1 Milliarde Franken. Etwa so viel sollte bei einem Börsengang auch zu holen sein, glaubt er. Verkaufen will der Bund auch das Munitionsgeschäft und den Bereich Cyber Security mit einem Jahresumsatz von gesamthaft über 450 Millionen Franken. Der Erlös aus diesen Verkäufen soll aber bei Ruag International bleiben.

Im Eigentum des Bundes sollen die alten Regiebetriebe bleiben, die mit 2500 Mitarbeitern rund 400 Millionen Franken Umsatz generieren. Im vergangenen Jahr hat Ruag mit einem Gewinn von 74 Millionen Franken 18 Prozent weniger verdient als im vorangegangenen Geschäftsjahr. Hauptursache dafür ist just die zivile Sparte. Trotzdem sagt Breitmeier über die Zukunft von Ruag International: «Wir glauben an die Story.»

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