Karriere
Ein guter Golfspieler zu sein, reichte Thomas Gottstein nicht – heute führt er die Credit Suisse Schweiz

Der Investmentbanker Thomas Gottstein führt die Schweizer Einheit der Credit Suisse an die Börse. Doch woher kommt er?

roman seiler
Merken
Drucken
Teilen
Der Banker ist neu Chef der Credit Suisse Schweiz. Wir besuchten ihn am Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.

Der Banker ist neu Chef der Credit Suisse Schweiz. Wir besuchten ihn am Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.

Mario Heller

Thomas Gottstein (52) strahlt Ruhe aus. Dabei steht er unter gewaltigem Druck. Der neue Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam übertrug ihm in seinem Führungsteam eine Schlüsselrolle: Gottstein soll einen Teil der Schweizer Einheit der Grossbank am Zürcher Paradeplatz im kommenden Jahr an die Börse bringen. Der Deal seines Lebens. Die Einheit bietet eine umfassende Dienstleistungspalette an für in der Schweiz wohnende Private, vom normalen Angestellten bis zum Superreichen, Firmen und Pensionskassen.

Tore zu schiessen, lernte Gottstein bei den Junioren des FC Zürich. Dort spielte er unter anderem mit dem heutigen Trainer des FC Basel, Urs Fischer. Seine Nerven im Zaum zu halten, lernte er während seiner Karriere als Investmentbanker und auf dem Golfplatz. Von Kindsbeinen an übte er diesen Sport aus, war mehrfacher Schweizer Junioren- und Amateurmeister.

Einst überlegte sich Gottstein gar, Profi-Golfer zu werden. Mit 19 Jahren übte er während eines College-Aufenthalts in Florida Tag für Tag. Nach seiner Rückkehr gewann er die Junioren-Europameisterschaft. Das wars dann: «Ich habe gemerkt, dass ich ein seriöses Studium machen und nicht mein ganzes Leben lang auf dem Golfplatz verbringen will.»

1996 schloss er sein Ökonomiestudium an der Uni Zürich mit dem Doktortitel ab. «Betriebliches Rechnungswesen als Führungsinstrument im Bankkonzern», lautet der Titel seiner Dissertation. Die damaligen Leiter des Bankinstituts hätten ihm die Faszination des Bankgeschäfts vermittelt. Anschauungsunterricht bekam er bereits von Kindsbeinen an: Ex-Bankgesellschaftschef Nikolaus Senn war ein Freund seiner Eltern.

Bestens vernetzter Banker

Auf dem Golfplatz begegnete er Top Shots der Branche wie dem heutigen Ehrenpräsidenten der Credit Suisse (CS), Rainer E. Gut, und Mathis Cabiallavetta von der Bankgesellschaft. Mit Guts Sohn Alexander studierte er. Der wird im Frühjahr in den CS-Verwaltungsrat gewählt sowie denjenigen der in Gründung befindlichen CS (Schweiz) AG. Gut dürfte wohl ein Kandidat für das Präsidium der Einheit sein, die Gottstein nun seit Herbst 2015 führt.

Sein als Banker aufgebautes Netzwerk hilft ihm in seiner neuen Rolle. Noch während Gottstein seine Dissertation schrieb, stieg er bei der einstigen Bankgesellschaft ein. Dort lernte er in London das Geschäft der Börsenhändler und Berater bei Firmenübernahmen, Fusionen und Börsengängen kennen. Seine Faszination für den schillernden Kosmos des Investmentbankings verstärkte sich noch mit der Lektüre von «Liars Poker», einem autobiografisch angehauchten Bestseller von Michael Lewis, einem Ex-Trader des US-Geldhauses Salomon Brothers.

In London bekam er aber auch hautnah mit, wie ein Betrieb durchgeschüttelt wird, der eine Fusion eingeht. Der «Tradingfloor» der Bankgesellschaft, der grösste Handelsraum in London, sei innert Tagen leergefegt worden, sagt Gottstein: «Dort wurde dann Frisbee gespielt.» Tausende der «Bankgesellen» seien unmittelbar nach der Bekanntgabe des Zusammengangs mit dem Bankverein auf die Strasse gestellt worden.

Gottstein war einer der wenigen, die auf die andere Strassenseite wechseln durften, in den Handelsraum der Fusionsgewinner vom Bankverein. Geholt wurde er, weil er auf Deals mit Telekom-Gesellschaften spezialisiert war, beispielsweise mitgeholfen hatte, die heutige Telekom Austria zu privatisieren. Der Bankverein hatte das Mandat erhalten, den Börsengang der Swisscom durchzuführen.

Die von den Fusionswirren gelähmte UBS verliess er 1999 und wechselte zur CS, wo er zum Leiter des Teams für Börsengänge und andere Kapitalmarkt-Transaktionen in Europa aufstieg. 2010 übernahm er die Co-Leitung des hiesigen Investmentbankings. Das sei eigentlich ein Firmenkundengeschäft: «Es geht nicht nur darum, Börsengänge oder Aktienemissionen durchzuführen, sondern auch um die Gewährung von Krediten bis hin zu Leasinggeschäften.»

Meeting reiht sich an Meeting

Gottstein kennt daher unzählige Firmenchefs und Verwaltungsräte aus dieser Zeit. Zudem leitete er ab 2013 das Vermögensverwaltungsgeschäft für superreiche, in der Schweiz lebende Kunden mit 600 Angestellten. Statt diesem «KMU» ist er nun für das zweitgrösste Schweizer Geldhaus mit demnächst 12 000 Mitarbeitern verantwortlich. Die neue Managementaufgabe bringe es mit sich, dass er von Meeting zu Meeting eile – «von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends». Aber sein Motto bleibe: «Ein Tag, ohne einen Kunden zu begrüssen, ist ein schlechter Tag.»

Sport treibe er leider zu wenig, klagt er: «Aber immerhin beginnen nun meine zwei Söhne im Alter von 8 und 13 auch zu golfen.» Die sind ihm wichtig: «Ihnen will ich ein guter Vater sein.»