AZ Medien
Ein Jahr zum Vergessen

Für die AZ Medien AG geht ein schwieriges Geschäftsjahr zu Ende, das insgesamt zu einem unbefriedigenden Ergebnis geführt hat. Und das laufende Jahr, das wurde an der Generalversammlung klar, wird es auch nicht einfacher.

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AZ Medien trotzen dem Sturm_2
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AZ Medien trotzen dem Sturm_2

«Ich bin froh, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben» konstatierte Verwaltungsratspräsident Jürg Schärer zur Eröffnung der 161. ordentlichen Generalversammlung der AZ Medien AG. Damals nämlich war es Brauch, den Überbringer schlechter Nachrichten zu köpfen. Schärer war deshalb froh, weil er schlechte Nachrichten überbringen musste: «Unsere Gesellschaft hat das vergangene Geschäftsjahr mit einem absolut unbefriedigenden Ergebnis abgeschlossen», bilanzierte er. Und konstatierte, mit Blick nach vorne: «Wir sehen uns auch im laufenden Jahr vor enormen Herausforderungen gestellt, die es schon heute als unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass die Budgetziele erreicht werden können.»

Die Zahlen

Die AZ Medien AG selbst bezeichnet das Konzern- und das Betriebseregebnis als «unbefriedigend» und führt die «massive Verschlechterung» mehrheitlich auf die negative Entwicklung im Segment Zeitungen zurück und dort namentlich auf die hohen Kosten für Redaktion und Vertrieb des «Sonntags». Parallel dazu gestaltete sich die Marktbearbeitung im lokalen und regionalen Anzeigengeschäft negativ. Dritter Faktor, der sich zunehmend negativ auswirkt, ist der Umstand, dass sich die Mediennutzung zunehmend in Richtung digital verschiebt.

In Zahlen ausgedrückt: Während der Betriebsertrag nur um knapp ein Prozent abnahm, ging der Betriebs-Cashflow um 30,2% zurück, das Betriebsergebnis gar um über zwei Drittel (von 8,1 Mio. Fr. auf 2,6 Mio. Fr.). Dass das Ergebnis überhaupt noch so hoch ausgefallen ist, verdankt die Gruppe dem Umstand, dass neben der Sparte Zeitungen eine breite Diversifikation besteht.

Es gibt aber auch Lichtblicke: «Radio Argovia», der Zeitschriftenverlag, der AT-Buchverlag, die Weiss Medien sowie der Zeitungsdruck haben laut Roland Tschudi, dem Leiter der Konzernfinanzen, «hervorragende Ergebnisse» erzielt.

Für das laufende Jahr rechnet die AZ Medien AG mit weiterhin sinkenden Erträgen im Zeitungsbereich. Ob diese durch die bereits eingeleitete Nutzung von Synergien im Mittelland Zeitungs-Verbund sowie den geplanten Effizienzsteigerungen aufgefangen werden können, ist in der Zwischenzeit fraglich. Ein Leistungs- und Kapazitätsabbau innerhalb der Gruppe wird deshalb zunehmend wahrscheinlich.
Zu berücksichtigen ist trotz aller Moll-Töne, dass die Gruppe nach wie vor solid finanziert ist. Der Eigenfinanzierungsgrad ist mit 55 Prozent weiterhin stabil, die erzielte Eigenkapitalrendite von 1,5% für einen Medienbetrieb in der aktuellen Situation aber auch angespannt.

Neu im Verwaltungsrat Die Generalversammlung der AZ Medien AG hat Michael Wanner, 26, neu in den Verwaltungsrat gewählt. Der Sohn von Verleger Peter Wanner ist Master of Arts HSG in Law and Economics und wohnt in Hamburg.

Neu im Verwaltungsrat Die Generalversammlung der AZ Medien AG hat Michael Wanner, 26, neu in den Verwaltungsrat gewählt. Der Sohn von Verleger Peter Wanner ist Master of Arts HSG in Law and Economics und wohnt in Hamburg.

Vortrag in Moll

In Moll ging es weiter. Die Rezession hat, so Schärer, direkte Auswirkungen auf die Medienmärkte. Das illustrierte er anhand einiger Eckwerte: Basierend auf den Zahlen des vergangenen Aprils sind die Inserateeinnahmen gegenüber dem Vorjahr um rund 30% gesunken, bei den Stellenanzeigen betrug der Rückgang knapp über 50 Prozent, bei den Liegenschaftsanzeigen ist es ein Viertel, das Volumen bei den kommerziellen Anzeigen ging um 25% zurück. Bedenke man, dass sich die Zeitungen zu mehr als zwei Drittel aus Inserateeinnahmen finanzieren, könne man laut Schärer die gravierenden Auswirkungen selber ausrechnen.

Wittmanns Bilanz Mehr als alles andere hat die aktuelle Finanz-, bzw. inzwischen Wirtschaftskrise den Geschäftsgang der AZ Medien AG im laufenden Jahr beeinflusst. Passend somit, dass Werner Wittmann, streitbarer Publizist und Wirtschaftswissenschaftler, an der Generalversammlung eine Rede hielt. Wittmann blickte dabei auf die Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte und deren Ursachen zurück («Spekulation auf Kredit», «blinder Optimismus», spannte dann den Bogen vom Beginn der aktuellen Krise («Hypotheken wurden zunehmend an Personen ohne Vermögen und ausreichenden Einkommen vergeben») bis hin zu den aktuellen Konjunkturprogrammen und wagte schliesslich einen Ausblick auf die nächste Zukunft. Nicht ausgestanden Seiner Ansicht nach ist die Finanzkrise «nicht ausgestanden»: Abschreibungen auf Schrottpapiere sind noch nicht fertig, die Banken werden weitere Kapitalspritzen brauchen, die Staats- und Zentralbanken werden weiter Liquidität in die Märkte pumpen müssen. «Eine halbwegs abschliessende Bilanz der Finanzkrise», so Wittmann, «wird erst in drei bis fünf Jahren möglich sein.» Wittmann rechnet, dass die Talsohle erst im Herbst des laufenden Jahres erreicht sein wird. Der darauf folgende Aufschwung wird laut Wittmann «eher schwach sein».

Wittmanns Bilanz Mehr als alles andere hat die aktuelle Finanz-, bzw. inzwischen Wirtschaftskrise den Geschäftsgang der AZ Medien AG im laufenden Jahr beeinflusst. Passend somit, dass Werner Wittmann, streitbarer Publizist und Wirtschaftswissenschaftler, an der Generalversammlung eine Rede hielt. Wittmann blickte dabei auf die Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte und deren Ursachen zurück («Spekulation auf Kredit», «blinder Optimismus», spannte dann den Bogen vom Beginn der aktuellen Krise («Hypotheken wurden zunehmend an Personen ohne Vermögen und ausreichenden Einkommen vergeben») bis hin zu den aktuellen Konjunkturprogrammen und wagte schliesslich einen Ausblick auf die nächste Zukunft. Nicht ausgestanden Seiner Ansicht nach ist die Finanzkrise «nicht ausgestanden»: Abschreibungen auf Schrottpapiere sind noch nicht fertig, die Banken werden weitere Kapitalspritzen brauchen, die Staats- und Zentralbanken werden weiter Liquidität in die Märkte pumpen müssen. «Eine halbwegs abschliessende Bilanz der Finanzkrise», so Wittmann, «wird erst in drei bis fünf Jahren möglich sein.» Wittmann rechnet, dass die Talsohle erst im Herbst des laufenden Jahres erreicht sein wird. Der darauf folgende Aufschwung wird laut Wittmann «eher schwach sein».

Die Folge: «Unser Unternehmen sieht sich deshalb gezwungen, ein rigoroses Sparprogramm in allen Bereichen durchzusetzen, das leider auch Entlassungen nötig macht», bedauerte der Verwaltungsratspräsident.
Dass man in dieser Situation nicht allein dasteht, weil alle anderen Medienhäuser vor denselben Problemen stehen, macht die Sache nicht besser.

«Vor der grössten Herausforderung»

Die traditionellen Verlagshäuser stehen nach Ansicht Schärers «wohl vor der grössten Herausforderung ihrer Geschichte» - auch, weil die Medienbranche stärker unter der aktuellen Rezession leidet als andere Branchen. Es stellt sich insbesondere die Frage ihrer künftigen Funktion in einer laut Schärer «zeitverzugslosen, nachrichtenüberfluteten und nachrichtenübersättigten Welt». Seiner Ansicht nach kann sie nur in etwas liegen, was die sozialen Netzwerke im Internet nicht zu leisten vermögen: «Vertiefung der Nachrichten, Erklärung über die Schlagzeile und den Tag hinaus, die Darstellung der Hintergründe und der möglichen Entwicklungen».

Das wiederum erfordere kompetente, gebildete Journalisten, die Zeit hätten, sich in eine Materie zu vertiefen, was wiederum Geld koste - Geld, das laut Schärer «aktuell nicht vorhanden ist». Damit befinde man sich in einer eigentlichen negativen Abwärtsspirale.

Der Verwaltungsratspräsident vermied es aber, mit einer pessimistischen Note zu schliessen: er zeigte sich überzeugt, «aufgrund unseres Know-hows, unserer finanziell gesunden Verfassung und unserer Fähigkeit, uns an neue Entwicklungen anzupassen» die grossen Herausforderungen der Zukunft meistern zu können.

Des Verlegers Erklärung

Es war dann an Verleger Peter Wanner, das «völlig unbefriedigende Ergebnis» zu erklären. Er tat dies mit der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise, mit dem verfehlten Umsatzbudget und dem Strukturwandel. Er wies auch auf die verschiedenen erheblichen Projektinvestitionen («Sonntag» und «a-z.ch»). Das alles hat laut Peter Wanner zur Folge, dass «jetzt ein erhebliches Spar- und Synergieprogramm umgesetzt werden muss», eine «Rosskur», wie er es nennt. Für das laufende Jahr rechnet Peter Wanner denn auch erneut «mit einem schlechten» Resultat. Oberstes Ziel sei es, «diese Krise durchzustehen, um nächstes Jahr fit und bereit zu sein für eine Verkaufs- und Marketingoffensive», von der er sich sehr viel verspricht.

Die Generalversammlung genehmigte in der Folge und ohne Diskussion und einstimmig den Jahresbericht, die Jahresrechnung sowie die Konzernrechnung (siehe Kasten), entlastete dann die Mitglieder des Verwaltungsrates und folgte dem Antrag, den Bilanzgewinn ohne Ausschüttung einer Dividende auf die neue Rechnung vorzutragen. (rkr)