USA
Ein Klub von Milliardären: So reich ist die Trump-Regierung

Zusammengezählt sind die bis anhin bekannten Mitglieder der neuen US-Regierung rund 35 Milliarden Dollar schwer. Kommt es in den USA zu einer Oligarchie wie in Russland?

Philipp Löpfe
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Sinnbild von Reichtum und Macht: Der Trump Tower.

Sinnbild von Reichtum und Macht: Der Trump Tower.

AP/Keystone

Obwohl Donald Trump zu den Superreichen zählt, konnte er bei den einfachen Amerikanern punkten. Sie sehen in ihm einen der ihren und gaben ihm den liebevollen Übernamen: «Der Milliardär im Blaumann».

Das könnte sich als Irrtum erweisen. Je mehr von den Namen bekannt werden, die bald in Washington den Ton angeben, desto deutlicher wird: Trump umgibt sich mit seinesgleichen, will heissen, mit Reichen und Mächtigen.

Als einfacher Millionär ist man ein armer Schlucker

Es beginnt schon bei seinem Chefstrategen: Nachdem Steve Bannon ein Elitestudium (Harvard) abgeschlossen hatte, arbeitete er bei einer Elite-Bank (Goldman Sachs), um dann als Banker in der Unterhaltungsindustrie ein Vermögen zu verdienen - ironischerweise mit der Vermarktung der linken Kultserie «Seinfeld».

Bannon muss sich jedoch im Weissen Haus wie ein armer Schlucker vorkommen. Das Magazin «Politico» hat die Vermögen der Männer und Frauen aufgelistet, die in Trumps Regierung eine wichtige Rolle spielen werden. Einer davon ist der Öl-Tycoon Harold Hamm, dessen Vermögen 15.3 Milliarden Dollar beträgt. Ein weiterer ist der Investor Wilbur Ross mit einem Vermögen von 2.9 Milliarden Dollar.

Todd Ricketts, der als Vize-Handelsminister im Gespräch ist, kommt aus einer Milliardärs-Familie.
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Mitt Romneys Vermögen wird auf rund 250 Millionen Dollar geschätzt. Er wird wie...
... Rudy Giuliani als möglicher Aussenminister gehandelt. Dieser kann ebenfalls auf ein Vermögen im zweistelligen Millionenbereich zurückblicken.
Betsy DeVos ist als künftige Erziehungsministerin vorgesehen. Das Vermögen ihrer Familie wird auf 5.1 Milliarden Dollar geschätzt
Öl-Tycoon Harold Hamm besitzt 15,3 Milliarden Dollar.
Investor Wilbur Ross besitzt ein Vermögen von 2,9 Milliarden Dollar.
Steve Bannon, Trumps Chefstratege, hat als Banker in der Unterhaltungsindustrie ein Vermögen verdient.

Todd Ricketts, der als Vize-Handelsminister im Gespräch ist, kommt aus einer Milliardärs-Familie.

AP/Keystone

Betsy DeVos ist als künftige Erziehungsministerin vorgesehen. Das Vermögen ihrer Familie wird auf 5.1 Milliarden Dollar geschätzt und es stammt aus dubiosen Quellen, nämlich dem umstrittenen Amway-Konzern. Dieser musste sich wegen Verdachts auf ein Schneeballsystem vor Gericht verantworten, konnte sich aber mit einer Millionensumme freikaufen.

Rudy Giuliani kann ebenfalls auf einen einflussreichen Posten hoffen. Der ehemalige Bürgermeister von New York hat die Rolle des Mannes für das Grobe im Wahlkampf gespielt. Seine Vermögensverhältnisse sind wie diejenigen von Trump: undurchsichtig, aber auf jeden Fall im zweistelligen Millionenbereich.

Mitt Romney, der wie Giuliani als möglicher Aussenminister gehandelt wird, soll rund 250 Millionen Dollar Vermögen haben. Todd Ricketts, als Vize-Handelsminister im Gespräch, kommt aus einer Milliardärs-Familie.

Trump will keine Trennung von Geschäft und Weissem Haus

Politico kommt zum vorläufigen Schluss, der wie folgt lautet: «Zusammengezählt könnte das Vermögen des Kabinetts und der Verwaltung von Trump rund 35 Milliarden Dollar betragen. Das ist eine unglaubliche Akkumulation von Reichtum und einmalig in der amerikanischen Geschichte.»

Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass Trump nicht eben das Musterbeispiel eines über jeden Tadel erhabenen Geschäftsmannes ist. Im Wahlkampf hat er sich geweigert, seine Steuererklärung offen zu legen. Jetzt weigert er sich, seine Geschäfte und seine Rolle im Weissen Haus zu trennen und sein Unternehmen in einen «blind trust» zu überführen. Dann hätte er während seiner Amtszeit keinen Einfluss mehr auf seine Geschäfte. Stattdessen will er sein Unternehmen in die Hände seiner Kinder übergeben.

Dass dies zwangsläufig zu Interessenkonflikten führen muss, liegt auf der Hand. «Die Gefahr, dass das Weisse Haus eine Filiale der Trump Organisation wird, ist real», warnt der «Economist».

Die Warnung ist nicht grundlos. So hat Trump beispielsweise Nigel Farage aufgefordert, Opposition gegen Windmühlen in Schottland zu machen, die seine Golfplätze in der Gegend stören könnten. Farage war einer der Architekten des Brexit und bis vor kurzem Chef der nationalistischen UKIP. Der britischen Regierung hat Trump sogar nahe gelegt, Farage als Botschafter nach Washington zu entsenden.

Trump Towers gibt es mittlerweile nicht nur in New York. Weitere Hochhäuser sind unter anderem auch in Istanbul, Mumbai oder Manila geplant. Dort hat der umstrittene Premierminister Rodrigo Duterte soeben einen Trump-Partner zum Sonderbotschafter für die Vereinigten Staaten ernannt. Der gewählte Präsident zeigte sich hoch erfreut.

Auch die Familie mischelt mit

Der «Economist» hingegen ist alarmiert: «Es scheint wahrscheinlich, dass Präsident Trump die Grenze zwischen Business und Politik auf eine beunruhigende Art und Weise verwischen wird – erwartet werden zweifelhafte Deals und heimliche Meetings.» Auch die Familie macht mit. Ehefrau Melania wirbt für exklusive Faltencremes und Tochter Ivanka nutzte einen Auftritt in der TV-Sendung «60 minutes», um auf Schmuck aus ihrer Kollektion aufmerksam zu machen.

Der Trump-Clan Trumps erste Ehefrau Ivana Trump (Zelnícková). Das Bild des ehemaligen Models stammt aus dem Jahr 2009. Ivana stammt aus Tschechien. Das Paar war von 1977 bis 1990 verheiratet.
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Kinder aus erster Ehe mit Ivana Marie Zelnícková Ivanka Trump (*1981), Eric Trump (*1984) und Donald Jr. Trump (*1977).
Der Trump-Clan
Trumps zweite Ehefrau Marla Maples Trump war von 1993 bis 1999 mit der amerikanischen Schauspielerin Marla Maples verheiratet. 1993 kam ihre gemeinsame Tochter Tiffany zur Welt. Bild 1993.
Marla Maples Das Bild stammt aus dem Jahr 2007
Glamour-Paar: Donald Trump mit seiner dritten Ehefrau Melania Donald und Melania Trump anlässlich der Golden Globe Awards 2007. Mit dem slovenischen Model Melania Knauss ist Trump seit 2005 verheiratet. 2006 wurde ihr Sohn Barron William geboren.
Barron William Der Sohn von Melania und Donald Trump wurde über Nacht bekannt, weil er während der Siegesrede seines Vaters vor Müdigkeit fast stehend eingeschlafen war.
Donald, Barron, Melania
Wahlkampfhelferin Melania Trump
Melania Trump während der Wahlkampagne

Der Trump-Clan Trumps erste Ehefrau Ivana Trump (Zelnícková). Das Bild des ehemaligen Models stammt aus dem Jahr 2009. Ivana stammt aus Tschechien. Das Paar war von 1977 bis 1990 verheiratet.

Keystone

Für Paul Krugman, Nobelpreisträger und Kolumnist der «New York Times», sind dies lediglich «Peanuts». Er will bereits die Gefahr einer Oligarchie à la Putin erkannt haben und belegt diese Befürchtung mit der Art und Weise, wie Trump die Investitionen in die Infrastruktur finanzieren will. Das geht wie folgt:

Wie der amerikanische «Crony Kapitalismus» aussehen könnte

Angenommen, ein privates Konsortium verpflichtet sich, eine gebührenpflichtige Autobahn für eine Milliarde Dollar zu bauen. Gemäss Trump kann dieses Konsortium 800 Millionen Dollar Schulden aufnehmen und 200 Millionen Dollar Eigenkapital einbringen.

Für die 200 Millionen Dollar Eigenkapital erhält es umgehend eine Steuervergütung von 82 Prozent. Letztlich muss das Konsortium also lediglich 36 Milionen Dollar aufbringen, um danach die Autobahngebühren einzukassieren. Ein blendendes Geschäft, für das die Investoren lediglich 18 Cents pro Dollar einzahlen müssen.

Krugman geht davon aus, dass Trump Geschäfte dieser Art an seine Kumpels, die er im Weissen Haus um sich geschart hat, vergeben wird. Allmählich entsteht so ein System, wie es in Russland bereits besteht. Eine superreiche Oligarchie thront über einem Staatskapitalismus und sahnt ab. Für den Mittelstand bleiben höchstens ein paar Krümel des Wohlstandskuchens übrig.

«Sich selbst zu bedienen wird zur Norm der neuen Regierung werden», warnt Krugman. «In Amerika hat soeben eine bisher einmalige Ära der Korruption an der Spitze begonnen.»