Sättigung
Ein Knacks für Chips-Hersteller Zweifel

Zum ersten Mal seit vielen Jahren ging der Umsatz beim Chips-König Zweifel 2013 zurück. Schlechtes Wetter und weniger Grossanlässe sind die Gründe. Die Fussball-WM soll Zweifel neuen Schub verleihen.

Thomas Schlittler
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Zweifel Chips.JPG

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Keystone

Die spanische Fussball-Nationalmannschaft hat einen unglaublichen Lauf. Die Iberer haben seit 2008 alles gewonnen, was es zu gewinnen gab: eine Welt- und zwei Europameisterschaften. Oder anders gesagt: Die Spanier wissen fast nicht mehr, wie es sich anfühlt, zu verlieren.

Ganz ähnlich ging es die letzten Jahre Mathias Adank. Der CEO der Zweifel Pomy-Chips AG mit Sitz in Spreitenbach hat gar seit 2006 nicht mehr verloren, die Erlöse seines Unternehmens nahmen jedes Jahr zu - bis jetzt.

2013 ging der Umsatz von Zweifel erstmals seit acht Jahren zurück, um ein Prozent auf 208,2 Millionen Franken.«Der Grund dafür liegt im schlechten Wetter des ersten Halbjahres 2013 und dem fehlenden Sport-Grossereignis», sagt Adank. Gewinnzahlen gibt das Familienunternehmen nicht bekannt.

Vertrieb für Nestlé & Co.

Vor allem in Freibädern hat Zweifel die Wetterkapriolen des letzten Frühlings zu spüren bekommen. Bei diesen kleineren Verkaufsstellen ist der Snack- und Kartoffelchips Hersteller nämlich nicht nur mit eigenen Produkten präsent, sondern fungiert mit seinen 130 Lieferwagen auch als auch als Verteiler für Konkurrenten wie den Schweizer Lebensmittelgiganten Nestlé oder den US-Riesen Mars. Adank: «Aufgrund des schlechten Wetters und der ausbleibenden Gäste haben auch diese Firmen weniger verkauft - folglich konnten wir weniger liefern.»

Zweifel ist eine der wenigen Herstellerfirmen, die einen eigenen Vertrieb haben. Auslöser dafür war die Einführung des Frisch-Services vor über 50 Jahren. Andere Produzenten arbeiteten traditionell mit Grossisten zusammen. «Da es heute aber kaum noch Grossisten gibt, die eine solche Feinverteilung anbieten, greift die Konkurrenz auf unser Vertriebssystem zurück», so der CEO.

Die Einnahmen durch die Logistikdienstleistungen haben einen signifikanten Einfluss auf die Erlöse von Zweifel. Durch die Abnahme der abgesetzten Snack-Menge (Snacketti, Popcorn, Nüsse) von zwei Prozent auf 1824 Tonnen lässt sich der Umsatzrückgang von zwei Millionen Franken nämlich nicht erklären. Zumal die Menge verkaufter Chips, die deutlich wichtigere Sparte, gewichtmässig um 0,4 Prozent auf 6507 Tonnen zugelegt hat - und das, obwohl die Preise leicht erhöht wurden.

Wetter wichtiger als Schweizer-Nati

Trotz des leichten Knacks im letzten Jahr will Adank nicht schwarz malen: «Wir sind jetzt nicht plötzlich an einem Punkt, an dem es nur noch bergab geht. Ich sehe keine Trendwende.» Es sei normal, dass es mit zunehmender Grösse schwieriger werde, zu wachsen.

Zusätzlichen Optimismus schöpft Adank aus dem guten Start ins Jahr 2014 und der Tatsache, dass die Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien vor der Tür steht: «In den zwei Monaten vor und während einer Fussball-WM verkaufen wir rund 10 Prozent mehr als in Jahren ohne Grossereignis.»

Allerdings schlagen nicht alle zusätzlichen Erlöse, die während einer WM generiert werden, auf den Jahresumsatz durch. Ein Teil der Chips-Käufe passiert lediglich zeitverschoben, sie fehlen in anderen Monaten. «Auf das ganze Jahr gesehen bringt uns ein Fussball-Grossereignis rund eins bis eineinhalb Prozent mehr Umsatz.»

Extra für den Event hat Zweifel drei neue Chips Sorten kreiert: Die Chips des Gastgebers Brasilien schmecken nach schwarzen Bohnen (Feijoada), die Deutschland-Chips nach Currywurst und jene der Schweiz haben einen Älplermagronen-Geschmack.

Und welche Rolle spielt das Abschneiden der Schweizer Nati? Adank: «Es würde mich natürlich freuen, wenn die Nati weit kommt. Für das Geschäft ist es aber wichtiger, dass das Wetter stimmt und die Leute die Spiele draussen beim Grillieren geniessen können.»