Konsum
Ein kräftiger Stoss geht durch den Schweizer Detailhandel

Auf den ersten Blick sind die Detailhandelsumsätze im August 2012 ein Grund zum Feiern. Doch die sinkenden Preise fressen den Grossverteilern einen Teil der Gewinne weg.

Thomas Schlittler
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Die Schweizer kaufen mehr ein – bei den Händlern bleibt aber nach wie vor nicht viel mehr in der Kasse.

Die Schweizer kaufen mehr ein – bei den Händlern bleibt aber nach wie vor nicht viel mehr in der Kasse.

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Auf den ersten Blick sind die Detailhandelsumsätze im August 2012 ein Grund zum Feiern: Gleich um 5,9 Prozent legten die realen, um die Minusteuerung bereinigten Absätze im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Und auch die nominalen Umsätze der Detailhändler steigerten sich um 3,5 Prozent. Das gab das Bundesamt für Statistik gestern bekannt. Diese Zahlen gilt es aber differenziert zu betrachten, sagt Jonas Stoll von BAK Basel: «Während die Zeiten für Konsumenten tatsächlich sehr gut sind, bleibt es für die Detailhändler weiter schwierig.»

Die Vergleichsbasis der aktuellen Wachstumszahlen ist der August 2011. In diesem Monat herrschte zwischen Euro und Franken fast Parität, was die Schweizer in Massen zum Einkaufen über die Grenzen trieb. Hierzulande purzelten in der Folge die Preise.

Vor diesem Hintergrund will Stoll nicht von einer Trendwende sprechen: «Wir erwarten für das ganze Jahr 2012 einen nominalen Umsatzrückgang von 0,5 Prozent.» Das sei auf Preissenkungen zurückzuführen, die durch die verstärkte Konkurrenzsituation und den anhaltenden Einkaufstourismus nötig wurden. Bis Ende Jahr geht BAK Basel von Auslandeinkäufen in der Höhe von 3 bis 3,5 Milliarden Franken aus. Im letzten Jahr schätzte das Forschungsinstitut die Auslandabflüsse auf dieselbe Grössenordnung.

Einkaufstourismus bleibt Thema

Laut Klaus Abberger von der KOF-Konjunkturforschungsstelle hat sich der Einkaufstourismus in den letzten Monaten verändert: «Grössere Anschaffungen wie beispielsweise Autos werden mittlerweile wieder seltener im Ausland gemacht.» Bei kleineren Dingen wie Lebensmitteln sei der Gang über die Grenze aber weiterhin ein Thema, so Abberger.

Das bestätigt auch die Migros: «Der Einkaufstourismus besteht nach wie vor und wird sich – solange die Währungskurse auf heutigem Stand bleiben – nicht gross verändern», sagt Mediensprecherin Monika Weibel. Auch Coop und die Warenhausgruppe Manor spüren den Einkaufstourismus nach wie vor.

Trotz dieser Umstände sind die drei Unternehmen mit dem laufenden Geschäftsjahr nicht unzufrieden. Manor schreibt, dass man «auf Budgetkurs» sei, Coop ist mit der Entwicklung «grundsätzlich zufrieden» und auch die Migros sieht sich, «nominal gesehen insgesamt auf Kurs». Konkrete Zahlen geben die Firmen nicht bekannt. Auch mit Zukunftsprognosen halten sich die Detailhändler zurück. Coop schreibt, dass vieles vom Weihnachtsgeschäft abhänge, und Manor lässt verlauten, dass Prognosen aufgrund des unverändert anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds schwierig seien.

BAK Basel erwartet nach einem weiteren Rückgang in diesem Jahr für 2013 ein nominales Wachstum von 1,4 Prozent. «Der Einkaufstourismus wird zwar weiterhin Bestand haben, die Preissenkungen werden jedoch nachlassen», begründet Stoll die Prognose. Die realen Umsätze sieht BAK Basel bereits in diesem Jahr mit 2 Prozent im Plus. Durch die anhaltende Zuwanderung und die nach wie vor günstige Arbeitsmarktsituation in der Schweiz sei der Konsum in der Schweiz stabil, sagt Stoll. «Die sinkenden Preise haben dazu geführt, dass die Menschen real von einer Lohnerhöhung profitieren können.»