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Ein Login für alle Schweizer News-Portale

Google & Co. wissen viel über ihre Nutzer und dominieren so den Werbemarkt. Jetzt kontern die Schweizer Verleger.
Lorenz Honegger
Die Schweizer Verleger und die SRG wollen gemeinsam eine Datenplattform ins Leben rufen. Einer der treibenden Kräfte dieser Initiative ist Marc Walder, CEO von Ringier. (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Die Schweizer Verleger und die SRG wollen gemeinsam eine Datenplattform ins Leben rufen. Einer der treibenden Kräfte dieser Initiative ist Marc Walder, CEO von Ringier. (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Noch vor einem Jahr lieferten sich Ringier-CEO Marc Walder und Tamedia-Verleger Pietro Supino am Swiss Media Forum in Luzern einen heftigen Streit über die Zukunft des Schweizer Werbemarktes. Vergeben und vergessen. Am Freitag bemühten sich die beiden Zürcher Medienbosse am selben Anlass um Einigkeit. Sie nutzten die Podiumsdiskussion am Schluss des Forums, um ein neues, branchenübergreifendes Projekt anzukündigen: ein Kunden-Login für alle grossen Schweizer Nachrichten-Portale. Von «Blick» bis «NZZ» sollen sich die Leserinnen und Leser in Zukunft mit einem einzigen Account auf sämtlichen Plattformen einloggen können.

Ringier-Boss Walder verspricht sich davon mehr «Usability», mehr Kundenfreundlichkeit, wie er dem Publikum erklärte. Ein einziges Passwort lässt sich leichter merken als zehn verschiedene. Das ist aber nur ein Grund für die Initiative.

«Das tollere Umfeld»

Die Verleger wollen mit dem Projekt den Abfluss an Werbegeldern an Facebook und Google stoppen oder zumindest verlangsamen. Die Social-Media-Giganten kontrollieren dank ihrer unglaublichen Fülle an Nutzerdaten heute weit über die Hälfte des Schweizer Online-Werbemarktes. Denn je zielgerichteter die Werbung bei den Internetnutzern ankommt, desto mehr sind die Marketing-Abteilungen der Unternehmen bereit, dafür zu bezahlen.

Die Schweizer Medienkonzerne wollen jetzt nachziehen: Dank der geplanten Vernetzung ihrer Kunden-Accounts wollen auch sie präzisere Nutzerprofile erstellen, was wiederum die Streuverluste ihrer Werbekunden minimieren soll. Im Idealfall können sich die Verlage zusammen ein Stück des verlorenen Marktes zurückholen. «Wir bieten das tollere Werbeumfeld», sagte Ringier-CEO Walder.

Die Gespräche zwischen den Medienbossen laufen laut Walder erst seit einigen Tagen. Am Verhandlungstisch sitzen neben Ringier und Tamedia auch die AZ Medien, Somedia, die NZZ und die SRG. Wer letztendlich mitmacht, ist noch offen. NZZ-CEO Felix Graf sagte, er gebe dem Projekt gute Chancen. «Der Zeithorizont für die Umsetzung darf nicht Jahre sein. Wenn wir etwas tun, müssen wir uns der Geschwindigkeit des Marktumfelds anpassen.» Tamedia-Verleger Supino meinte: «Wir sollten nicht fragen, welche Chancen wir dem Projekt geben, wir müssen das einfach machen. Wir müssen die Grundlagen bis Ende Jahr haben und Anfang nächstes Jahr starten.»

Ähnliche Projekte in Europa

Der ehrgeizige Fahrplan hat seinen Ursprung wohl auch in ähnlichen Projekten im Rest von Europa. In Deutschland haben sich zwei Login-Allianzen formiert, die zusammen um die Gunst der Leser, vor allem aber um ihre Daten kämpfen. Eine Allianz heisst «netID» und zählt Schwergewichte wie die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel Verlag, aber auch RTL und ProSiebenSat.1 zu ihren Partnern. Sie will Mitte Oktober online gehen. Eine zweite, ebenfalls gut dotierte Gruppierung nennt sich «Verimi» und weiss unter anderem Axel Springer sowie Nicht-Medienakteure wie die Deutsche Bank und Volkswagen hinter sich. Ähnliche Projekte laufen auch in Frankreich und Portugal.

Nach Jahrzehnten der erbitterten Konkurrenz wächst unter den Verlagen die Gewissheit, dass sich die Übermacht der Mega-Konzerne aus Kalifornien nur in Kooperation bekämpfen lässt. Wenn überhaupt.

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