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Mit der Schliessung der Druckerei in Adligenswil endet auch ein Stück Schweizer Pressegeschichte

Nächste Woche werden die letzten Zeitungen bei der Ringier Print in Adligenswil gedruckt. Danach ist Schluss. Nach 50 Jahren stellt eine der einst modernsten Druckereien den Betrieb endgültig ein.
Raphael Bühlmann
Spatenstich in Adligenswil: Alice Bucher, damalige Chefin der C.J. Bucher AG, gibt im Jahr 1965 den Startschuss zum Bau der Druckerei. (Bild: Staatsarchiv Luzern, PA 1319/20.1)

Spatenstich in Adligenswil: Alice Bucher, damalige Chefin der C.J. Bucher AG, gibt im Jahr 1965 den Startschuss zum Bau der Druckerei. (Bild: Staatsarchiv Luzern, PA 1319/20.1)

In einer Woche endet ein Kapitel Schweizer Pressegeschichte. In der Nacht auf Freitag werden bei Ringier Print in Adligenswil zum letzten Mal die Druckmaschinen in Betrieb genommen. Die Druckerei, noch immer idyllisch zwischen Hombrig und Dottenberg eingebettet, galt während Jahrzehnten als das Zentrum der Schweizer Druckerbranche. Tages-, Wochen-, Fach- und Verbandszeitungen sowie Werbebeilagen und Kundenzeitungen: Das Portefeuille war umfassend – die Kapazitäten wurden stetig erweitert. Während fast eines halben Jahrhunderts zählte Adligenswil zu einer der wichtigsten Adressen der Schweizer Druckerbranche.

Ihren Anfang nahm die Geschichte 1967 mit dem Bau des damaligen Druckzentrums C. J. Bucher. Namensgeber Carl Joseph Bucher entwickelte die von seinen Eltern übernommene ­Familiendruckerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum bedeutendsten Druck- und Verlagshaus der Region Luzern. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg ­erschienen bei Bucher in erster Linie Zeitschriften, Fachblätter und Auftragsproduktionen. Nach einem Schlaganfall im Sommer 1941 übernahm die Ehefrau von Carl Joseph Bucher, Alice Bucher, fortan die Geschicke der Firma.

«Wall Street Journal» aus Adligenswil

1973 verkaufte Alice Bucher ihre Anteile der Firma an den Ringier-Verlag. In den Folgejahren wurden Kapazitäten fortlaufend erweitert, und es wurde vor allem auch in neue Technologien investiert. So setzte man als erster Betrieb der Schweiz auch auf Satelliten für die Datenübertragung. Gedruckt werden konnten damit auch etwa die europäischen Ausgaben der US-Zeitungen «US Today» und des «The Wall Street Journal», welche dann nach Paris und Frankfurt ausgeliefert wurden. Auch in den neunziger Jahren investierten die Besitzer kräftig in neue Anlagen und sorgten damit dafür, dass die Druckerei zur Jahrtausendwende zu den weltweit modernsten zählte. «Blick», «20 Minuten» oder «Le Temps» – auf den Anlagen in Adligenswil wurden zwischenzeitlich bis zu einer Million Zeitungen pro Tag gedruckt.

«Luzener Zeitung» im Druckzentrum Tamedia

Und nun ist Schluss. Mit sinkenden Auflagen der Zeitungen einher ging unweigerlich eine Ausdünnung der Druckereilandschaft. Adligenswil sei heute nicht mehr kostendeckend, sagt die Ringier-Führung. «Der Zeitungsdruck in der Schweiz verzeichnet erhebliche Überkapazitäten, die Marktpreise sind enorm unter Druck geraten», erklärte Ringier-CEO Marc Walder, als der Verlag die Schliessung vor einem Jahr öffentlich machte. Bereits im Sommer 2017 wurde bekannt, dass die Migros, die bisher einen beträchtlichen Anteil ihrer Hauszeitung in Adligenswil drucken liess, den Auftrag anderweitig vergab. Vor einem Monat lief der letzte «Blick» vom Band. Ringier weicht teilweise auf die Tamedia-Druckereien aus. Andere Druckprodukte wird Ringier teilweise durch eigene Betriebe sicherstellen können. Mit Swissprinters –spezialisiert auf den Druck von Werbemittel, Zeitschriften und Kataloge – hat der Verlag im aargauischen Zofingen ebenfalls eine hauseigene Alternative für gewisse Produkte gefunden.

Kostendruck und sinkende Zeitungsverkäufe sind auch Grund dafür, wieso die «Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben ab Dezember im Tamedia-Druckzentrum in Zürich zu Papier gebracht werden. Die Druckmaschinen in Adligenswil werden damit ab Ende kommender ­Woche definitiv stillgelegt.

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