Ein verlorenes Jahr für den Luzerner Kabelmaschinenhersteller Komax

Umsatz und Gewinn sind 2019 eingebrochen. Seit Anfang März befinden sich über 500 Angestellte in Dierikon, Rotkreuz und Küssnacht in Kurzarbeit.

Maurizio Minetti
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Blick in die Produktion des Kabelmaschinenherstellers Komax in Dierikon.

Blick in die Produktion des Kabelmaschinenherstellers Komax in Dierikon.

 Dominik Wunderli

Komax ist mit dem Milchverarbeiter Hochdorf und dem Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach eines jener Luzerner Unternehmen, die schon vor der Corona-Krise angeschlagen waren. Der Hersteller von Kabelverarbeitungsmaschinen mit Sitz in Dierikon leidet seit Monaten unter der Baisse in der Automobilindustrie. Rund acht von zehn Umsatzfranken erwirtschaftet Komax mit Kunden aus dieser Branche.

Die Zahlen, die der Luzerner Industriebetrieb am Dienstag für das vergangene Jahr veröffentlicht hat, sind entsprechend schlecht (siehe Tabelle). Verwaltungsratspräsident Beat Kälin sagte in einer Telefonkonferenz, nach dem Rekordjahr 2018 sei 2019 «natürlich eine grosse Enttäuschung» gewesen. In Bezug auf 2019 und «mit immer grösserer Wahrscheinlichkeit» auch auf 2020 sprach er von zwei verlorenen Jahren.

Die Dividende wird gekürzt

Der Umsatz ging 2019 um 12,9 Prozent auf 417,8 Millionen Franken zurück, der Bestellungsrückgang schrumpfte gar um 17,7 Prozent auf 408,7 Millionen Franken. Weil zudem unerwartete hohe Zusatzaufwendungen für einzelne Kundenprojekte die Rechnung belasteten, brach auch der Gewinn auf Stufe Ebit um 64,3 Prozent auf 24 Millionen Franken ein. Die operative Marge liegt damit noch bei 5,8 Prozent, nach 14 Prozent im Vorjahr. Noch im Sommer 2019 hatte das Management eine Ebit-Marge im Bereich von 8 bis 9 Prozent in Aussicht gestellt.

Unter dem Strich sank der Reingewinn im Vorjahresvergleich um fast 75 Prozent auf 13,2 Millionen Franken. Der Verwaltungsrat schlägt nun die Ausschüttung einer Dividende von 1,80 Franken pro Aktie vor, nach 7 Franken im Vorjahr. Damit schütte Komax 52 Prozent des Gewinns aus, was innerhalb der eigenen Zielsetzung liege, heisst es aus Dierikon.

Aufgrund der Krise in der Autoindustrie hatte Komax bereits im Januar bekannt gegeben, dass für 80 Prozent der Angestellten in der Schweiz Kurzarbeit eingeführt wird. Betroffen davon sind rund 550 Personen an den Standorten in Dierikon (360), Rotkreuz (170) und Küssnacht am Rigi (20). An diesen drei Standorten gilt die Kurzarbeit seit dem 1. März. Die betroffenen Angestellten arbeiten von Montag bis Mittwoch und sind dann Donnerstag und Freitag in Kurzarbeit, wie CEO Matijas Meyer erklärte.

Die Dauer der Massnahme ist laut Angaben des Unternehmens unbestimmt; Meyer sprach von einer «monatlichen rollenden Planung». Gemäss Gesetz können Unternehmen innerhalb von 24 Monaten maximal 12 Monate Kurzarbeit durchführen. Laut Meyer musste Komax in den letzten Monaten auch einzelne Entlassungen aussprechen.

Ziele angepasst, Ausblick unsicher

Der Blick auf das laufende Jahr ist für Komax mit vielen Unsicherheiten verbunden. CEO Matijas Meyer sagte, man sehe in der Automatisierung nach wie vor grosses Wachstumspotenzial, weshalb die langfristigen Aussichten unverändert positiv seien. Gleichzeitig seien aber die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Lieferkette schwierig abzuschätzen.

Komax habe diesbezüglich bereits im Januar in China negative Erfahrungen gemacht, als Umsatz und Bestellungseingang eingebrochen seien. «Die Situation, die wir in China erlebt haben, ist jetzt in Europa angekommen.» Aufgrund der tiefen Visibilität verzichte man für den Moment auf eine Prognose für das Geschäftsjahr 2020. «Wir gehen davon aus, dass 2020 erneut ein herausforderndes Jahr wird», so Meyer. Mit Blick auf die Kostensenkungsprogramme sagte der Konzernchef, es gehe auch darum, bereit zu sein für die Zeit nach der Krise. «Wir müssen nicht vergessen, dass man auch nach oben flexibel sein muss.» Positive Effekte durch die Kostensenkungsmassnahmen seien aber frühestens 2021 zu erwarten.

Die mittelfristigen Ziele wurden bereits vor einigen Wochen auf den Prüfstand gestellt. Nun gilt neu ein um zwei Jahre nach hinten verschobener Zeithorizont bis 2023. Bis dahin soll neu ein Umsatz von 450 bis 550 Millionen Franken sowie ein Gewinn auf Ebit-Stufe von 50 bis 80 Millionen erreicht werden. Nicht mehr gültig ist somit die Vorgabe, bis 2021 einen Umsatz von 500 bis 600 Millionen Franken bei einer Ebit-Marge von mehr als 15 Prozent zu erwirtschaften.