Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Das Geldjahr 2018: Ein verlorenes Jahr

Anleger konnten 2018 weder mit Aktien, Obligationen, Gold noch mit Immobilien Geld verdienen. Dies liegt an einer Verkettung politischer und wirtschaftlicher Ereignisse.
Daniel Zulauf
Auch an der Frankfurter Börse herrschte in den vergangenen Tagen eine angespannte Stimmung. (Bild: Ralph Orlowski/Reuters (Frankfurt, 28. Dezember 2018))

Auch an der Frankfurter Börse herrschte in den vergangenen Tagen eine angespannte Stimmung. (Bild: Ralph Orlowski/Reuters (Frankfurt, 28. Dezember 2018))

Seit dem Jahr 2009 gab es an den Börsen fast immer etwas zu verdienen. Nicht so 2018. Egal ob mit Aktien, Obligationen, Gold, Bitcoins oder Rohstoffen, egal ob in Europa, Amerika oder Asien: In diesem Jahr war auf den Märkten schlicht nichts zu gewinnen. Eine Flaute in dieser Breite hat es gemäss einer Analyse der Deutschen Bank seit 1901 nie gegeben.

Für einmal war auch die Schweiz keine Insel der Glückseligen. Mit einem Korb voller Schweizer Blue-Chip-Aktien hat ein Investor in den vergangenen zwölf Monaten rund 11 Prozent verloren. Dies zeigt die Entwicklung des Swiss Market Index (SMI). Ein gemischtes Portefeuille aus Anleihen staatlicher und privater Frankenschuldner ergab 2018 eine negative Rendite von 0,4 Prozent. Auch ein Kilogramm Gold ist zum aktuellen Preis von etwas über 40000 Franken ein halbes Prozent billiger als vor einem Jahr. Selbst Immobilienfonds, die in der Schweiz seit bald zwei Jahrzehnten als Garant für stabile Renditen gelten, erlitten 2018 Werteinbussen von durchschnittlich fast 5 Prozent.

Die gute Stimmung Anfang des Jahres hielt nicht lange an

Dabei begann das Jahr viel versprechend. Am 5. Januar erklomm der SMI mit 9557 Zählern ein neues Allzeithoch (siehe Grafik). Der alte Rekord aus dem Jahr 2007 wurde damit übertroffen und die tiefe Zäsur der Finanzkrise schien überwunden. Doch die gute Stimmung hielt nicht lange an. Nur ein Monat später zogen über der Wall Street Gewitterwolken auf und sorgten für eine erste scharfe Kurskorrektur an den US-Börsen. Im Gegensatz zu heute befürchteten die Investoren damals noch, dass die Konjunktur unter dem Eindruck der US-Unternehmenssteuerreform überhitze. Die Anleger erwarteten deshalb, dass sich der frisch eingesetzte US-Notenbankchef Jerome Powell gezwungen sehen könnte, die Geldschleuse schneller als geplant zu schliessen, um einer übermässigen Teuerung vorzubeugen.

In der Folge setzte ein Anstieg der Zinsen ein. Diese Aussicht erwies sich für die überteuerten Aktienmärkte aber nur kurzfristig als bedrohliche Konkurrenz. Am 23. März machte US-Präsident Donald Trump ernst mit seinen handelspolitischen Drohgebärden und säte mit der Einführung hoher Importzölle auf Stahl und Aluminium jene Unsicherheit, welche die Weltwirtschaft bis heute in Atem hält.

Gleichzeitig verdüsterten sich in Europa die Perspektiven. Mit ein Auslöser war die italienische Parlamentswahl Anfang März, aus der die EU-kritische Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega als Sieger hervorgingen. Die neue Regierung in Rom machte schnell klar, dass sie sich nicht an die Haushaltsvorgaben der EU zu halten gedenke. Damit war es auch mit der zwischenzeitlichen Abschwächung des Frankens vorbei. Anfang Mai kostete ein Euro fast 1.20 Franken, was die Aufhebung des Euro-Mindestkurses Anfang 2015 kurzzeitig vergessen machte. Inzwischen notiert die Gemeinschaftswährung mehr als 3 Prozent tiefer als zu Beginn des Jahres. Der Hoffnungsfunke, dass die Europäische Zentralbank ihre Politik des ultrabilligen Geldes etwas früher als geplant aufgeben könnte, ist erloschen.

Das wenig erbauliche Bild der Weltwirtschaft, das gegen Ende der ersten Jahreshälfte Konturen erhielt, hat sich weiter verfestigt. Während Donald Trump die harte Gangart gegenüber seinen Handelspartnern mit immer weiteren Drohungen gegen Europa als auch gegen China bekräftigte, spitzte sich im November auch in Frankreich die Lage zu.

Aus einer von der Regierung angekündigten Erhöhung der Benzinsteuern entstand scheinbar wie aus dem Nichts die Protestbewegung der «Gelbwesten». Diese zwang den französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu Konzessionen bei den Renten. Frankreich steuert nun ein Haushaltsdefizit von 3,2 Prozent an und übertrifft damit die Vorgabe aus Brüssel. Das hochverschuldete Italien, das sich ursprünglich zu einer Defizitbegrenzung von 0,8 Prozent verpflichtet hatte, darf den Schuldenstand mit dem Einverständnis aus Brüssel ebenfalls um 2 Prozent erhöhen.

Finanzmärkte nehmen verdüsterte Perspektiven vorweg

Vor diesem Hintergrund haben sich auch in der Schweiz die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Negativzinspolitik zerschlagen. Eine wachsende Zahl von Ökonomen geht nun davon aus, dass dieser Zustand noch auf Jahre hinaus andauern wird. Derweil nehmen die Bemühungen Grossbritanniens und Brüssels um einen geordneten Austritt des Königreichs aus der EU zunehmend dramatische Züge an. Um Zeit für allfällige Nachbesserungen zu gewinnen, hat die britische Premierministerin die Abstimmung über den Brexit-Vertrag verschoben. An den Börsen wächst die Angst vor einem chaotischen Brexit, der die Wirtschaft des Landes erheblich bremsen und die EU in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Die Finanzmärkte nehmen die verdüsterten Perspektiven seit Mitte Oktober vorweg. Am 10. Oktober hat die ­US-Leitbörse mit dem zweiten grossen Kurstaucher im Jahr den weltweiten Abwärtstrend eingeläutet. Die Korrektur folgte keine zwei Wochen später, nachdem das US-Börsenbarometer Dow ­Jones zum 15. Mal im Jahr ein Allzeithoch erreicht hatte. Zwar haben US-Aktien seither rund 15 Prozent an Wert verloren, doch im Vergleich zu Europa und zur Schweiz stehen sie immer noch deutlich besser da. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Gewinne der US-Firmen wachsen im Durchschnitt immer noch mit 25 Prozent, gegenüber rund 10 Prozent in Europa.

Twitternder Trump bewegt die Börse

Seit eineinhalb Wochen gleichen die Kurse der wichtigen amerikanischen Aktienindizes einer Achterbahnfahrt. Bis vor Weihnachten ging es rasant abwärts, danach wieder in die andere Richtung. Wie schnell es gehen kann, zeigte der Donnerstag. Allein in den letzten anderthalb Handelsstunden schnellte der Dow Jones Index um 3,9 Prozent nach oben.

Für die heftigen Kursausschläge wird der amerikanische Präsident Donald Trump mitverantwortlich gemacht. Vor Weihnachten setzte er seine schon seit Monaten dauernde Kritik an der US-Notenbank und ihrem Präsidenten Jerome Powell fort. «Das einzige Problem, das unsere Wirtschaft hat, ist die Fed», twitterte Trump. Die scharfen Worte an die Adresse Powells gipfelten in der Spekulation, Trump wolle den Fed-Chef entlassen. US-Finanzminister Steven Mnuchin bestritt dies in der Folge später vehement.

Doch Mnuchin selbst war es, der die Nervosität der Aktienmärkte weiter anheizte. Er habe mit den Chefs der sechs wichtigsten Banken der USA gesprochen. Dabei habe er sich versichern lassen, dass diese keinerlei Liquiditätsprobleme hätten. Was als Beruhigung der Märkte gedacht war, löste eine grosse Verwirrung aus, da es bislang keine Anzeichen eines Ausfalls einer Bank gegeben hatte.

Trumps Gegner in Lauerstellung

Wie wichtig die Entwicklung der US-Börsen ist und wie genau er den Kursverlauf verfolgt, zeigte sich an Heiligabend. Es sei eine grossartige Gelegenheit, nun Aktien zu kaufen. Die Unternehmen würden rekordähnliche Zahlen aufweisen, sagte er zu Reportern.

Seine Kritiker liessen nicht lange auf sich warten. Sie erinnerten Trump daran, dass er sich gerne als Champion der amerikanischen Wirtschaft feiern lasse und noch vor einem Jahr die hohen Börsenkurse bejubelt habe. Nun gebe er anderen die Schuld für den Kurstaucher und versuche damit von wirtschaftlichen Probleme abzulenken, die er selber verursacht habe. Gemeint ist damit insbesondere der Handelsstreit mit China, den Trump begonnen hat.

Zumindest zum Handelsbeginn am Freitag schienen sich die US-Börsen etwas beruhigt zu haben. Im Gegensatz zur Schweiz wird in den USA auch am 31. Dezember gehandelt.

Leuthold: «Wir werden eine negative Rendite haben»

Manuel Leuthold, Präsident des AHV-Fonds Compenswiss. Bild: PD

Manuel Leuthold, Präsident des AHV-Fonds Compenswiss. Bild: PD

Manuel Leuthold, Präsident des AHV-Fonds Compenswiss, über das Verwalten von 37 Milliarden Franken und leere Kassen im Jahr 2030. Interview: Niklaus Vontobel

Manuel Leuthold, dieses Jahr gingen Aktien, Obligationen und Rohstoffe abwärts – erstmals seit Jahrzehnten. Wie hat sich das ausgewirkt auf den Ausgleichsfonds der AHV?

Dem haben wir uns nicht entziehen können. Das Jahr ist zwar noch nicht vorbei. Derzeit sieht es aber danach aus, dass wir auf das Anlagevermögen eine klar negative Rendite haben werden, leider.

In welcher Grössenordnung?

Dem haben wir uns nicht entziehen können. Das Jahr ist zwar noch nicht vorbei. Derzeit sieht es aber danach aus, dass wir auf das Anlagevermögen eine klar negative Rendite haben werden, leider.

Also wird es einen Einbruch geben nach zwei erfolgreichen Jahren?

Ja, letztes Jahr haben wir eine Rendite von knapp 7 Prozent geschafft. Im Jahr davor waren es rund 4 Prozent. Dieses Jahr wird es nun negativ.

Demzufolge wird es dieses Jahr auch nicht gelingen, wie in den Vorjahren das Defizit auszugleichen, das aus der Umlage von Erwerbstätigen auf Rentner entsteht?

Nein, das wird nicht möglich sein. Das Defizit aus der Umlage wird dieses Jahr grösser ausfallen als im Vorjahr. Die Alterung der Gesellschaft hat ja zur Folge: Weniger Lohnbeiträge von Erwerbstätigen müssen umgelegt werden in mehr Renteneinkommen von Pensionierten. Dieses Defizit dürfte dieses Jahr bei etwa 1,2 Milliarden zu liegen kommen.

Wie wird sich dieses Defizit bei der Umlage entwickeln?

Es wächst, und zwar immer stärker. 2015 waren es rund 550 Millionen Franken, 2016 etwa 780 Millionen, 2017 dann 1,1 Milliarden. 2018 dürfte es nun zwischen 1 und 1,5 Milliarden zu liegen kommen. Und gemäss den Prognosen des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) werden es 2030 rund 7 Milliarden sein.

Was bedeutet das Anlageergebnis aus dem Jahr 2018 denn für die langfristigen Aussichten für die Finanzierung der AHV?

Wir bleiben bei der Prognose, die das BSV gemacht hat. Im Jahr 2030 wird der AHV-Ausgleichsfonds leer sein.

Ein einzelnes negatives Jahr ändert an dieser Prognose also noch nichts?

Nein. Wenn sich in den nächsten zehn Jahren die Märkte erfreulich entwickeln, würde sich das Datum etwas hinausschieben. Dann wäre der Fonds vielleicht erst 2031 oder 2032 leer. Helfen uns die Märkte hingegen nicht, wird es vielleicht ein halbes Jahr früher so weit sein.

Was müsste getan werden?

Das wird die Politik entscheiden müssen. Wir können lediglich erklären, welche Massnahmen zur Verfügung stehen und wie sich diese auswirken würden. Man kann theoretisch die Leistungen senken, also die Renten. Aber die sind schon recht gering gemessen am Einkommen, das man eigentlich sichern will. Oder man könnte jährlich zusätzliches Geld in die AHV einschiessen.

Verschiedene Anlageformen

  • Das im Vergleich zu Staatspapieren ­höhere Risikoprofil von Aktien kann diese auch in Krisensituationen attraktiv ­machen. Entscheidend ist, dass diversifiziert angelegt wird.
  • Gold gilt bei vielen Anlegern als Versicherung gegen unsichere Zeiten. Tatsächlich tendiert der Preis des Metalls in Krisensituationen oft nach oben, vor allem bei drohender Inflation.
  • Dank der Negativzinsen blicken Schweizer Anleger neidisch ins Ausland, etwa nach Italien, wo eine Staatsanleihe noch fast 3 Prozent abwirft. Die Risiken sind aber beträchtlich, auch wegen des Euro.
  • Anstatt zu investieren, kann man mit dem Geld auch Schulden, etwa auf dem Eigenheim, abzahlen. Zurzeit sind Schulden verlockend günstig. Doch die Zinsen können auch rasch steigen.
  • Wechselkursschwankungen bilden ein Grundrisiko bei jeder Auslandinvestition, viele Anleger erinnern sich (ungern) an die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB Anfang 2015.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.