EINBRÜCHE: Das Eigenheim besser schützen

In keinem Land Europas wird so viel eingebrochen wie in der Schweiz. Die Polizei ermittelt im Anschluss oft erfolglos. Experten bemängeln, dass der Einbruchschutz in der Schweiz zu niedrig sei.

Bernard Marks
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So kommen die Täter ins Haus. (Bild: Grafik: Oliver Marx)

So kommen die Täter ins Haus. (Bild: Grafik: Oliver Marx)

Das Türschloss ist innert Sekunden geknackt, das Fenster schnell aufgehebelt. Konsequent nutzen Einbrecher die Schwachstellen von Wohnungen und Häusern, um einzudringen (siehe Grafik). Ein Einbruch dauert in der Regel kaum länger als ein paar Minuten. Dabei gehen die Täter oft sehr gezielt vor: Sie durchsuchen zuerst das Schlafzimmer, dann das Bad und das Büro nach Bargeld, Schmuck oder elektronischen Geräten.

«In jedem Haushalt ist etwas zu holen für die Täter», weiss Martin Zaugg. Der 31-jährige ist Mitinhaber der Luzerner Firma Zaugg Schliesstechnik. Der Experte weiss: «In der Schweiz bieten noch zu viele Einfamilienhäuser und Wohnungen keinen ausreichenden Schutz vor Einbrechern.» Seit 2008 haben die Umsätze der Firma im Bereich Einbruchsprävention stark zugenommen. Zaugg hat aus diesem Grund im Jahr 2012 die Abteilung Einbruchschutz aufgebaut, die zurzeit schon drei Mitarbeiter beschäftigt. Anfang 2014 ist sogar eine neue Zweigniederlassung in Baar hinzugekommen.

Europameister bei Einbrüchen

Alle acht Minuten steigen in der Schweiz Einbrecher in eine Wohnung oder ein Haus ein. 68 730 Einbrüche verzeichneten die Schweizer Polizeien vergangenes Jahr. Auf 100 000 Einwohner kommen pro Jahr 859 Einbrüche. Damit liegt die Schweiz laut Angaben von Eurostat auf Platz 1 in ganz Europa – gefolgt von Dänemark mit 805 Einbrüchen. Anders sieht es dagegen in den Nachbarländern aus. Zwar stieg auch in Deutschland die Zahl der Einbrüche, doch auf 100 000 Einwohner kommen dort lediglich 148 Einbrüche. In Österreich sind es 187. Auch der Kanton Luzern ist für Einbrecher ein beliebtes Ausflugsziel. Letztes Jahr hat die Polizei hier rund 650 Einbrüche pro 100 000 Einwohner registriert. Auch im Kanton Zug liegt diese Zahl ähnlich hoch. Die anderen Zentralschweizer Kantone schneiden besser ab.

Versicherungen zahlen mehr aus

Die wachsende Kriminalität registrieren auch die Versicherungen: Die Schadensmeldungen stiegen vergangenes Jahr um bis zu 30 Prozent. Bei den Schadenskosten ist ein neuer Rekord zu verzeichnen. Auf 280 Millionen Franken belaufen sich diese jährlich, Tendenz steigend. Über 56 Millionen Franken musste allein die Mobiliar von Januar bis Ende Oktober 2013 für Einbruchschäden bezahlen – 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Jeder zweite Einbruch kostet die Hausratversicherungen mehr als 4000 Franken. Die Prämien für Diebstahlschutz steigen demzufolge (siehe Box). Die Aufklärungsquote ist niedrig. Vergangenes Jahr gingen der Schweizer Polizei nur 16 Prozent der Einbrecher ins Netz. Mehr als drei Viertel der Täter waren Ausländer, männlich und zwischen 15 und 30 Jahre alt.

Die Einbruchdauer verlängern

Angst vor Einbrechern braucht man aber nicht zu haben. «Denn Einbrecher stehen nicht gerne im Rampenlicht», sagt Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei. Sie suchen sich Wohnungen und Häuser aus, in welchen offensichtlich niemand zu Hause ist. Die Hälfte der Einbrecher dringt – sowohl zur Tages- als auch zur Nachtzeit – durch Haus- und Kellertüren ein, die andere Hälfte benützt Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Als Werkzeuge genügen Geissfuss, Schraubenzieher und Hammer – in manchen Fällen kommt ein Akkubohrer zum Einsatz. Dabei sind viele Einbrüche vermeidbar. «Eine einfache Methode, um Einbrecher abzuschrecken, ist eine bessere Verrieglung der Türen», sagt Martin Zaugg. Denn normale Türen kennen nur einen Verriegelungspunkt: den Schlossriegel. Jede Tür könne mit einer Türsicherung nachgerüstet werden.

Gute Erfahrungen hat Zaugg mit dem Produkt «Multilock» gemacht, das je nach Modell die Tür mit 4 oder 6 Schliessriegeln rundum sichert. Des Weiteren können ungesicherte Fenster mit einer Fenstersicherung nachgerüstet werden. «Auf diese Weise verlängert sich die Einbruchsdauer erheblich, und das schreckt Einbrecher ab», sagt Martin Zaugg. Ob Alarmanlage oder Sicherheitsglas: Man muss sein Eigenheim nicht zu einem Hochsicherheitstrakt hochrüsten.

Einfache Tipps

 

  • Lassen Sie Ihren Briefkasten bei längerer Abwesenheit von Nachbarn leeren oder die Post für diesen Zeitraum abbestellen. Denn Einbrecher halten bei der Suche nach leer stehenden Wohnungen gezielt Ausschau nach überquellenden Briefkästen.
  • Vorsicht beim Verstecken der Schlüssel: Diebe schauen gerne unter Fussmatten, in Milchkästen oder Blumentöpfen nach Schlüsseln.
  • Augen auf bei verdächtigen Zeichen an Wänden oder Türen. Mittels sogenannter Gaunerzinken kommunizieren Kriminelle untereinander. Ein Xbeispielsweise bedeutet: Einbruchsvorbereitungen laufen, ergiebiges Objekt.
  • Installieren Sie Zeitschaltuhren für Lampen in der Wohnung. Denn Licht schreckt ab.
  • Lassen Sie Ihr Schloss von einem Fachmann prüfen. Viele Schlösser sind für Kriminelle fast so schnell zu öffnen wie unverschlossene Türen.

Was tun bei Einbruch?

«Wir empfehlen Hauseigentümern, sich umfassend zu informieren», sagt Urs Wigger von der Luzerner Polizei. Einerseits könne man sich durch Broschüren informieren, die im Internet zu finden sind oder auf jedem Polizeiposten aufliegen. Andererseits wird von der Luzerner Polizei eine kostenlose Sicherheitsberatung angeboten.

Wenn Sie merken, dass bei Ihnen eingebrochen wurde, sollten Sie einen kühlen Kopf bewahren und vor allem sofort die Polizei rufen (Tel. 117). Die Polizei rät in einem solchen Fall zudem: «Räumen Sie den Tatort nicht auf, denn auf diese Weise gehen möglicherweise wichtige Hinweise auf die Täter verloren. Im Beisein der Polizei können Sie dann ganz in Ruhe feststellen, was gestohlen wurde.»

 

Hausrat-Prämien steigen in diesem Jahr

Die Zunahme an Einbrüchen in den vergangenen drei bis fünf Jahren bekommen auch die Hausratsversicherungen zu spüren. «Als Marktführer ist die Mobiliar davon überdurschnittlich betroffen. Deshalb muss die Diebstahlprämie moderat angepasst werden», sagt der Sprecher der Mobiliar, Jürg Thalmann, auf Anfrage. Konkret heisse das, dass die Prämien der Hausratsversicherung per Ende April für Neugeschäfte und Erneuerungen (sogenannte Ersatzgeschäfte) moderat erhöht würden.

Bei Alarmanlagen gibt es Rabatt

Die Erhöhung sei abgestuft – je nach Schadenbelastung entspreche dies zwischen mindestens 4 Prozent und maximal 10 Prozent auf die Diebstahlprämie. «Durchschnittlich entspricht dies einer Erhöhung zwischen 3 und 7 Franken pro Jahr und Vertrag», sagt Thalmann. Man gewähre einen Rabatt von 30 Prozent wiederum auf die Diebstahlprämie, wenn eine Alarmanlage und/oder mechanische Sicherheitseinrichtungen vorhanden seien. Die Axa Winterthur hingegen habe bereits 2013 wegen «der massiv angestiegenen Diebstahlschäden» die Prämien in der ganzen Schweiz angepasst, sagt Mediensprecherin Anna Ehrensperger. In der Schadenstatistik der Versicherung spiegelte sich in den vergangenen Jahren die zunehmende Professionalität von Einbrüchen und Diebstählen wider. «So verzeichneten wir in den Jahren 2010 bis 2012 einen starken Anstieg von über 45 Prozent an gemeldeten Fällen bei Einbrüchen, Diebstahl und Beraubung», sagt Ehrensperger.

Schäden werden immer teurer

Auch wurden die dabei entstehenden Schäden immer teurer: Die durchschnittliche Schadenhöhe bei einem Einbruch stieg in den vergangenen Jahren von 5600 Franken im Jahr 2010 und um rund 15 Prozent auf 6500 Franken im Jahr 2012 an. Im vergangenen Jahr blieben diese Zahlen bei der Axa Winterthur auf hohem Niveau.