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Sears: Eine amerikanische Ikone wird restrukturiert

Dem Detailhändler Sears geht das Geld aus. Nun hat Hauptaktionär Edward Lampert die Notbremse gezogen und ein Gesuch um Nachlassstundung eingereicht.
Renzo Ruf, Alexandria
Eine Sears-Filiale. (AP Photo/ Bild: Seth Wenig/AP (Hackensack, 15. Oktober 2018)

Eine Sears-Filiale. (AP Photo/ Bild: Seth Wenig/AP (Hackensack, 15. Oktober 2018)

Normalerweise rennen amerikanische Konsumenten einem existenzbedrohten Detailhändler die Türen ein, um noch einmal in Nostalgie zu schwelgen. Sears ist aber anders. Obwohl der 1893 formal ins Leben gerufene Detailhandelskonzern, der unter dem Namen Sears, Roebuck and Company einst Taktgeber einer ganzen Branche war, am Montag Insolvenz erklärte, herrschte in der Filiale in Alexandria (Virginia), vor den Toren der amerikanischen Hauptstadt Washington, einmal mehr gähnende Leere. In der Bettenabteilung tippte eine gelangweilt wirkende Angestellte SMS, während der für die Herrenbekleidung zuständige Verkäufer versuchte, einige Hosenstapel zu ordnen.

Sears kämpft seit einer Dekade mit sinkenden Umsätzen und steigenden Verlusten. Zuletzt setzte der Konzern im 2. Quartal 2018 noch 3,2 Milliarden Dollar um, oder umgerechnet 1 Milliarde Dollar weniger als im Vergleichsquartal 2017. Der Nettoverlust belief sich auf eine halbe Milliarde Dollar; gemäss Finanzchef Robert Riecker beläuft sich der Mittelabfluss des Konzerns jeden Monat auf gegen 125 Millionen Dollar. Die Holding ächzt unter einer Schuldenlast von 5 Milliarden Dollar.

Manager habe Image nicht gepflegt

Haupteigentümer Edward Lampert scheint aber nach wie vor nicht bereit zu sein, den Konzern zu liquidieren – deshalb das Gesuch um Nachlassstundung (Chapter 11). Der Hedgefonds-Manager gab am Montag bekannt, dass er nach fünf Jahren an der Spitze der Sears Holding zurücktreten, aber weiterhin den Verwaltungsrat des Unternehmens präsidieren werde. Er glaube daran, dass Sears schwarze Zahlen schreiben könne und «eine Zukunft» habe, sagte Lampert. Die Rede ist von einem Unternehmen, das vielleicht noch gegen 300 Sears-Filialen betreibt. Geldgeber wie die Bank of America, Wells Fargo und die Citi­group sind allem Anschein nach bereit, der Holdinggesellschaft Überbrückungskredite von 1,5 Milliarden Dollar zu gewähren.Branchenkenner teilen den Zweckoptimismus von Lampert und seinen Kreditoren allerdings nicht. Sie verweisen darauf, dass Lampert es jahrelang vernachlässigt habe, das einst ausgezeichnete Image des Detailhandelskonzerns zu pflegen.

Junge Amerikanerinnen und Amerikaner besuchen deshalb nur noch selten eine Sears-Filiale. Die Geschäfte wirken häufig heruntergekommen und desorganisiert. Die Onlinepräsenz lässt stark zu wünschen übrig. Auch scheinen die Investoren nicht der Meinung zu sein, dass Sears einen zweiten Frühling ­verdient hat. Der Kurs der Sears-­Aktie büsste an der Technologie-Börse Nasday am Montag zwischenzeitlich mehr als 20 Prozent und war nur noch gegen 30 Cent wert. Im Frühjahr 2007, kurz vor Beginn der Finanzkrise, hatte das Papier noch mehr als 130 Dollar gekostet.

Selbst US-Präsident Donald Trump zeigte sich traurig über das Schicksal des Konzerns. «Es ist eine Schande», sagte er im Weissen Haus. Als er noch jung gewesen sei, «war Sears Roebuck eine grosse Sache», sagte der Präsident.

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