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Kommentar

Raiffeisen: Eine Bank, viele Baustellen

Die Affäre um den früheren Raiffeisenbanken-Chef Pierin Vincenz fordert das nächste Opfer. Konzernchef Patrik Gisel gibt seinen Posten auf Ende Jahr auf. Damit wolle er die Reputation der Bank schützen. Eine Analyse zu den Vorgängen bei Raiffeisen.
Thomas Griesser Kym

Mit dem angekündigten Rücktritt Patrik Gisels als Chef von Raiffeisen hat die Bank eine Frage beantwortet: Wie lange will der Verwaltungsrat noch zusehen, wie die Reputation des Unternehmens geschädigt wird? Zum Verhängnis geworden ist Gisel seine Nähe zu Vorgänger Pierin Vincenz. Gegen diesen läuft ein Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, und als Raiffeisen-Chef hat er die Corporate Governance ausgehebelt und den willfährigen Verwaltungsrat vorgeführt.

Allein diese Mängel in der guten Unternehmensführung, welche die Finanzmarktaufsicht (Finma) festgestellt hat, sprechen für einen personellen Neuanfang. Im Verwaltungsrat ist dieser in vollem Gang, auf Stufe Geschäftsleitung ist Gisels Rückzug ein Anfang. Gut möglich, dass weitere Köpfe rollen. Mehr Klarheit schaffen sollte die laufende interne Untersuchung bei Raiffeisen. Mit Gisels Rücktritt reisst Raiffeisen freilich eine weitere Baustelle auf, jene der Nachfolge. Die Anforderungen an die Kandidatin, den Kandidaten sind hoch. Gefragt ist eine Persönlichkeit, die das ramponierte Vertrauen in die Bankspitze reparieren kann. Ein Chef mit der fachlichen und charakterlichen Stärke, um die drittgrösste Schweizer Bankengruppe erfolgreich und korrekt zu führen, und dies als Teamplayer, der die Kompetenzverteilung zwischen Geschäftsleitung und Verwaltungsrat respektiert. Operativ ist Raiffeisen gut unterwegs. Das zeigt der Rekordgewinn 2017. Doch ist der Erfolg kein Selbstläufer. Die Zinsen sind tief, die regulatorischen Vorschriften nehmen zu, zumal Raiffeisen seit vier Jahren systemrelevant ist. Nach dem Verkauf der Privatbank Notenstein La Roche muss Raiffeisen im Private Banking selber auf einen grünen Zweig kommen. Und die neue, teure Informatik, notabene Gisels Projekt, ist von Kinderkrankheiten zu heilen.

Es ist zu erwarten, dass Raiffeisen vor der Ernennung eines neuen Chefs erst die ausserordentliche Delegiertenversammlung im November über die Bühne bringen will. An dieser geht die Erneuerung des Verwaltungsrats weiter. Interimspräsident Pascal Gantenbein hat angekündigt, für den Vorsitz zu kandidieren. Ob er das durchzieht und wenn ja, ob er gewählt wird, steht in den Sternen. Bisher bildete Gantenbein mit Gisel ein Tandem, das sich entschlossen gab, Raiffeisen in ruhigere Gewässer zu steuern. Nach Gisels Abgang scheint es zweifelhafter denn je, dass Gantenbein eine Chance hätte.

Kommt hinzu, dass Raiffeisen Schweiz die Vor- und Nachteile einer Umwandlung in eine AG vertieft prüfen muss. Dies freilich nicht aus eigener Einsicht, sondern auf Anordnung der Finma. Verfechter der Genossenschaft argumentieren gerne, die Rechtsform der AG habe die UBS vor zehn Jahren auch nicht vor ihrem Beinahe-Kollaps bewahrt. Das stimmt, doch eben als Folge der Finanzkrise sind die Aktionärsrechte und -pflichten gestärkt worden. Mit dem Ergebnis, dass Stimmrechtsberater und institutionelle Investoren heute aktiver mitwirken und dem Management schärfer auf die Finger schauen.

Als börsenkotierte AG hätte Raiffeisen zudem besseren Zugang zum Kapitalmarkt. Die einzelnen Raiffeisenbanken wiederum könnten durchaus Genossenschaften bleiben und sich als Aktionäre an der Zentrale beteiligen. Bleibt offen, wie die künftige Chefin, der künftige Chef das sieht. Raiffeisen hat darum alles Interesse, auch auf die Frage der Rechtsform bald eine Antwort zu geben.

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