Eine Million Ferien-Koffer gehen jährlich verloren

Jedes Jahr ärgern sich weltweit über eine Million Menschen, weil ihre Gespäckstücke am Ferienziel nicht angekommen sind. Reiseversicherungen oder eine zuverlässige Fluggesellschaft können den Schaden lindern.

Drucken
Teilen
koffer.jpg

koffer.jpg

Keystone

Nathalie Schoch

So hat man sich die Ferien nicht vorgestellt: Ankunft am Zielflughafen, aber die Koffer sind nicht mitgekommen. Sie fliegen irgendwo in der Welt herum und kommen womöglich erst gegen Ende der Ferien an. Rund 40 Millionen Gepäckstücke werden weltweit jährlich vermisst. Davon geht mehr als eine Million verloren. Dies berichtet Air Transport Users Council (AUC), der Rat der Luftfahrtpassagiere. An diesem ärgerlichen Umstand kann der Fluggast wenig ändern. Einzig mit seiner Auswahl der Fluggesellschaft und dem verlässlichsten Flughafen kann er die Chance, zusammen mit seinem Gepäck am Reiseziel anzukommen, etwas erhöhen.

Swiss im vorderen Drittel

Blickt man auf die aktuelle Statistik von AEA, der Association of European Airlines, sollte man mit der ukrainischen Airline Aerosvit fliegen. Bei ihr gingen von April bis Oktober letzten Jahres nur 3,6 Gepäckstücke pro 1000 Passagiere verloren. Beachtliche Werte weisen auch die Air Malta und die Turkish Airlines auf. Die Swiss folgt auf Platz 8 (von insgesamt 29) mit 8,9 vermissten Gepäckstücken. «Wir haben uns gegenüber der letzten Statistik - damals waren es noch 11,9 Gepäckstücke - wesentlich verbessert», sagt Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Airlines nicht hundertprozentig miteinander vergleichbar seien. Viele der Fluggesellschaften hätten keinen Hub-Betrieb. Das heisst, sie betreiben keine Verkehrsknotenpunkte, wo umgestiegen wird. Das reduziere das Risiko enorm, da die Disposition wesentlich überschaubarer sei.

Auch in Bezug auf den gesamten Flughafen lässt sich Zürich sehen: Nur 0,8 Prozent der Gepäckstücke werden vermisst, aber auch wieder aufgefunden. «Damit liegen wir auf dem ersten Platz in Europa», erklärt Marc Rauch, Mediensprecher der Flughafen Zürich AG. Auch bei den verloren gegangenen Gepäckstücken schneidet der Flughafen gut ab: Die Fehlerquote liegt bei 0.9 Prozent. «Das bedeutet, dass nicht einmal jeder hundertste Passagier sein Gepäck an der Ankunftsstation vermisst, wenn er von Zürich abfliegt», sagt René Denver, Manager Arrival Services von Swissport.

Geht bei einem Flug das Reisegepäck verloren, haftet grundsätzlich die Fluggesellschaft. Dasselbe gilt für das Gepäckstück, wenn es am Reiseziel nicht rechtzeitig angekommen ist. «Die Fluggesellschaft haftet für den Schaden, den die Verspätung verursacht hat», erklärt Rolf Metz, juristischer Berater bei Reisebuerorecht.ch. Der Passagier müsse aber den Schaden nachweisen können.

Fundgrube

Fundsachen ergattern kann man bei www.fundsachenverkauf.ch. Die nächste Gant findet statt: 11. Juli, 11 bis 12.45 und 14 bis 15.45 Uhr im Einkaufszentrum Letzipark in Zürich.
Infos über Reisegepäckversicherungen: www.reiseversicherung.com oder www.elvia.ch

Laut dem Europäischen Verbraucher-Zentrum hat der Passagier das Recht, sich vor Ort die notwendigsten Dinge besorgen zu dürfen. «Um Streitigkeiten zu vermeiden, geben einige Fluggesellschaften Overnight-Kits ab», erklärt Rolf Metz: also eine Notfallausrüstung mit Zahnbürste, Zahnpasta und anderen notwendigen Dingen. Laut dem Übereinkommen von Montreal gilt ein Reisegepäck als verloren, wenn es nach 21 Tagen nicht eingetroffen ist. «Wurde der Koffer beschädigt oder zerstört, kann von der Fluggesellschaft Schadenersatz gefordert werden», so Metz.

Die Obergrenze liege bei zirka 1700 Franken. Den finanziellen Schaden kann auch ei- ne Reisegepäckversicherung lindern. Was bleibt, ist der Ärger über den Verlust persönlicher Dinge. Was passiert mit all den Dingen, die irgendwo untergehen? «Reisekoffer werden nach fünf Tagen an die Fluggesellschaft zurückgeschickt», so Denver von Swissport. «Die kleinen Dinge wie Handy oder Handtasche bewahren wir drei Monate auf, danach leiten wir sie einem externen Fundbüro weiter.» Damit gemeint ist Fundsachenverkauf.ch in Zürich Wollishofen.

Der etwas andere Flohmarkt

Dieser Laden veräussert im Auftrag des öffentlichen Verkehrs, darunter die SBB und andere Bahngesellschaften, die nicht vermittelbaren Fundgegenstände. Neben gebrauchten Billig-Shirts oder abgewetzten Mützen befinden sich auch erstaunliche Dinge im Sortiment: Schmuckstücke in allen Preisklassen, Uhren der teuersten Marken, Anzüge, Cocktailkleider, Accessoires von Gucci, Louis Vuitton oder Yves Saint Laurent. Diese können online über Ricardo oder im Laden gekauft werden. Oder man geht an die Gant und ersteigert sich einen Koffer samt Inhalt. Bei diesem Wundertüten-Kauf sind schon die erstaunlichsten Dinge zum Vorschein gekommen.