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Einfach erklärt: Was Sie zum Strafzins-Entscheid der EZB wissen müssen

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt erneut die Leitzinsen. Das erklärte Präsident Mario Draghi am Donnerstagnachmittag. Nur: Was bedeutet das eigentlich, die Leitzinsen senken? Wir erklären den Entscheid und den Leitzins.
Fabian Hock

Was hat die EZB entschieden?

Die EZB macht mit der umstrittenen Erhöhung der Strafzinsen für Banken ernst. Die Währungshüter setzten am Donnerstag den Zinssatz auf minus 0,5 von bisher minus 0,4 Prozent. Diesen Satz müssen Finanzinstitute zahlen, wenn sie bei der Zentralbank Geld parken. Verbraucherschützer befürchten, dass Banken dies zum Anlass nehmen, Sparer zur Kasse zu bitten.

Warum höhere Strafzinsen und Anleihenverkäufe?

Europas Währungshüter stemmen sich mit allen Mitteln gegen die Konjunkturschwäche: Banken müssen künftig noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen.

Damit verschärft die Zentralbank zum Ende der Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi ihre ultralockere Geldpolitik nochmals. Die achtjährige Amtszeit des Italieners endet am 31. Oktober 2019. Der Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent liegt, bleibt unverändert auf diesem Niveau.

Dass die Notenbank erneut nachlegen würde, war erwartet worden. Angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung und der Schwäche des Welthandels seien «signifikante geldpolitische Impulse» notwendig, hatte Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates vor sieben Wochen gesagt.

Bisher mussten Geschäftsbanken 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken - eine Milliardenbelastung für die Finanzbranche im Euroraum. Dieser negative Einlagensatz wird nun auf minus 0,5 Prozent verschärft.

Was ist das Ziel?

Mit dem Strafzins wollen die Währungshüter die Institute dazu bringen, mehr Gelder in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher auszureichen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das soll auch den Preisauftrieb verstärken. Um die Banken etwas zu entlasten, führt die EZB einen Staffelzins für bestimmte Freibeträge ein.

Mittelfristig strebt die EZB für den Euroraum eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben - in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

Das Zwei-Prozent-Ziel der EZB ist jedoch in weite Ferne gerückt: Im August verharrte die Inflation in den 19 Ländern mit der Gemeinschaftswährung bei 1,0 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren.

Mit einer Neuauflage von Wertpapierkäufen will die EZB Konjunktur und Inflation zusätzlich auf die Sprünge helfen. Ab 1. November sollen monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen gesteckt werden. Ein genaues Ende der Käufe legte der EZB-Rat zunächst nicht fest.

Was macht eigentlich die EZB?

Die Europäische Zentralbank ist eine «Bank für die Banken». Das heisst: Banken können ihr überschüssiges Geld bei der EZB parken. Für gewöhnlich erhalten sie dafür einen Zins. In Zeiten der Negativzinsen, sieht es jedoch anders aus: Wollen die Banken vorübergehend Geld bei der EZB parken, müssen sie dafür bezahlen. Diese «Strafzahlungen» geben die Banken an ihre Kunden weiter. Kleinsparer sind davon noch ausgenommen. Je weiter die EZB jedoch mit dem Leitzins heruntergeht, desto wahrscheinlicher wird, dass bald auch Zahlungen für kleine Sparbeträge fällig werden.

Mario Draghi ist Präsident der Europäischen Zentralbank. (Bild: Keystone)

Mario Draghi ist Präsident der Europäischen Zentralbank. (Bild: Keystone)

Was ist der Leitzins?

Zentralbanken wie die EZB legen selbst fest, zu welchen Bedingungen gewöhnliche Banken mit ihnen Geschäfte machen können. Dafür stehen ihnen drei Leitzinssätze zur Verfügung: (1) Der „Leitzins“, der festlegt, zu welchem Preis sich Geschäftsbanken Geld leihen können. (2) Der „Einlagenzins“, der bestimmt, zu welchem Preis Geschäftsbanken Geld deponieren können. (3) Der Zins für Übernachtausleihe, den Banken für sehr kurzfristige Ausleihen berappen müssen.

Der Leitzins, zu dem sich Banken refinanzieren können, liegt bei der EZB aktuell bei 0 Prozent. Der Zins für Einlagen ist bereits negativ, er liegt neu bei -0,5 Prozent. Der kurzfristige Spitzensatz liegt bei 0,25 Prozent. Spannend wird sein, welche der drei Leitzinsen heute Nachmittag gesenkt werden.

Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise 2008 lag der Leitzins (1) noch bei über 4 Prozent, Anfang der Nullerjahre sogar fast bei fünf.

Warum sind die Leitzinsen so tief?

Der Grund in einem Wort: Finanzkrise. Nachdem die amerikanische Grossbank Lehman Brothers zusammengebrochen war und eine weltweite Kettenreaktion ausgelöst hatte, war klar, dass das dramatische Folgen für die globale Wirtschaft haben wird. Um Gegensteuer zu geben, senkten Zentralbanken – auch die EZB – den Leitzins. Die Idee dahinter: Unternehmen und Privatleute können sich dadurch günstig Geld leihen. Die Wirtschaft wird angekurbelt. Für Wirtschaftswachstum und Preisstabilität zu sorgen ist immerhin der ureigene Auftrag einer Notenbank wie der EZB. Das Ganze hat jedoch Nebenwirkungen: Wer sein hart verdientes Geld zu Bank bringt, bekommt nichts dafür – und könnte bald sogar mit Negativzinsen belegt werden.

Das Wegschmelzen von Spareinlagen beginnt übrigens nicht erst mit den Negativzinsen. Rechnet man die Inflation dazu, sieht es heute schon düster aus. So stiegen die Preise im vergangenen Jahr durchschnittlich um 0,9 Prozent. Wer sein Geld etwa auf einem Tagesgeldkonto parkt und dafür übers Jahr beispielsweise 0,5 Prozent Zinsen bekommt, dessen Erspartes war Ende des Jahres weniger wert als zu Beginn.

Warum ist die EZB so wichtig für die Schweiz?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sorgt ihrerseits für Preisstabilität in der Schweiz. Sie hütet mit dem Franken allerdings eine Währung, der in unsicheren Zeiten eine besondere Rolle zukommt: Die des „sicheren Hafens“. Die SNB muss deshalb den Leitzins noch tiefer halten als etwa die EZB – bei der SNB liegt er derzeit bei -0,75 Prozent. Würde sie ihn anheben, würden die Anreize noch grösser, Euros und Dollars in Franken zu tauschen. Der Franken würde in der Folge aufwerten, was etwa Probleme für die Schweizer Exportindustrie, den Detailhandel und den alpinen Tourismus nach sich ziehen würde, deren Produkte und Dienstleistungen immer teurer würden.

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