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«Einfach totale Stille»

Strafverfahren Der Rechtsprofessor und Anwalt Paolo Bernasconi (73) erinnert sich an die Chiasso-Affäre. Als Tessiner Staatsanwalt leitete er damals das Strafverfahren.

Paolo Bernasconi, wie haben Sie vor 40 Jahren von den Missständen bei der SKA in Chiasso erfahren?

Aus einer sechszeiligen Nachricht in einer Tessiner Zeitung. Keine Strafanzeige, keine Meldung von der Eidgenössischen Bankenkommission, nichts von den Revisoren und vom Verwaltungsrat der Bank. Einfach totale Stille.

Was war Ihre erste Reaktion?

Sofortige Einvernahme der verantwortlichen Personen und persönliche Leitung der Strafuntersuchung bis zur Anklageschrift.

Wie war die Kooperation der Bank im Strafverfahren?

Ich habe die Hausdurchsuchungen in der Bank und in den Büros von Treuhändern persönlich durchgeführt und die Herausgabe der Akten angeordnet.

Waren Sie Pressionen ausgesetzt?

Es gab heftige und anhaltende Kampagnen in der Presse, gefüttert vom politischen Establishment. Das sollte während meiner gesamten 20-jährigen Tätigkeit als Staatsanwalt so bleiben.

Wie erlebten Sie die Zusammenarbeit mit der Bankenkommission und der Nationalbank?

Die Bankenkommission war damals noch nicht auf Bankpleiten im Tessin oder in Genf vorbereitet. Mit Nationalbankpräsident Fritz Leutwiler und seinem Juristen Peter Klauser stellten wir innerhalb von wenigen Wochen die Vereinbarung über die Sorgfaltspflicht der Banken auf die Beine.

Welchen Stellenwert hat diese Vereinbarung?

Zu Beginn haben viele Banken und Anwälte die Vereinbarung systematisch und teilweise krass verletzt. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Sorgfaltspflichten strikt eingehalten wurden.

Die SP reagierte mit der Banken-Initiative und erlitt in der Abstimmung 1984 eine Abfuhr. Inzwischen sind die meisten Anliegen umgesetzt. Im Nachhinein doch ein Erfolg?

Der Kampf gegen die Missbräuche des Bankgeheimnisses stützt sich heute noch fast ausschliesslich auf den Mut einiger weniger Bundes- und Staatsanwälte.

Das Tessin ist mit dem Fall der Bank BSI in Malaysia erneut von einem Finanzskandal betroffen. Zufall oder nicht?

Auch die UBS und die Falcon Bank sind in diesen Skandal verwickelt. Die Schweiz erlebte in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Bankenskandale, wobei Zürich, Genf und das Tessin betroffen waren.

Hat man aus dem Fall Chiasso nichts gelernt?

Das Anreiz- und Bonussystem im Finanzgeschäft ist nicht nur wirtschaftlich ungesund, sondern auch kriminalitätsfördernd. Trotz des klaren Jas des Stimmvolks zur Minder-Initiative haben sich die bürgerlichen Parteien und die Banken zusammengeschlossen, um die Verfassungsbestimmungen gegen die Abzocker zu torpedieren.

Bürgerliche Politiker fordern eine Deregulierung im Finanzmarktrecht und kritisieren die Finanzmarktaufsicht. Zu Recht?

Hinter diesen Politikern stehen geldgierige Banker, die am schnellen Geld interessiert sind und nicht am Interesse des Schweizer Finanzplatzes. (bpp)

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