Einige Zentralschweizer Vermieter senken bereits den Mietzins

Der Referenzzinssatz befindet sich auf einem Rekordtief. Davon profitieren die Mieter – aber nicht alle.

Maurizio Minetti
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Die von Mobimo realisierte Überbauung Mattenhof in Kriens.

Die von Mobimo realisierte Überbauung Mattenhof in Kriens.

Bild: Pius Amrein (10. September 2019)

Erstmals sinkt der Referenzzinssatz für Wohnungsmieten auf das Rekordtief von 1,25 Prozent, womit Mietzinssenkungen um rund 2,9 Prozent möglich werden. Mieter können so pro Jahr unter Umständen Hunderte von Franken sparen. Obschon das Mietrecht keine automatische Anpassung vorsieht, geben viele Zentralschweizer Immobilieneigentümer die Senkung an die Mieter proaktiv weiter, wie eine Umfrage zeigt. «Als verantwortungsbewusste Eigentümerin einer Vielzahl von Liegenschaften halten wir seit Jahren am Grundsatz fest, dass Veränderungen am Referenzzinssatz unaufgefordert an alle Mieterinnen und Mieter weitergegeben werden», sagt etwa Gerold Moser, Leiter Immobilien bei der PKG Pensionskasse in Luzern.

Auch Silvio Camenzind, Inhaber der Luzerner Arag Immobilien-Treuhand AG, die in der ganzen Zentralschweiz tätig ist, sagt: «Von unseren Mietliegenschaftsbesitzern haben sich am Montag und Dienstag bereits einige gemeldet und uns beauftragt, die Mieten dem reduzierten Referenzzinssatz anzupassen.» Bei den eigenen Liegenschaften passe man die Mietzinse bei Referenzzinssatzänderungen jeweils auch proaktiv an, sagt Camenzind.

Senkungen bei Neubauten

Bei anderen Immobilienbesitzern tönt es ähnlich. Insbesondere bei Neubauten ist mit Mietzinssenkungen zu rechnen. «Es gibt Neubauten, bei denen es sich die Investoren überlegen, eine ganzheitliche Senkung vorzunehmen», sagt Luzia Bärtschi, Leiterin Bewirtschaftung beim Immobiliendienstleister Arlewo AG mit Niederlassungen in Luzern, Zug und Stans. Michael Eiholzer, Mitglied der Geschäftsleitung der Redinvest Immobilien AG in Sursee, bestätigt dies: «Einige Immobilienbesitzer haben uns bereits signalisiert, die Mieten proaktiv senken zu wollen. Es handelt sich vor allem um Besitzer von Neubauten.»

Doch nicht alle Mieter in Neubauten werden davon profitieren. Grund: Bei Mietverträgen mit einer Mindestdauer kann der Vertrag während der Mindestdauer nicht angepasst werden. «Dies trifft derzeit noch auf einige Mietverträge im Mattenhof zu, welche eine Mindestdauer von einem Jahr haben», sagt Marion Schihin, Sprecherin beim Immobiliendienstleister Mobimo, der die Überbauung in Kriens realisiert hat. Grundsätzlich, sagt Schihin, entspreche man den individuellen Senkungsbegehren der Mieter: «Wir senken den Mietzins proaktiv bei allen Mieterverhältnissen einer Liegenschaft, wenn ein Drittel der Mieter ein Senkungsbegehren gestellt hat.»

Es gibt auch Liegenschaftsbesitzer, welche keine proaktive Anpassung vornehmen. «Meistens handelt es sich dabei um Liegenschaften, bei welchen die Mieten bereits enorm tiefer als die Marktmieten sind», erklärt Silvio Camenzind von der Arag. Dies trifft zum Beispiel bei Wohnungen zu, die zwischen den siebziger und neunziger Jahren erstellt wurden und zum Teil unter dem schweizweiten Durchschnitt aller Mietwohnungen von 1329 Franken pro Monat liegen. «Hier werden die Mietzinse eher auf Anfrage geprüft und gegebenenfalls gesenkt», sagt Alex Widmer, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Luzern. Der Eigentümer könne hier aufgrund eines nicht kostendeckenden Mietzinses diesen unverändert weiterführen.

Private scheuen den Aufwand

Eher zurückhaltend sind private Eigentümer, wie Alain B. Fuchs, Präsident des Hauseigentümerverbands Zugerland, sagt. Allerdings nicht aus Knausrigkeit: «Bei privaten Eigentümern erfolgen die Mietzinsanpassungen mit einem längeren Zeithorizont, da diese auch die früheren Hypothekarzinssteigerungen grossmehrheitlich nicht umgesetzt haben und generell eher an stabilen Mietzinsen interessiert sind.» Oftmals scheuen die privaten Besitzer auch den mit einer Änderung verbundenen administrativen Aufwand, wie Fuchs erklärt. «Aus dem gleichen Grund hat sich diese Eigentümerkategorie in der Regel auch zwischenzeitlich vorgenommene wertvermehrende Investitionen nicht via Mietzinserhöhung abgelten lassen.»

Werden Immobilienbesitzer nicht selber aktiv, können Mieter eine Mietzinssenkung beantragen. Einigen sich die Parteien nicht, hilft nur noch der Gang vor die Schlichtungsbehörde.