EINKAUF: Der Druck auf die Preise steigt

Der Fall des Euro lässt die Preise in der Schweiz sinken. Der Detailhandel hat erste Anpassungen vorgenommen. Für einen Preissturz auf breiter Front braucht es aber noch weit mehr.

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Preise im Vergleich mit Deutschland. (Bild: Grafik LZ)

Preise im Vergleich mit Deutschland. (Bild: Grafik LZ)

Ernst Meier

Die Bilder von Schweizer Schnäppchenjägern, die gierig den Fall des Euro nutzen und ennet der Grenze ihre Einkaufstaschen füllen, waren am letzten Wochenende omnipräsent in den Medien. Lebensmittel, Kleider und Kosmetika: Schweizerinnen und Schweizer kauften in Konstanz, Waldshut oder Singen, was die Euros hergaben. Da der Euro auf absehbare Zeit gegenüber dem Schweizer Franken tief bleiben wird, befürchtet der Detailhandel nachhaltige Einbussen. Diese Woche hat die Branche reagiert. «Sämtliche Preisvorteile werden an die Kunden weitergegeben», kommunizierte Aldi Suisse. Eine Ananas kostet neu 1.99 Franken (statt 2.49), Orangen gibts pro Kilo für 1.49 Franken (statt 1.99). Weiter verspricht man bei Aldi Suisse Tours, dass «sämtliche Reiseangebote mit Destination Europa den aktuellen Währungskursen angepasst werden».

Gemüse und Obst werden billiger

Auch Lidl Schweiz hat per gestern die Preise von Obst- und Gemüseartikeln neu angeschrieben: Kiwi pro Stück 39 Rappen (statt 49), Eisbergsalat 1.10 Franken (statt 1.29). «Wir haben die Preise um bis zu 20 Prozent gesenkt», sagt Lidl-Sprecher Nico Frey. Coop schreibt, dass 200 Früchte- und Gemüsesorten, die man importiert, ab dieser Woche bis zu 20 Prozent günstiger seien. Beim Migros-Genossenschaftsbund in Zürich heisst es auf unsere Anfrage: «Dort, wo es Wechselkursvorteile gibt für die Kunden, geben wir sie weiter.» Konkrete Angaben werden keine gemacht.

Markenartikel bleiben teuer

Konsumentenschützer hoffen nun, dass die Schweizer Detailhändler auch die Preise von anderen Produkten senken werden. Gerade bei Markenartikeln ist die Schweiz eine Hochpreisinsel: Für Nivea-Creme, Gillette-Einwegrasierer, aber

Zeitschriften wie «Der Spiegel» zahlte man im letzten Jahr bis zu 30 Prozent mehr als in deutschen Geschäften. Nachdem der Euro seit letztem Donnerstag gegenüber dem Schweizer Franken um 15 Prozent nachgab, ist der Preisunterschied noch grösser geworden (siehe Grafik). Damit ist der Einkauf bei Grossverteilern, Drogeriefachgeschäften und Kleiderläden ennet der Grenze wiederum attraktiver geworden für Einkaufstouristen zumal viele von ihnen von der Rückerstattung der Mehrwehrsteuer in der Höhe von 19 Prozent Gebrauch

Preise im Vergleich mit Deutschland. (Bild: Grafik LZ)

Preise im Vergleich mit Deutschland. (Bild: Grafik LZ)

. Schweizer Läden in Gemeinden, die ans Euroland angrenzen, haben das Nachsehen.

Laut einer Studie der Credit Suisse flossen im Jahr 2013 rund 4,5 Milliarden Franken ins grenznahe Ausland. Dazu kamen weitere 3,8 Milliarden Franken für Einkäufe auf Ferien- und Geschäftsreisen. Die Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor. Sie dürften jedoch wegen des langfristigen Trends sowie neuen Angeboten im grenznahen Ausland weiter gestiegen sein. Mit einem Umsatz von gegen 10 Milliarden Schweizer Franken kann das «Ausland-Shopping» zusammengezählt de facto als dritter Mitbewerber hinter den Schweizer Multis Migros/Denner und Coop bezeichnet werden.

Weitere Preissenkungen gefordert

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, kämpft seit Jahren gegen die Hochpreisinsel Schweiz. Die Preise von Markenartikeln im hiesigen Detailhandel seien nicht nur aufgrund der Währungsdifferenz und der Lohnunterschiede deutlich höher als in Deutschland oder Österreich, sagt Stalder. Auch die Einkaufskonditionen sowie die Preispolitik der Detailhändler würden da mitspielen. Für sie ist klar: Die Markenartikellieferanten müssen die Preise für die Schweiz senken.

Die aktuelle Währungsdebatte erhöht den Druck auf die Verhandlungen zwischen Detailhändlern und Grosskonzernen wie Nestlé, Unilever, Mars oder Procter & Gamble. Vor vier Jahren als der Euro zum Sinkflug ansetzte – kam es hier zu Preissenkungen von bis zu 20 Prozent. Zeitweise verbannten Detailhändler sogar gewisse Markenartikel aus den Gestellen, bis sie bessere Lieferpreise durchsetzen konnten.

Ruf nach Kartellrechts-Revision

Ob es wiederum zu solchen Massnahmen kommt, bleibt abzuwarten. Der Druck auf die Einkaufspreise erhält jedoch durch die Politik Sukkurs. So fordert Ständerat Hans Altherr (FDP, Appenzell Ausserrhoden) in einer parlamentarischen Initiative, dass im Rahmen der Kartellgesetzrevision Unternehmen mit Marktmacht ins Visier der Wettbewerbskommission geraten können. Will heissen: Ausländische Unternehmen sollen gezwungen werden, hiesige Firmen zu gleichen Preisen wie im Ausland zu beliefern.

Leute wechseln Schweizer Franken in Euro. (Bild: Keystone)

Leute wechseln Schweizer Franken in Euro. (Bild: Keystone)