Einkaufstourismus: Migros und Coop spüren die Euro-Krise

Die grössten Schweizer Grossverteiler spüren die Euro-Krise. Freude haben sie am Grenztourismus nicht: Das Einkaufsverhalten vieler Konsumenten sei krass widersprüchlich.

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Keystone

Michael Hunziker

Spüren die Grossverteiler Migros und Coop in ihren Verkaufsstellen an der Grenze die Euro-Krise? Kaufen wegen des starken Frankens weniger Deutsche in der Schweiz ein?

Gemäss Thomas Bornhauser, Pressesprecher der Migros Aare, kommen die deutschen Kundinnen und Kunden «seit je der Qualität und der Auswahl wegen zu uns». Ein Vergleich zum Vorjahr – mit verlässlichen Zahlen – sei schwierig. Trotzdem: Bornhauser schätzt, dass wegen des Grenztourismus gegenwärtig ein Rückgang bei den Frequenzen von 2 bis 4 Prozent zu verzeichnen sei.

Diese Prozentzahlen seien aber nicht unbedingt identisch mit dem Umsatz. «Das mag für Aussen-stehende nach wenig, nach vernachlässigbar tönen», hält Bornhauser fest. «Wenn man aber um die Frequenzen in unseren Läden weiss, kann man sich vorstellen, was das heisst, wenn ähnliche Tendenzen im gesamten Schweizer Einzelhandel gelten. Es geht ja nicht bloss um Lebensmittel.»

Unter Grenztourismus leiden kleine Läden

Grundsätzlich, so macht der Pressesprecher klar, sei der Grenztourismus in allen Grenzfilialen zu spüren. «Der ganze Einkaufstourismus ist ja nicht bloss ein Migros-Thema, darunter leiden vor allem die kleineren Läden», führt Bornhauser aus. Er spricht von einem krassen Widerspruch. Viele Konsumentinnen und Konsumenten plädierten für den Erhalt der kleinen Läden im Dorf und im Quartier, «um ihnen dann bei erstbester Gelegenheit den Rücken zu kehren».

Die gefahrenen Autokilometer spielten keine Rolle, der Zeitaufwand werde schon gar nicht eingerechnet, so Bornhauser. Die Migros Aare, die in den Kantonen Aargau, Solothurn und Bern tätig sei, verstehe sich als faire und preisgünstige Anbieterin, «das ganze Jahr über, Euro-Kurs hin oder her».

Coop: Je näher an der Grenze, desto grösser der Verlust

Coop spürt laut Mediensprecher Nicolas Schmied, wenn der Euro-Kurs tief ist. «Wo genau die magische Grenze liegt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Erfahrung zeigt, dass sie bei ungefähr Fr.1.50 liegt», hält Schmied fest. Die Auswirkungen seien aber nicht in allen Läden gleich gross: Auch innerhalb einer Grenzregion seien die Unterschiede von Verkaufsstelle zu Verkaufsstelle zu spüren. «Je näher ein Laden an der Grenze liegt, desto stärker verliert er», führt der Mediensprecher aus.

Genaue Angaben, welcher Anteil an Umsatzschwankungen tatsächlich mit dem Euro-Kurs zusammenhängt, lassen sich gemäss Schmied anhand der Kassendaten nicht machen. Die Einkaufstouristen bezahlen, so seine Ausführungen, häufig in Schweizer Franken. Umgangen werden könne der schwache Euro übrigens nicht. Die Kurse würden zweimal die Woche aktualisiert. «So können wir den Kursschwankungen und der entsprechenden Kaufkraft Rechnung tragen», erklärt Schmied.