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EINLEGERSCHUTZ: Soll der Teufel doch kommen

Die Schweizer Banken lernen, über ihr eigenes Einlagensicherungssystem zu reden. Vielleicht war aber auch Aberglaube der Grund dafür, dass sie es bislang kaum taten.
Daniel Zulauf
Der Sturm auf die Schalter von Northern Rock im Jahr 2007 war eine Zäsur für das britische Bankensystem. (Bild: Peter Macdiarmid/Getty (Kingston upon Thames, 17. September 2007))

Der Sturm auf die Schalter von Northern Rock im Jahr 2007 war eine Zäsur für das britische Bankensystem. (Bild: Peter Macdiarmid/Getty (Kingston upon Thames, 17. September 2007))

Daniel Zulauf

«Wenn man vom Teufel spricht, kommt er», heisst es im Volksmund. Solcher Aberglaube sitzt heute noch tief in der Gesellschaft, und offenbar sind auch hochgestellte Persönlichkeiten des Schweizer Finanzplatzes nicht ganz gefeit dagegen. Über das Einlagensicherungssystem sollte man besser «gar nichts sagen, um möglichst keine schlafenden Hunde zu wecken», erinnerte sich Raiffeisen-Chef Patrik Gisel vor zwei Jahren im Jahresbericht des Trägervereins Esi­suisse an eine Empfehlung, die ihm im Rahmen seiner sechsjährigen Präsidentschaft an verschiedenen Vorstandssitzungen von Kollegen zu Ohren gekommen sei.

Einlagensicherungssysteme sind in der Tat auch anfällig für Missbrauch. In wacher Erinnerung ist das Beispiel der isländischen Kaupthing-Bank, die noch vor wenigen Jahren hierzulande Sparkonti mit einem weit über dem Markt liegenden Zins anbot, um das helvetische Geld zur Deckung einer klaffenden Lücke in der Bilanz auf die Insel zu holen. Die Isländer und ihre Schweizer Kunden spekulierten bei dem trüben Spiel offensichtlich auf die hiesige Einlagensicherung, die den Schaden am Ende tatsächlich auch bezahlte.

In der breiten Bevölkerung weitgehend unbekannt

Derartige Vorfälle sollten allerdings kein Grund sein, den Banksparern die Existenz eines Ein­lagensicherungssystems zu verheimlichen. Das ist jedenfalls die Meinung der vor einigen Jahren vom Bundesrat eingesetzten Expertenkommission Brunetti, die der Regierung vor zwei Jahren ­einen etwa 200 Seiten starken Bericht mit Empfehlungen zur «Weiterentwicklung der Finanzmarktstrategie» unterbreitet hatte. Der Bericht adressiert auch das Thema Einlagensicherung und kommt zum Schluss, dass das Wissen und das Verständnis darüber im breiten Publikum noch unterentwickelt ist.

Zwar hat Esisuisse (siehe Box) seit der Gründung des Trägervereins im Jahr 2005 einige Anstrengungen in dieser Hinsicht unternommen und zeigt auf der eigenen Website esisuisse.ch beispielsweise edukative Videos über die Funktionsweise des Systems. Doch der Brunetti-Bericht empfiehlt, dass sich die Banken selber im direkten Kontakt mit ihren Kunden für die Bekanntmachung des Sicherungssystems engagieren. Den entsprechenden Beschluss dazu fällten die Banken am vergangenen Freitag formell auf der Jahresversammlung von Esisuisse.

«Unser System ist sehr gut, und darüber zu sprechen, stärkt unsere Position und schafft Vertrauen», sagte Patrik Gisel bereits vor zwei Jahren. Doch es hat Zeit gebraucht, die Herde in Bewegung zu setzen. «Es ist wichtig, dass die Kam­pagne von allen Banken gemeinsam und einheitlich in Angriff genommen wird», sagt heute Esisuisse-Geschäftsführer Patrick Loeb. Unterschiedliche Auftritte der Banken könnten im Publikum unter Umständen falsch aufgefasst werden, erklärt Loeb.

Engländer liefern Anschauungsunterricht

Das Argument der «schlafenden Hunde» sei nicht mehr zu vernehmen, sagt Loeb. Anschauungsunterricht haben in den vergangenen Jahren allen voran die Engländer geliefert. «Der Sturm auf die Schalter von Northern Rock war eine Zäsur für das britische Bankensystem», sagt Mark Oakes, Marketingdirektor des Financial Services Compensation Scheme (FSCS) in Grossbritannien. Nach dem Sturm musste die Regionalbank für teures Geld vom Staat vor dem Konkurs gerettet werden. Das ist zehn Jahre her.

«Das war ein einmaliger Vorgang in 140 Jahren, und er hat uns vor Augen geführt, dass ein Bewusstsein über die Einlagenversicherung weder im Publikum noch in den Banken vorhanden war.» Seither unternehmen die britischen Banken viel, um das System gezielt bekannt zu machen. «In neun von zehn Filialen gibt es Plakate, Kleber und weiteres Informationsmaterial über unsere Arbeit», sagt Mark Oakes. Mit einem Jahresbudget von 3 Millionen Pfund schaltet die FSCS auch Radiowerbung und spricht auf digitalen Werbekanälen gezielt jene Gesellschaftsgruppen an, von denen Oakes aus regelmässigen Umfragen weiss, dass ihnen das nötige Wissen noch fehlt – aktuell zum Beispiel Frauen Mitte 20 mit tiefen Einkommen und unterdurchschnittlicher Bildung.

78 Prozent der Briten verfügten inzwischen über eine ausreichende Kenntnis des Sicherungssystems, sagt der Marketingfachmann. Auch deshalb, weil man das System radikal vereinfacht habe. Das Wissen über das System trage viel zum Vertrauen der Sparer bei. «Wir bewegen uns in die richtige Richtung», stellt Patrick Loeb zufrieden fest. Die Briten verdanken ihren Vorsprung der Northern-Rock-Krise, doch deren abschreckende Wirkung nimmt mit der Zeit ab. Im Wissen darum sagt Oakes: «Wir müssen mit unserer Arbeit weitermachen, denn Vertrauen schafft man in ruhigen Zeiten.»

Es wird sich zeigen, wie lange Patrick Loeb die Schweizer Banken zur aktiven Mitarbeit motivieren kann.

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