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Einstiger Accu-Chef verurteilt

Marco Marchetti, der ehemalige Eigentümer der Accu Holding, wurde wegen ungetreuer Geschäftsführung verurteilt. Die Nachfolgefirma der Viscose, Nexis Fibers, war auch eines seiner Opfer.
Raphael Bühlmann
Der ehemalige Hauptsitz der Nexis Fibers AG auf dem Viscose-Areal. Bild: Manuela Jans-Koch (Emmenbrücke, 23. August 2010)

Der ehemalige Hauptsitz der Nexis Fibers AG auf dem Viscose-Areal. Bild: Manuela Jans-Koch (Emmenbrücke, 23. August 2010)

Das Bezirksgericht Zürich hat den zwielichtigen Unternehmer Marco Marchetti (53) wegen mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsführung und Ur­kundenfälschung schuldig gesprochen. Laut NZZ hat Marchetti keine Berufung erhoben. Mit dem Urteil beendet das Zürcher Gericht damit die Laufbahn eines Mannes, dessen Vorgehen an Dreistigkeit seinesgleichen sucht. Marchetti, der sich ohne entsprechende Ausbildung auch gerne als «Doktor» betitelte, war Verwaltungsratspräsident und Chef der einst an der Schweizer Börse SIX kotierten Industriegruppe Accu Holding mit Sitz in Emmenbrücke.

Die Firma wurde 1998 gegründet und ging aus der Accumulatoren-Fabrik Oerlikon hervor. Darüber beteiligte sich Marchetti an diversen Firmen der Sparten Industriegarne und Oberflächentechnologien. Vor allem auf mittelständische KMU, deren Besitzer oft Mühe bekundeten, einen geeigneten Nachfolger zu finden, hatte es Marchetti abgesehen.

Zermürbung bis vor Bundesgericht

Einmal den Fuss in der Tür, riss Marchetti das Geschäft an sich. Dies allerdings nicht mit der Absicht, dieses operativ weiterzuführen. Im Gegenteil. Sobald er die Kontrolle der Firmen gewonnen hatte, weigerte sich Marchetti fortan, versprochene Zahlungen oder Investitionen zu leisten. Ging jemand gerichtlich gegen ihn vor, zogen er und sein Anwalt sämtliche juristischen Register – bis vor Bundesgericht. Eine Zermürbungstaktik, an deren Ende oft ein Vergleich mit der Verkäuferschaft stand.

Während die einstigen Eigentümer so wenigstens noch einen Teil des finanziellen Totalschadens abwenden konnten, ging die Sache für Zulieferer oder Mitarbeiter der betroffenen Firmen weit weniger glimpflich aus. So zum Beispiel im solothurnischen Balsthal. Bei der Accu-Tochter RCT Hydraulic Tooling AG blieben Rechnungen und Löhne während Monaten unbezahlt. Am Ende standen der Konkurs und 75 Mitarbeiter auf der Strasse. Marchetti legte es geradezu darauf an, die von ihm kontrollierten Betriebe geradewegs in die Insolvenz zu lenken.

Während die Firmen aus­bluteten, arrangierte Marchetti gleichzeitig seinen gesicherten Ausstieg. Denn als Eigner der Firmen obläge im eigentlich auch das Geschäftsrisiko. Doch Marchetti hatte auch dafür vorgesorgt. Mit seiner 1C Industries Zug AG fungierte er als Vermieter der Geschäftsliegenschaften seiner eigenen Firmen. Gemäss dem sogenannten Retentionsrecht werden im Falle eines Konkurses die Forderungen der Vermieterin der Fabrikliegenschaften privilegiert bedient.

Die Hälfte der Strafe bereits abgesessen

Das «Geschäftsmodell Marchetti» schien erschreckend lange gut zu funktionieren – zumindest bis ins Jahr 2016. Im März wurde er in Bayern bei gleichem Vorgehen wegen Betrugs und Insolvenz-verschleppung zu 21 Monaten bedingter Haft, einem fünfjährigen Berufsverbot für Geschäftsführer-Tätigkeiten und hohen Geldzahlungen verurteilt. Gut einen Monat später eröffnete die Staatsanwaltschaft Zürich ein Untersuchungsverfahren wegen möglicher Vermögensdelikte. Daraufhin trat Marcchetti als Präsident der Accu-Holding zurück, verblieb aber weiterhin im Verwaltungsrat. Es folgten eine geplatzte Kapitalerhöhung, fehlende Geschäftsberichte, eine Verschiebung der Generalversammlung, Abmahnungen und Bussen durch die Börse, Abgänge in der Geschäftsleitung, akute Liquiditätsengpässe und eine provisorische Nachlassstundung.

Anfang 2017 fiel das Kartenhaus dann vollends in sich zusammen. Das Konkursamt Hochdorf eröffnete den Konkurs über der Industriegruppe, und die Accu-Holding verkaufte mit der Nexis-Gruppe ihre letzte operative Gesellschaft. Die einst in Emmenbrücke ansässige Firma wurde im Jahr 2010 von Marchetti «gerettet» und gleich anschliessend in die Slowakei verlegt.

Die Gewerkschaften vermuteten hinter dem Deal bereits damals ein «abgekartetes Spiel». Unter dem Strich hinterlässt Marchetti eine Vielzahl geprellter Mitarbeiter und Gläubiger. Dafür verurteilte ihn das Zürcher Bezirksgericht zu vier Jahren Freiheitsstrafe. Zweieinhalb Jahre davon hat Marchetti bereits in der Untersuchungshaft verbüsst.

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