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EL GOUNA: Wüstenstadt lässt Träumer aufblühen

Die Stadt wurde vor 26 Jahren aus dem Nichts erbaut. Seither lockt sie Sportler und Ferienbegeisterte aus aller Welt an. Viele von ihnen verwirklichen sich dort einen Traum. Auch Schweizer.
Strand, Palmen und das Meer: El Gouna ist ein Paradies für Sonnenhungrige. Aber nicht nur. Bis zu 25'000 Menschen leben in der Oase und bald sollen es mehr sein. (Bild: Getty)

Strand, Palmen und das Meer: El Gouna ist ein Paradies für Sonnenhungrige. Aber nicht nur. Bis zu 25'000 Menschen leben in der Oase und bald sollen es mehr sein. (Bild: Getty)

Es ist ein perfekter Ferienort in der Oase. Hier ist alles ganz anders als im unerbittlichen Dürregürtel ringsum, in dem sich schon mancher eine Fata Morgana vorgaukeln liess. El Gouna heisst Lagune, und wer dabei an Venedig denkt, liegt gar nicht so falsch: Mit seinen Kanälen und Buchten, seinen unzähligen Brücken und dem imposanten Jachthafen muss El Gouna den Vergleich mit dem altehrwürdigen Venedig nicht scheuen. Ein Unterschied ist allerdings gravierend: El Gouna feiert dieses Jahr erst seinen 26. Geburtstag. Ausserdem besitzt es keine Markuskirche und keinen Dogenpalast, und es blickt auch nicht auf die Adria, sondern auf das Rote Meer. Aber El Gouna hat einen Dogen: Samih Sawiris. Er ist Inhaber des ägyptischen Mischkonzerns Orascom und gilt als Erfinder, Betreiber und als Seele von El Gouna.

Schule zieht reiche Ägypter an

Samih Sawiris kam 1990 an diesen damals gottverlassenen Ort auf der Suche nach einem Anlegerplatz für sein Sportboot. «Ausserdem suchte ich einen Standort für eine Villa. Privatvillen zu bauen ist in Ägypten nicht so einfach. Also baute ich kurzerhand ein Hotel und einige weisse Villen im mediterranen Stil dazu, die ich an Freunde verkaufte. Das Immobilienprojekt El Gouna war geboren», erzählt er.

Samih Sawiris ist stolz, was er erreicht hat. Auf eines ist er in El Gouna ganz besonders stolz: «Das Schönste ist für mich, dass unsere internationale Schule einen ausgezeichneten Ruf geniesst. Viele wohlhabende Ägypter schicken ihre Kinder zu uns. Der Ausbildungsstandard ist höher als in herkömmlichen ägyptischen Schulen», betont er.

Vom Reitstall bis zur Brauerei

El Gouna hat sich zu einem aufregenden Ferienort entwickelt. Je nach Saison leben zwischen 15 000 und 25 000 Menschen in der Stadt, die aus dem Nichts entstanden ist. El Gouna verfügt über einen Golfplatz, der zweite ist im Bau, einen Reitstall, eine Brauerei, eine Moschee, eine koptische Kirche und ein international renommiertes Spital. Und es gibt eine eigene Landebahn für Privatjets. Dies drängt sich auf. El Gouna zieht Prominente aus der ganzen Welt an. Bis zu seinem Tod vor drei Monaten sah man Omar Sharif durch die Innenstadt spazieren, wenn er seinen Sohn besuchte, der hier mehrere Restaurants besitzt.

Die Pensionierung geniessen

In El Gouna leben auch viele Schweizer: Die einen haben sich hier eine Existenz aufgebaut, die andern geniessen einfach den Ruhestand. Mit der Rente aus der Schweiz lässt sich auch im vergleichsweise eher teuren El Gouna ganz gut leben. Erika Erard (62) und Ursi Aeschlimann (61) sind zwei Freundinnen. Sie haben sich vor gut drei Jahren in der Oase niedergelassen: «Ausschlaggebend war für uns das Klima, das Gemisch der internationalen Leute und natürlich die Sicherheit. Wir haben diesen Schritt noch keine Minute bereut», betonen die beiden.

Bündnerin tischt Gold-Burger auf

Marlis Seves (60) ist seit Beginn in El Gouna. Inzwischen hat sie erfolgreich vier Geschäfte aufgebaut – angefangen mit einer exklusiven Kleiderboutique, gefolgt von drei Gastrobetrieben. Aktuell steht sie täglich in ihrem «Le Garage – Gourmet Burger». Da werden auch, aber nicht nur, normale Burger angeboten. Als einzige in ganz Ägypten serviert Marlis Seves auch Gold-, Trüffel- oder Kaviar-Burger. Und damit lag sie genau richtig, wie sich bereits wenige Tage nach der Eröffnung vor fünf Jahren herausgestellt hat. Die Bündnerin sagt, sie habe inzwischen so was wie eine Liebesbeziehung mit El Gouna – mit allen Begleiterscheinungen.

«Mal liebe ich es, mal weniger. Ich liebe die Sonne, das Meer und meine Arbeit, mag es aber weniger, wenn es so heiss ist oder der Staub der Wüste in meinem Wohnzimmer hockt. Auch mag ich nicht, dass ich die Sprache nicht genau verstehe und immer alles übersetzen lassen muss», erklärt sie. Bei der Frage, ob sie vorhat, wieder in die Schweiz zurückzukehren, ist sie unschlüssig: «Ja, aber ... ganz weg von El Gouna schaffe ich nicht, früher oder später wird es wohl ein Pendeln zwischen der Schweiz und hier sein.»

Chuchichäschtli in der Oase

Noch deutlich weniger Erfahrungen haben Ivan Bichsel (43) und Torsten Volkmann (45). Die beiden Schweizer haben vor knapp zwei Monaten in El Gouna einen Gastrobetrieb eröffnet: das Chuchichäschtli. Auf der Speisekarte stehen Schweizer Spezialitäten wie Bratwurst und Rösti oder Chäs-Spätzli. Ivan Bichsel: «Wir haben vorher in Hurghada gewohnt und wollten eigentlich nie nach El Gouna, wir glaubten, es sei zu versnobt, zu teuer und zu künstlich. Alles Quatsch, es gibt keinen schöneren Platz am Roten Meer.» Ivan, der gelernte Koch, und Torsten, der Servicefachmann, ziehen mit dem Chuchichäschtli viele deutschsprechende Gäste an. Torsten Volkmann: «Nebst Fondue haben wir als einzige hier in El Gouna einen richtigen Stammtisch – das scheint zu gefallen!»

Mehr Land als die Stadt Zürich

Die Aussichten sind rosig. Laut Samih Sawiris verfügt El Gouna noch über genügend Entwicklungspotenzial. «Wir haben viel mehr Land zur Verfügung als die Stadt Zürich. Damit wird sie langsam zu einer grossen Stadt», sagt er. Angst, dass das Wachstum auf Kosten des Charmes geht, hat der Unternehmer, der in Andermatt ein riesiges Resort baut, nicht: «Wir entwickeln immer wieder neue traditionelle, aber auch moderne Stadtteile, damit El Gouna klein und fein bleibt», beschwichtigt er. Das Ziel ist aber klar: Mittelfristig soll El Gouna über mehr Bewohner verfügen. Davon werde auch der Tourismus profitieren, ist Samih Sawiris überzeugt. «Touristen finden eine Stadt viel interessanter, wenn der Ort richtig lebt. Erst das gibt einem Ort das spezielle Flair», betont er. El Gouna soll allerdings nicht nur ein Ort für Ägypter sein, angestrebt wird ein möglichst grosser internationaler Mix.

Konkurrenz ist willkommen

Der Erfolg von El Gouna ruft Nachahmer auf den Plan. Samih Sawiris kommt dies nicht ungelegen. Ganz im Gegenteil: «Gott sei Dank gibt es andere Projekte wie Suma Bay oder Sharm el Sheik. Das sind wunderschöne Orte», wendet er ein und schiebt nach: Der Gast müsse eine Auswahl haben. «Je mehr Vergleiche möglich sind, desto besser schneidet El Gouna ab», gibt er sich selbstüberzeugt und schlägt einen Bogen zur Zürcher Bahnhofstrasse. «Dort hat es auch viele Uhrengeschäfte, nur Cartier allein würde nicht funktionieren.» Genau gleich sei es im Tourismus, so Sawiris: «Wenn in einem Land nur eine gute Destination existiert, dann kommen die Leute nicht.

«Wir rechnen mit einer schrittweisen Erholung»

TourismusIm vergangenen Jahr blieben die Buchungszahlen in El Gouna deutlich unter den Erwartungen. Heuer sieht es besser aus. Doch laut Kurt Eberhard, CEO Hotelplan Suisse, braucht es noch einige Anstrengungen, um wieder auf das Niveau vor der Krise zu gelangen.

El Gouna gilt als eine der sichersten Gegenden Ägyptens. Wie sicher ist es wirklich, dorthin zu reisen?

Kurt Eberhard: Für Einschätzungen der Sicherheitslage verweisen wir auf die Reisehinweise des EDA. Das EDA unterscheidet nicht zwischen den einzelnen Resorts am Roten Meer. El Gouna ist aber ein abgeschlossenes Touristen-Resort und ist somit einfacher zu kontrollieren als zum Beispiel die Hotelzone direkt in Hurghada.

2014 blieben die Touristen weitgehend aus. Wie ist es heute um die Buchungszahlen bestellt?

Eberhard: Die Buchungszahlen haben sich im Vergleich zu 2014 zwar erholt, sie liegen aber immer noch beträchtlich hinter den Buchungen vor der arabischen Revolution zurück.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des Tourismus in El Gouna ein?

Eberhard: Die Hotellerie in Ägypten ist sich der schwierigen Situation bewusst und setzt sehr stark auf Sicherheit und insbesondere auf Service-Qualität. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist besonders in den Erstklass- und Luxushotels hervorragend, der Kunde wird wie ein König umsorgt. Wenn es der aktuellen Regierung gelingt, die Sicherheitslage möglichst nachhaltig und langfristig zu verbessern und Zwischenfälle in den touristischen Gebieten ausbleiben, rechnen wir mit einer schrittweisen Erholung des Tourismus in Ägypten.

Sind Sie zuversichtlich?

Eberhard: Das sind wir, sonst hätten wir nicht das Hotelangebot in Sahl Hasheesh, rund 30 Minuten südlich von Hurghada, ausgebaut.

El Gouna ist eine Retortenstadt, die wenig vom Rest des Landes widerspiegelt. Empfiehlt es sich besonders für Ägypten-Einsteiger, dorthin zu fahren?

Eberhard: El Gouna eignet sich besonders für Gäste, die auch in den Wintermonaten Sonne und traumhaftes Meer geniessen möchten, für Schnorchel- und Tauchfans. Weil es sich um ein abgeschlossenes Tourismusresort handelt, beschränkt sich der Kontakt mit der ägyptischen Kultur und Lebensweise aber auf die einheimische Küche. So gesehen ist es ein guter Einstieg, das stimmt. Für Entdeckungsfreudige gibt es aber viele Ausflugsmöglichkeiten.

Interview Simon Benz; wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Anita Plozza

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