ELEKTROAUTO: Von 0 auf 340 in drei Jahren

Tesla zeigt am Auto-Salon in Genf das neue Modell X. Im Schweizer Oberklasse-Markt überflügelt der US-Hersteller alle anderen Marken. Das Geschäft boomt auch in der Zentralschweiz.

Maurizio Minetti
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An den sogenannten Superchargern des Hotels Seerausch in Beckenried können Teslas «aufgetankt» werden. (Bild: PD)

An den sogenannten Superchargern des Hotels Seerausch in Beckenried können Teslas «aufgetankt» werden. (Bild: PD)

Maurizio Minetti

Das Hotel Seerausch in Beckenried bietet einen herrlichen Blick auf den Vierwaldstättersee. Seitdem es 2014 renoviert wurde, kommen die Gäste aber nicht nur wegen der Longdrinks. Vier sogenannte Supercharger stehen auf dem Platz zur Verfügung. Supercharger sind spezielle Ladegeräte für das Elektroauto Tesla mit einer maximalen Leistung von 120 Kilowatt. Wer seinen Tesla nur 30 Minuten an so einem Gerät lädt, erreicht eine Reichweite von 270 Kilometern. Zum Vergleich: Mit einem halbstündigen Ladevorgang an einem herkömmlichen Heimladegerät mit 11 Kilowatt, kommt man lediglich 27 Kilometer weit.

Der Strom aus den Beckenrieder Superchargern kommt schnell und kostenlos – entsprechend herrscht insbesondere an den Wochenenden reger Betrieb. Das Hotel verdient zwar nicht direkt daran, profitiert aber davon, dass Tesla-Fahrer vorbeikommen, ihr Auto laden und in der Zwischenzeit etwas konsumieren. Um den Strom, der aus Wasserkraft kommt, kümmert sich Tesla selbst.

In der ganzen Schweiz gibt es lediglich zehn solche Supercharger, und das Hotel Seerausch ist der einzige Standort in der Zentralschweiz. Das heisst aber nicht, dass Tesla-Fahrer kaum Elektroladestationen finden. Schweizweit gibt es rund 1400 öffentlich zugängliche Ladestationen. Im Prinzip kann man dort auch einen Tesla laden, man braucht dafür aber die richtigen Ladekabel und Adapter.

Cool und teuer

Der Tesla ist nicht einfach nur ein Elektroauto. Der Hersteller aus dem amerikanischen Silicon Valley hat es geschafft, mit seinen kraftvollen und edlen Karossen den Ruf von Elektroautos grundlegend zu verändern: Wenn ein Elektroauto in 3 Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigt und man mit einer Ladung bis zu 500 Kilometer weit kommt, ist das nicht zu vergleichen mit früheren Elek­troautos. Günstig sind die Teslas aber nicht. Das Modell S kostet mindestens 80 000 Franken. Das neue Modell X, das diese Woche am Genfer Auto-Salon erstmals dem europäischen Publikum präsentiert wird, ist ab knapp 90 000 Franken zu haben. Der Geländewagen soll ab Sommer erhältlich sein. Erst das geplante Modell 3 zielt mit einem Preis um die 40 000 Franken auf den Massenmarkt. In den USA soll der Mittelklassewagen ab Ende 2017 verkauft werden.

In der Schweiz werden Teslas im Oberklassenmarkt überdurchschnittlich gut verkauft. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 1556 Tesla Model S zugelassen. Das waren mehr als traditionelle Hersteller mit ihren vergleichbaren Autos (siehe Grafik). In der Schweiz werden nach Norwegen und den Niederlanden europaweit die meisten Teslas verkauft. «Tesla ist in der Schweiz, aber auch in den USA der Überflieger im Luxusklasse-Markt», sagt der bekannte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen. «Tesla hat die grossen Marken im letzten Jahr alle hinter sich gelassen. Und in diesem Jahr war der Start in der Schweiz ebenfalls gut für Tesla», sagt Dudenhöffer. «Renommierte Oberklasse-Limousinen haben gegenüber Tesla keine Chance. Das zeigt, dass die traditionellen Autobauer was falsch gemacht haben.»

340 Teslas in der Zentralschweiz

Auch in der Zentralschweiz sind Teslas beliebt. Aktuell sind in unserer Region rund 340 Teslas eingelöst. Peter Wespi, Vorsteher des Verkehrsamtes des Kantons Schwyz, sagt: «Bei uns werden vor allem leistungsstarke Modelle eingelöst, und zwar auffallend oft von Personen aus finanzstarken Bezirken wie Höfe oder March.» Wie Wespi berichtet, fahren vor allem Männer einen Tesla. Beim Alter hingegen herrscht ein buntes Durcheinander vom 27- bis zum 83-Jährigen. Im September 2013 wurde im Kanton Schwyz der erste Tesla eingelöst, mittlerweile sind es 88. Auch in Luzern hat der Boom erst vor zwei, drei Jahren eingesetzt, wie der Leiter des Strassenverkehrsamts Luzern, Peter Kiser, sagt. Aktuell verkehren in Luzern 92 Teslas. In Nidwalden sind es 30, in Obwalden 12. Einen Tesla mit Urner Kennzeichen sucht man vergebens. Die meisten Teslas in unserer Region fahren in Zug herum, aktuell sind es 120. Im Kanton Zug, genauer im Chamer Lorzenpark, wurde letztes Jahr der erste Zentralschweizer Tesla-Laden mit Servicecenter eröffnet. Karosserieschäden werden hier aber nicht behoben. Eine eigene Werkstatt zu betreiben, lohnt sich für Tesla noch nicht. Deshalb arbeitet der Hersteller in der Schweiz mit Amag zusammen.

Zuger Technik

Obwohl Tesla ein klassisches amerikanisches Technologieunternehmen ist, steckt auch Zentralschweizer Technik im Elektroauto. Der Baarer Baustoffhersteller Sika liefert Klebstoffe für das Multimaterialdesign sowie Dämmstoffe und sogenannte Strukturverstärkung. Auch der Zuger Befestigungsspezialist Bossard beliefert Tesla. Vor zwei Jahren besiegelten die beiden Firmen einen Dreijahresvertrag über ein Gesamtvolumen von gegen 120 Millionen Dollar. Bossard liefert unter anderem Nieten, Schrauben und Muttern.

HINWEIS

Einen Überblick über Schweizer Elektrolade­stationen findet man unter www.e-mobile.ch

CKW verkaufen «Powerwalls» in der Schweiz

mim. Fotovoltaikanlagen produzieren zwar erneuerbaren Strom, doch sie haben einen Makel: Die Solarzellen liefern nachts und an trüben Tagen keine Energie. Es braucht also einen zusätzlichen Speicher, der tagsüber mit Strom gefüllt wird und diesen am Abend zur Verfügung stellt. Tesla hat deshalb letztes Jahr den Speicher «Powerwall» lanciert. Das 100 Kilogramm schwere Gerät in der Grösse eines Bankomaten wird an der Wand befestigt und liefert eine Speicherkapazität von 6,4 Kilowattstunden – wohlgemerkt nicht nur für Tesla.

Privathaushalte konnten ihren überschüssigen Solarstrom bislang ins Netz einspeisen, doch dafür gibt es angesichts tiefer Strompreise immer weniger Geld. Deshalb lohnt sich eine solche Batterie unter Umständen: Der Strom wird gespeichert und kann abgerufen werden, sobald er gebraucht wird.

Verfügbar ab Mitte Jahr

Stromkonzerne wollen bei diesem potenziell zukunftsträchtigen Modell mitmischen. So überrascht es nicht, dass die CKW die «Powerwalls» von Tesla in der Schweiz vertreiben wollen, wie CKW-Sprecher Marcel Schmid bestätigt: «Wir sind einer der ersten offiziellen Schweizer Vertriebspartner der Tesla-‹Powerwall›.» Letzte Woche hatte bereits die Bauerngenossenschaft Fenaco in der «Handelszeitung» angekündigt, die «Powerwalls» von Tesla in der Schweiz verkaufen zu wollen.

Noch gibt es aber eine technische Hürde zu überwinden: Damit der Speicher in der Schweiz die Netzanforderungen erfüllt, muss er «dreiphasig» betrieben werden können. Die entsprechende Kommunikationsschnittstelle ist derzeit aber noch nicht verfügbar. Deshalb ist noch nicht klar, ab wann die «Powerwalls» von den CKW verkauft werden können. Der Energiekonzern rechnet aktuell mit einem Auslieferungsdatum in der zweiten Jahreshälfte 2016.

Und was kostet es? «Wir können den Preis für das komplette Paket mit Tesla-‹Powerwall›, Wechselrichter, Kleinmaterial, Energiemanagementsystem und Installation noch nicht abschliessend festlegen», sagt CKW-Sprecher Schmid. Man strebe aber einen Preis unter 10'000 Franken an.

Premiere an der Luga

An der Frühlingsmesse Luga werden CKW den Tesla-Batteriespeicher erstmals öffentlich zeigen. «Obwohl wir bisher noch nichts kommuniziert haben, gibt es bereits knapp ein Dutzend Interessenten», so Schmid.