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Stunde der Wahrheit für Deutschlands Autobauer: Wie VW seine Elektro-Strategie umsetzen will

Der Hersteller des erfolgreichsten Elektroautos im deutschen Markt heisst Renault. Doch nun setzen die Deutschen zur Aufholjagd an – wie das Beispiel VW zeigt. Dort plant man ein günstiges Modell für den Massenmarkt.
Daniel Zulauf
Teil der Elektro-Strategie von Volkswagen: der Bus I. D. Buzz, hier noch als Konzeptauto. (Bild: PD)

Teil der Elektro-Strategie von Volkswagen: der Bus I. D. Buzz, hier noch als Konzeptauto. (Bild: PD)

Noch steht der Renault Zoe an der Spitze der meistverkauften Elektroautos in Deutschland. Die innovativen Franzosen haben sich früher und weiter als die gesamte Konkurrenz ins Zeitalter der E-Mobilität hinauskatapultiert. Doch im Autoland Deutschland macht man die Rechnung besser mit dem Wirt selber. Die aktuellen Statistiken zeigen: Die Platzhirsche holen auf. Der VW Golf, Deutschlands beliebtestes Auto aller Zeiten, gibt es seit bald vier Jahren auch mit einem elektrischen Antrieb. Und der VW E-Golf hat sich in der Hitliste der meistverkauften E-Fahrzeuge still und leise auf den zweiten Platz emporgearbeitet. Und so soll es nach dem Willen von Industrie und Politik auch weitergehen.

Für Deutschland steht viel auf dem Spiel: Rund 800'000 Menschen finden in der Autoindustrie unseres Nachbarlandes ihr Auskommen. Diese erfolgreiche Exportmaschine ist auch ein wichtiger Wohlstandsbringer für das Land. Daraus ergibt sich fast wie von selber das Ziel einer ganzen Nation: Deutschland will bis 2020 Leitanbieter und mit einer Million Elektrofahrzeugen auch Leitmarkt für die Elektromobilität werden.

Ausgerechnet im Heimmarkt hapert es

Die 2010 gegründete Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) vereinigt die Interessen aller wichtigen Anspruchsgruppen im Land: die Industrie, die Gewerkschaften, die Politik und nicht zuletzt auch die Konsumenten und andere Vertreter der Zivilgesellschaft. Die angestrebte Weltmarktführerschaft Deutschlands in der E-Mobilität versteht sich aber nicht als Selbstzweck. «Das derzeitige Niveau der Beschäftigung entlang der gesamten Wertschöpfungskette soll gesichert und ausgebaut werden», lautet die Vorgabe der NPE.

Nach dem im September veröffentlichten NPE-Fortschrittsbericht befindet sich das Land auf Zielkurs. In den grössten PKW-Märkten der Welt erreichten die deutschen Hersteller mit ihrer E-Flotte schon 2017 gleich hohe oder noch höhere Marktanteile wie mit Benzin- und Dieselfahrzeugen. Zu den wenigen Ausnahmen zählt neben dem Spezialfall China – wo die Regierung den einheimischen Herstellern einen Vorsprung verschafft – aber ausgerechnet Deutschland selber. Zwar sollen auf Deutschlands Strassen bis 2022 rund eine Million E-Fahrzeuge verkehren. Doch damit kämen die leisen Flitzer am nationalen PKW-Markt erst auf einen Anteil von einigen wenigen Prozenten. In der restlichen Welt traut man den E-Fahrzeugen bis 2025 aber einen Markanteil von bis zu einem Viertel zu.

Der Entwicklungsrückstand im Heimmarkt zeigt: Die Deutsche Autoindustrie hat zu lange auf die Verbrennungstechnologie gesetzt. Doch nun nimmt sie den grossen Umbau kraftvoll in Angriff.

Passat-Produktion nach Tschechien auslagern

Am kommenden Freitag will VW über die konkrete Investitionsplanung für die nächsten Jahre informieren. Schon vor Jahresfrist nannte der grösste Autobauer Deutschlands die Summe von 34 Milliarden Euro, die er bis 2022 in die Ausweitung seiner E-Flotte investieren will. Jetzt geht es um die Umstellungen in den Produktionswerken. In Zwickau, im Bundesland Sachsen, soll 2019 das erste «reinrassige» Fabrikationswerk für E-Fahrzeuge entstehen. Die Verbrenner, die dort zurzeit noch vom Band laufen, sollen in Wolfsburg weiter produziert werden. Schliesslich gilt es, die mehrjährige Übergangsphase zur E-Mobilität möglichst ohne Einnahmenverluste zu überstehen.

Schon vor über 40 Jahren gab es die ersten VW-Elektromodelle. Der Elektro-Golf oder E-Golf I von 1976 floppte allerdings. Bild: PD

Schon vor über 40 Jahren gab es die ersten VW-Elektromodelle. Der Elektro-Golf oder E-Golf I von 1976 floppte allerdings. Bild: PD

Auch das Produktionswerk im ostfriesischen Emden soll nach den Plänen von VW-Chef Herbert Diess schnell auf die Herstellung von E-Fahrzeugen umgepolt werden. Der VW-Passat, den die Fabrik dort bisher produziert, soll nach Tschechien ausgelagert werden. In Emden will VW stattdessen ein günstiges E-Modell mit einem Verkaufspreis von 18'000 Euro fertigen und mit einer Jahresproduktion von 200'000 Stück den Massenmarkt aufrollen. Auch in Hannover, wo der Konzern Nutzfahrzeuge wie den geschichtsträchtigen VW Bulli produziert, sollen demnächst in grosser Zahl E-Busse wie der I.D. Buzz vom Band rollen. Bis 2020 will VW 150'000 E-Fahrzeuge auf die Strasse bringen. Danach soll es steil aufwärts gehen.

Starke Gewerkschaften als mögliches Hindernis

Die Umstellung ist ein finanzieller Kraftakt – umso mehr, als VW im Zug des Diesel-Skandals kumulierte finanzielle Lasten von bislang 28 Milliarden Euro tragen muss. Und bei VW hat das Wort der Gewerkschaften traditionell ein weit höheres Gewicht als in anderen Unternehmen. Das ist bei der Umstellung auf die E-Mobilität ein potenzielles Hindernis, denn für den Bau von E-Fahrzeugen ist weniger Personal erforderlich als in der Herstellung der vielteiligen Fahrzeuge mit Verbrennungsantrieben. Das VW-Management hat den Angestellten bereits Beschäftigungsgarantien für die Übergangsjahre von bis zu zehn Jahren zugesichert. Die deutsche Autoindustrie ist offenbar siegesgewiss.

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