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ELEKTRONIK: Gesucht wird die «faire Etikette»

Die Energieetikette gibt Auskunft über den Stromverbrauch. Doch das System ist umstritten. Nun soll es reformiert werden.
Maurizio Minetti
Die Energieetikette soll den Konsumenten genau informieren. Dabei herrscht vielerorts Verwirrung. (Bild Stefan Kaiser)

Die Energieetikette soll den Konsumenten genau informieren. Dabei herrscht vielerorts Verwirrung. (Bild Stefan Kaiser)

Maurizio Minetti

Samstagmorgen im Elektronikshop: Kurz vor dem Badibesuch noch schnell eine Kaffeemaschine kaufen, denn die alte hat noch vor dem Frühstück den Geist aufgegeben. Strom sparend sollte sie sein, doch muss es unbedingt die dunkelgrüne Kategorie A sein? Oder reicht auch die hellgrüne Kategorie B? Der Student mit tiefem Budget schaut sich vielleicht gar nach einer Maschine um, deren Energieeffizienz in den roten Bereich zeigt – dafür kostet sie nur halb so viel.

Bussen tun nicht weh

Auf den meisten Elektrogeräten prangt eine Energieetikette. Sie gibt Auskunft darüber, wie viel Strom das jeweilige Gerät verbraucht. Die Idee der Energieetikette stammt aus der EU, die Schweiz hat sie 2002 übernommen und laufend adaptiert. In den letzten Jahren wurde aber immer wieder Kritik am Etikettensystem laut. Nicht selten kommt es vor, dass Hersteller B- oder C-Geräte nicht korrekt deklarieren. Die Kontrollen und die Konsequenzen seien zu lasch, tönt es von Seiten der Konsumentenschützer.

Tatsache ist, dass dem Importeur oder dem Hersteller eines Geräts eine Busse von bis zu 40 000 Franken droht, wenn nachgewiesen werden kann, dass er Konsumenten absichtlich und wiederholt getäuscht hat. In der Praxis werden aber nur Bussen in der Grössenordnung von rund 2000 Franken ausgesprochen. Konzerne wie Siemens, Philips oder Miele zahlen solche Beträge aus der Portokasse.

Grosser Anteil mit Mängeln

Das Bundesamt für Energie (BFE) ist für die Kontrolle der Angaben auf der Etikette verantwortlich. Der jüngste Jahresbericht dazu zeigt unter anderem, dass bei mehr als der Hälfte aller geprüften Haushaltsgrossgeräte (Waschmaschinen, Tumbler etc.) die Angaben nicht korrekt waren. Insgesamt wurden letztes Jahr anhand von Stichproben 430 Geräte untersucht, davon wurden 145 genauer analysiert.

2015 waren mehr als die Hälfte der untersuchten Geräte in Ordnung. Das heisst, dass unabhängige Labors bestätigten, dass die Angaben auf den Etiketten dem tatsächlichen Stromverbrauch entsprachen. 29 Prozent waren nur knapp genügend und 18 Prozent mangelhaft. Diesen Herstellern droht eine Busse. Damit steigt der Anteil der mangelhaften Angaben zum zweiten Mal in Folge (siehe Grafik).

Ausgewertete Testunterlagen von Elektronikherstellern: Anteil der mangelhaften Angaben in Prozent. (Bild: Bundesamt für Energie (BFE) / Grafik: mlu)

Ausgewertete Testunterlagen von Elektronikherstellern: Anteil der mangelhaften Angaben in Prozent. (Bild: Bundesamt für Energie (BFE) / Grafik: mlu)

Mihaela Grigorie, Fachspezialistin Geräte beim BFE, hat eine Erklärung dafür, dass der Anteil der mangelhaften Geräte in den letzten Jahren gestiegen ist. «Wir kontrollieren nicht flächendeckend, sondern stichprobenartig dort, wo Fehler vermutet werden», sagt sie. So hatte man 2015 insbesondere Weinkühlschränke im Fokus: Gewisse Hersteller müssen hierzulande Effizienzvorschriften einhalten, in der EU aber nicht. Während Hersteller in Deutschland bei Weinkühlschränken deklarieren können, dass sie gewerblich genutzt werden und damit keine Vorgaben erfüllen müssen, geht das in der Schweiz nicht. «Es ist oft so, dass wir in der Schweiz strengere Vorschriften haben als sonst in Europa», sagt Mihaela Grigorie.

Konsequenz: Mehr Kontrollen

Während also europaweit tätige Hersteller immer wieder mit schärferen Schweizer Vorschriften zu kämpfen haben, wird in der Schweiz die hohe Zahl der mangelhaften Deklarationen kritisiert. In diesem Dilemma hat sich das BFE für mehr Kontrollen entschieden. «Wir werden künftig etwa Werbeprospekte sowie Onlineshops verstärkt unter die Lupe nehmen», sagt Grigorie. Das sei auch nötig, weil immer mehr Geräte unter die Etikettenpflicht fallen. Neu sind zum Beispiel auch Boiler oder Lüftungsgeräte hinzugekommen.

Laut dem Eidgenössischen Starkstrominspektorat (Esti), das im Auftrag des BFE die Kontrollen durchführt, werden dieses Jahr wohl mehr als 600 Geräte stichprobenartig erfasst und deren Etiketten kontrolliert. Davon werden bei 160 die technischen Unterlagen geprüft, und aus diesen dürften heuer wohl an die hundert Geräte in einem externen Labor geprüft werden. Tatsächlich im Labor getestet werden jeweils nur wenige Dutzend Geräte. Letztes Jahr waren es 57, ein Jahr zuvor aber nur 26.

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, begrüsst die Bemühungen um mehr Kontrolle. Für Konsumenten sei es aber nach wie vor verwirrend, wenn für Waschmaschinen, Kühl- und Gefriergeräte oder Geschirrspüler die Klassierungen A+++ bis D existieren, für Dunstabzugshauben, Fernseher und Kaffeemaschinen jedoch die Unterscheidung von A bis G gemacht wird. «Hier muss endlich Klarheit geschaffen werden», fordert Stalder. Eine Vereinfachung der Abstufungen, wie sie etwa die Betreiber der Website Topten.ch fordert (siehe Box), sei sinnvoll.

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