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ELEKTROSCHROTT: Weltmeisterlich im Recycling

Laut einer neuen Studie hat Europa Nachholbedarf bei der Entsorgung von Elektroschrott. Die Schweiz ist allerdings vorbildlich.
Maurizio Minetti
Bild: Grafik Neue LZ

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Maurizio Minetti

Bruno Frey ärgert sich. «Was in den letzten Tagen in den Medien war, entspricht nicht der Realität in der Schweiz», sagt der Geschäftsführer und Inhaber der Josef Frey AG in Sursee. Frey bezieht sich auf eine aktuelle Studie der Umweltschutz-Organisation CWIT, die vergangene Woche veröffentlicht und von vielen internationalen und nationalen Medien aufgegriffen wurde. Demnach werden in der EU zwei Drittel des Elektroschrotts falsch recycelt, weggeworfen oder ins Ausland gebracht – und der illegale Handel blüht.

Die unsachgemässe Entsorgung von Elektroschrott belastet die Umwelt mit austretenden Chemikalien wie etwa Quecksilber oder Blei. Ausserdem beziffert die Studie den volkswirtschaftlichen Schaden durch den illegalen Handel auf zwischen 800 Millionen und 1,7 Milliarden Euro. Das Gewicht des illegal verschobenen Schrotts entspreche dem einer Backsteinmauer von Oslo bis Süditalien, so die Studie.

Hohe Rücklaufquote in der Schweiz

Wenn Computer oder Kühlschränke in der Schweiz ausgemustert werden, landen sie hingegen in den allermeisten Fällen bei einer offiziellen Annahmestelle wie jener von Bruno Frey in Sursee. Die Rücklaufquote beim Computerschrott beträgt hierzulande rund 95 Prozent, sagt Anna Keller, Leiterin Kommunikation beim IT-Branchenverband Swico. Die Schweiz sei damit «weltmeisterlich» im Recycling von Elektroschrott.

Die institutionalisierte Rücknahme von Elektroschrott wurde in der Schweiz schon Anfang der 90er-Jahre als Branchenlösung ins Leben gerufen, noch bevor 1998 die Rücknahme- und Recyclingpflicht gesetzlich verankert wurde. Mit Swico Recycling betreibt der Verband ein nationales Rücknahmesystem für ausrangierte Elektro- und Elektronikgeräte aus den Bereichen Informatik, Unterhaltungselektronik, Büro, Kommunikation, grafische Industrie sowie Mess- und Medizinaltechnik. Bei Kühlschränken beträgt die Quote sogar fast 100 Prozent, sagt Andreas Röthlisberger, Stiftungsratspräsident bei Sens E-Recycling. Sens kümmert sich unter anderem um die Entsorgung von Kühlschränken, Elektro-Spielwaren oder Haushaltsgeräten.

Schweizer Modell als Vorbild

Insgesamt sind in der Schweiz letztes Jahr 126 600 Tonnen Elektroschrott fachgerecht entsorgt werden (siehe Grafik). Der Elektroschrott-Berg ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen, wobei die Rücklaufquote konstant hoch bleibt. Das Gesamtgewicht ging zuletzt zurück, weil vermehrt leichtere Elektronik zurückgebracht wird wie Flachbildschirme. Früher fielen die grossen Röhrenmonitoren stärker ins Gewicht.

Andreas Röthlisberger, der im internationalen Recycling-Geschäft vernetzt ist, spricht von einem «extrem hohen Rücklauf» der Schweiz im Vergleich zu den europäischen Ländern. Nur Norwegen und Schweden seien auf einem ähnlich guten Niveau. Ansonsten dominiere in Europa ein Rücknahmesystem, das von den Elektronik-Herstellern betrieben werde, während in der Schweiz alle Marktakteure einbezogen würden. «Die Hersteller kooperieren nicht oder schlecht mit dem Schrotthandel», sagt der Experte. Speziell gravierend sei die Situation dort, wo ausgemusterte Elektrogeräte nicht zu den Händlern zurückgebracht werden können. So kennen weder Deutschland noch Spanien eine solche Rücknahmepflicht. In Deutschland gibt es denn auch kaum private Sammelstellen. Die Aufgabe übernehmen die Kommunen, die ihren Elektroschrott dem Meistbietenden verkaufen. Dass dabei kaum kontrolliert werden kann, wohin die Ware gelangt, versteht sich von selbst.

Das Schweizer Elektroschrott-Entsorgungssystem stosse im Ausland deshalb immer wieder auf Interesse, sagen Keller und Röthlisberger übereinstimmend.

Gebühr machts möglich

Basis des Schweizer Erfolgsgeheimnisses ist die sogenannte vorgezogene Recyclinggebühr. Diese kleine Gebühr ist im Kaufpreis von elektronischen Geräten inbegriffen. Das so eingenommene Geld kommt in einen Fonds. Aus diesem Topf werden das Sammeln, der Transport sowie die fachgerechte Demontage und Entsorgung der Schadstoffe finanziert. Wer in der Schweiz ein kaputtes Elektrogerät entsorgen möchte, kann es kostenlos in jedes Elektronik-Geschäft bringen – auch wenn das Gerät nicht dort gekauft wurde.

Für den Endkonsumenten in der Schweiz macht es also keinen Sinn, den alten Mixer am Strassenrand zu entsorgen. Und für illegale Händler gebe es in der Schweiz auch keinen Spielraum, ist sich Bruno Frey von der Surseer Sammelstelle sicher. «Hier verschwindet überhaupt nichts, wir kontrollieren den Fluss der Abfallstoffe genau und werden auch vom Kanton überwacht», sagt Frey. Wird beispielsweise ein Computer bei der Josef Frey AG in Sursee oder Hochdorf entsorgt, kommt er zu seinesgleichen in eine Palette, wo er zunächst in einer videoüberwachten Halle auf seine Weiterreise wartet. Ist die Palette voll, gelangt sie zu einem lizenzierten Verarbeiter wie zum Beispiel Ruag Environment AG in Altdorf.

Schadstoffe werden demontiert

Das Recycling-Unternehmen kümmert sich danach um die sogenannte Schadstoff-Entfrachtung. Dabei werden zum Beispiel Batterien, quecksilberhaltige Leuchtstoffröhren und Schalter von Hand demontiert und «einer umweltschonenden Verwertung oder Vernichtung zugeführt». Am Ende des Prozesses gelangen gewisse Schadstoffe in Verbrennungsanlagen, die gemäss Sens-Präsident Andreas Röthlisberger in der Schweiz, in Europa, aber auch in Fernost stehen können. Elektronik werde meistens in Asien hergestellt, da mache es Sinn, dass die Materialien dort hingelangten, wo sie wieder in den Produktionsprozess integriert werden können. «Für uns ist es wichtig, dass die Schadstoff-Entfrachtung in der Schweiz passiert, das ist das A und O», sagt Röthlisberger.

Handy-Quote zu tief

mim. Obwohl sich Recycling-Experten einig sind, dass die Schweiz im internationalen Vergleich gut dasteht, gibt es dennoch Verbesserungspotenzial. Anna Keller von Swico sagt, dass bei Handys die Rücklaufquote tiefe 20 Prozent beträgt. Sie erklärt dies einerseits mit Emotionalität: Zu einem Handy bestehe oft ein emotionaler Bezug. Der tägliche Begleiter enthält vielleicht noch Bilder oder alte SMS. «Sich davon endgültig zu trennen, fällt dadurch schwerer.»

Ausserdem werde ein neues Handy oder Smartphone nicht gekauft, weil das alte defekt ist, sondern einfach, weil man ein neues Modell möchte. «Für den Fall der Fälle behält man das alte als Ersatz. Mit der Zeit werden es immer mehr, auch weil ein Handy so gut wie keinen Platz beansprucht», sagt Keller.

Keller rät, funktionierende Geräte am besten so lange wie möglich zu verwenden. Wenn «nichts mehr geht», sollen sie dann aber unbedingt zurück in den Recycling-Kreislauf.

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