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EMMEN: Ein Stück Heimat geht verloren

Sinkende Abozahlen und tiefere Werbeeinnahmen haben zum Ende der Lokal­zeitung «Die Heimat» geführt. Daraus lässt sich aber keine Krise von kleineren Regionaltiteln herauslesen.
Dei Werbeeinnahmen sanken: «Die Heimat» gibts nicht mehr. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Dei Werbeeinnahmen sanken: «Die Heimat» gibts nicht mehr. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Roman Schenkel

Vor zwei Wochen ging eine 94-jährige Zeitungstradition zu Ende; «Die Heimat», regionale Wochenzeitung, die über ein Gebiet von Emmen bis nach Schachen berichtete, erscheint nicht mehr. Die Ausgabe vom 17. September war die letzte. Die Mitarbeitenden – 5 feste und 10 freie Angestellte – verlieren ihre Stelle (wir berichteten). Finanzielle Probleme, ausgelöst durch sinkende Abozahlen und tiefere Werbeeinnahmen haben laut Besitzer Jürg Brand zu diesem Ende mit Schrecken geführt. Hinzu kam die Dominanz des Internets als das zentrale Informations- und Werbemedium, sagt Brand. «Diese Entwicklung kann eine kleine Wochenzeitung wie ‹Die Heimat› nicht auffangen», sagt er.

Probleme hatte «die Heimat» auch mit dem Profil der eigenen Leserschaft. «Unsere Leserschaft zeigte ein deutliches Bild von Überalterung», sagte Brand. Der «Heimat» fehlten die jungen Leserinnen und Leser. Die Auflage sank von Jahr zu Jahr. 2014 lag sie noch bei knapp 2900 Exemplaren. Zu wenig. Schon bald steht für die «Heimat» das Insolvenzverfahren an. Dabei werde klar, ob die Abonnementen, die aus der Zeitung vom Ende erfahren mussten, bereits bezahltes Geld zurückbekommen oder nicht, so Brand. Vom Konkurs der heimat.ch AG ist der Verlag «heimat.ch verlag gmbh» nicht betroffen. Konkrete Pläne hat Brand mit dem Verlag nicht.

Viele Lokalzeitungen erfolgreich

Die Nähe zur Stadt Luzern sei wohl eine zu grosse Hypothek für «die Heimat» gewesen, mutmasst Publizist Karl Lüönd. «In der Nähe einer Hauptstadtzeitung lebt es sich gefährlich», sagt Lüönd, der selber in Zürich mehrere Quartierzeitungen geleitet hat. «Wenn die Verbreitung nicht hoch genug ist, wird es unmöglich, die Fixkosten zu decken», so Lüönd. Denn bei der Herstellung von Medienprodukten entsteht ein uberwiegender Teil der Kosten unabhangig von der verkaufbaren Menge.

Dass es der regionalen Wochenpresse schlecht geht, lässt sich aus dem Ende der Emmer Wochenzeitung nicht schliessen. Nach wie vor behaupten sich zahlreiche Regional- und Lokalzeitungen erfolgreich in ihren Märkten. «Sie profitieren nicht zuletzt von ‹weichen Faktoren›, etwa von der Tatsache, dass sie als Teil der öffentlichen Infrastruktur und als Standortfaktor gesehen und entsprechend geschätzt werden», sagt Lüönd. Und so gibt es in der Zentralschweiz zahlreiche Wochenzeitungen, die sich in einem widrigen Umfeld wacker schlagen. Insbesondere im ländlichen Raum füllen Lokalzeitungen eine Nische, die grosse Zeitungen oft nicht abdecken können.

Ein gutes Beispiel ist die «Surseer Woche», an der auch die LZ Medien, Herausgeberin dieser Zeitung, mit einer Minderheit beteiligt ist. Die Lokalzeitung wurde 1992 gegründet. Nach harzigen ersten Jahren schreibt das Wochenblatt inzwischen längst schwarze Zahlen – 2014 schaute ein Gewinn von 41 000 Franken heraus. Zusammen mit der «Trienger Woche» und der «Sempacher Woche» kommt die «Surseer Woche» auf 8500 Abos und 28 000 Leser.

Nah dran am Geschehen

Als eine «sorgfältig und engagiert gemachte Lokalzeitung» wurde die «Surseer Woche» unlängst in einem Artikel der Branchenzeitschrift «Der Schweizer Journalist» gelobt. «Wir sind sehr nah am Geschehen, versuchen immer wieder etwas Neues und haben jede Woche das Ziel, eine Qualitätszeitung zu machen», sagt Chefredaktorin Andrea Willimann. Neben gut geschriebenen regionalen Geschichten ist in der «Surseer Woche» die Präsenz des lokalen Gewerbes unübersehbar. Sei es durch Inserate oder Publireportagen – die von Redaktoren geschrieben, aber klar vom redaktionellen Teil getrennt sind. «Der Grundsatz unserer Zeitung ist: Wir nehmen Werbetexte an, wir bringen sie aber nie unredigiert. Wir drucken nicht einfach ab, was uns zugeschickt wird», erklärt Willimann. Werbetext gegen Inserat – ohne dieses Gegengeschäft wäre die Lokalzeitung nicht überlebensfähig. Die Nähe stellt für die Chefredaktorin aus journalistischer Sicht kein Problem dar. «In der ‹Surseer Woche› liest man vielleicht keine scharfen Kommentare oder zugespitzte Geschichten. Wir sind aber durchaus kritisch, auch gegenüber den Behörden», betont sie. Der Ton sei einfach etwas konzilianter.

Spezieller Fokus aufs lokale Gewerbe

Nah bei den Leuten ist auch der «Freie Schweizer», die Lokalzeitung für den Bezirk Küssnacht und Umgebung. «Die Verankerung ist unser grosser Trumpf», sagt Pascal Kaiser, Geschäftsleiter der Kreienbühl Druck AG, die den «Freien Schweizer» herausgibt. «Unsere Redaktorinnen und Redaktoren kennen die Leute und wissen, was hier passiert. Sie begleiten regionale Geschichten sehr eng», erzählt Kaiser. So könne der «Freie Schweizer» die Geschichten und Informationen bringen, die für die Region relevant sind. «Natürlich haben wir dabei auch einen speziellen Fokus auf die lokalen Unternehmen», betont er. Speziell sei die Identifikation der Bevölkerung mit der Zeitung, sagt Kaiser. Der «Freie Schweizer» hat daher seit Jahren stabile Abonnentenzahlen und eine gemischte Leserschaft. «Die Jungen wachsen mit unserem Produkt auf», sagt Kaiser. Das sei ein grosser Vorteil. Gerade für die jungen Leser probiere man immer wieder etwas Neues. Aktuell druckt der Freie Schweizer einen Comic für die junge Leserschaft.

Weniger Volumen, mehr Kunden

Generell seien Regional- und Lokaltitel robuster als die grossen Tageszeitungen, sagt Karl Lüönd. «Die Abonnenteneinnahmen machen bei den kleineren Titeln einen grösseren Anteil an den gesamten Einnahmen aus», erklärt er. Deshalb seien sie stabiler. Hinzu kommt, dass das Anzeigenvolumen zwar viel kleiner sei, dafür aber auf deutlich mehr Kunden verteilt. «Bei den Regionalzeitungen ist das gesamte lokale gewerbliche Umfeld abgebildet», so Lüönd. Bei den grossen Titeln hingegen sind es nur rund 20 grosse Inseratekunden wie beispielsweise Detailhändler, Banken, Möbelhäuser, Heimelektronikunternehmen. «Diese drücken die Konditionen», sagt Lüönd. Die Krise im Anzeige- und Werbemarkt treffe deshalb die grossen, dominanten Zeitungstitel stärker. Sie müssen sich deshalb viel stärker wandeln und zusätzliche Erträge im Online oder in anderen Branchen generieren. Daneben bietet sich für die Kleinen die Chance, sofern sie ihre Kosten im Griff haben, die Farbtupfer in der Medienlandschaft zu bleiben.

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