EMMEN: Ruag will in den USA zulegen

Die Ruag konnte 2014 ihren Umsatz zwar verbessern. Trotzdem will der Industriekonzern profitabler werden. Darum wird die Firma weiter umstrukturiert.

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Ein Blick in die Ruag-Produktionshalle in Emmen. Hier werden unter anderem Flugzeugteile für Airbus hergestellt. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Ein Blick in die Ruag-Produktionshalle in Emmen. Hier werden unter anderem Flugzeugteile für Airbus hergestellt. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Bernard Marks

Noch vor 15 Jahren war die Ruag ein reiner Staatsbetrieb. Rund 90 Prozent aller Aufträge erteilte das Eidgenössische Departement für Verteidigung (VBS). Damals lag der Umsatz der Ruag noch bei 962 Millionen Franken. Seit sich die Rüstungspolitik des Bundes aber an Kriterien der Sparsamkeit, der Wirtschaftlichkeit und der Ökologie orientiert, hat sich die Rolle der Ruag sukzessive verändert. «Die Ruag befindet sich im Prozess der Abnabelung», schrieb die «Neue Zürcher Zeitung» im Jahr 2003. Und dieser ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

Über 100 Millionen Gewinn

Der Bund ist zwar immer noch Eigner des Technologiekonzerns, doch der Umsatzanteil des VBS ist zuletzt auf nur noch 30 Prozent gesunken (siehe Grafik). Im Jahr davor waren es noch 32 Prozent. Der Gesamtumsatz der Ruag kletterte hingegen auf 1,78 Milliarden Franken im Jahr 2014. Auch knackte die Ruag mit einem Plus von 8 Prozent zum Vorjahr erstmals die Gewinngrenze von 100 Millionen. «Das ist eine dynamische Entwicklung», konstatierte Ruag-CEO Urs Breitmeier gestern.

Alle fünf Divisionen Raumfahrt, Flugzeugunterhalt, Munition, Flugzeugstrukturbau und Verteidigung hätten profi­tabel gearbeitet und zum positiven Konzernergebnis beigetragen, erläuterte zudem Ruag-Finanzchef Urs Kiener. Einzig im Munitionsbereich kam es zu einem Rückgang um 15 Millionen Franken. Schuld waren unter anderem die Sanktionen gegen Russland. Demnach durfte die Ruag neben Trainingssystemen keine Jagdbüchsenpatronen an russische Jäger liefern.

Die Ruag befindet sich nun an einem Scheideweg. Die zivilen Aufträge nahmen 2014 weiter an Bedeutung zu. Das zivile Geschäft der Ruag erreichte neu 57 Prozent des gesamten Konzernumsatzes. «Wer das zivile Geschäft heute nicht beherrscht, wird auch im militärischen Geschäft keinen Erfolg haben», sagte dazu Breitmeier.

Wachstum im Ausland

Auch der Anteil des Auslandumsatzes stieg auf 63 Prozent. Primäre Wachstumsregion war Europa (805 Millionen Franken) mit Aufträgen im Unterhalt von Geschäftsflugzeugen, im Flugzeugstrukturbau für Airbus sowie Verkäufen von Simulationssystemen. In Nordamerika (196 Millionen Franken) waren das Raumfahrtgeschäft, Aufträge für den Flugzeugbauer Bombardier und der wachsende Sportschützenmarkt Umsatztreiber. In Südamerika wuchs der Umsatz durch Lieferungen von Dornier-Passagierflugzeugen an Venezuela.

Insgesamt stieg der Umsatzanteil in den Märkten ausserhalb Europas um 1 Prozentpunkt auf 18 Prozent. Bis 2018 soll der Anteil auf 25 Prozent steigen. Besonderes Wachstumspotenzial sehen die Ruag-Verantwortlichen in den USA und im asiatisch-pazifischen Raum.

«Unser Ziel ist es, unsere Marktposition in Zukunft weiter zu festigen und die Ebit-Marge zu verbessern», sagte Breitmeier gestern. Das werde eine Herausforderung. Die Ruag ist künftig für die gesamte Lieferkette von zwei Rumpfsektionen des Airbus A320 zuständig. Der Wert dieses neuen Auftrags beläuft sich für Ruag auf rund 350 Millionen Dollar. Aber vor allem im Inland spürt die Ruag die Altlasten aus früheren Jahren. Die Werke des Konzerns müssten noch profitabler werden, sagte Urs Breitmeier. Denn nicht nur muss sich die Ruag in ihrer Effizienz mit der ausländischen Konkurrenz messen. Auch die Armee erwarte, dass die Ruag günstiger werde.

«Wir müssen weiter daran arbeiten, uns besser zu positionieren», sagt auch der Präsident des Ruag-Verwaltungsrates, Hans-Peter Schwald. Ein Unternehmen, das sich nicht am Markt orientiere, werde nicht überleben. Laut Schwald erwarte der Ruag-Eigner, der Bund, in Zukunft eine signifikant höhere Dividende. Diese lag für das Jahr 2014 bei rund 21 Millionen Franken. Auch die Ebit-Marge, die derzeit bei 6,5 Prozent liegt, solle auf bis zu 8 Prozent erhöht werden. «Das erzeugt natürlich einen gewissen Druck auf die Konzernleitung», sagt Schwald.

In diesem Zusammenhang sind auch die Ankündigungen der Ruag zu verstehen, Standorte in Zukunft zu schliessen oder zusammenzulegen. Die ehemalige Bundesrüstungsschmiede Ruag hatte im Januar bekannt gegeben, ihre drei Standorte in Brunnen, Hombrechtikon ZH und Mägenwil AG aufzugeben. Davon seien 160 Arbeitsplätze der Rüstungssparte betroffen, allein in Brunnen rund 110. «Wir verlagern die Arbeitsplätze, und das machen wir umsichtig und nicht ohne zu überlegen, was lokal wichtig ist», sagt Schwald. «Dass dies in der betroffenen Region nicht auf grosse Freude stösst, können wir verstehen», sagte Schwald weiter.

Zusammenlegungen möglich

«Der Standort in Emmen wird hingegen in den nächsten Jahren tendenziell gestärkt», sagt der CEO Urs Breitmeier. Rund 30 Arbeitsplätze im Bereich Kalibration und Unterhalt von Funkstationen werden von Brunnen nach Emmen verlagert. Zudem investiert die Ruag in den Ausbau und die Modernisierung des Produktionsstandortes in Emmen. Hier bewirtschaftete die Ruag ein Gelände von rund 30 000 Quadratmetern. «29 Standorte in der Schweiz sind immer noch sehr viel», sagte Breitmeier. «Da werden wir wahrscheinlich an dem einen oder anderen Ort noch Standorte zusammenlegen», sagt Breitmeier.