EMMENBRÜCKE: Aus für die Accu-Holding-Aktien

Die skandalträchtige Luzerner Industriegruppe steht vor dem Aus. Die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Ex-Chef. Und die Schweizer Börse hat gestern bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr reagiert.

Ernst Meier
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Accu_Holding

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Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Geplatzte Kapitalerhöhung, fehlender Geschäftsbericht, Verschiebung der Generalversammlung, Abmahnung und Busse durch die Börse, Abgänge in der Geschäftsleitung, akute Liquiditätsengpässe und provisorische Nachlassstundung – die Accu Holding aus Emmenbrücke sorgt seit Monaten regelmässig für Negativschlagzeilen. Diese zeichnen das Bild eines Unternehmens, in dem gar nichts mehr zu laufen scheint, wie es sollte.

Anfang Dezember hat die Accu Holding informiert, dass eine Tochterfirma in der Slowakei vor dem Aus steht, weil ihr das Geld ausgeht. Dabei gab das Industrieunternehmen mit Sitz an der Spinnereistrasse 3 in Emmenbrücke gleichzeitig bekannt, dass wegen laufendem Nachlassverfahren bis auf weiteres keine Generalversammlung durchgeführt wird. Nun hat auch die Schweizer Börse genug vom Gebaren der Accu Holding. Gestern hat die SIX Swiss Exchange reagiert und die Aktien der Firma vorläufig vom Handel suspendiert. Man habe festgestellt, dass die Accu Holding ihrer Verpflichtung nach Transparenz nicht mehr nachkommen kann, heisst es in der Medienmitteilung der SIX.

Aktien bereits einmal ausgesetzt

Die Aktien sind seit Monaten auf Tauchfahrt, gestern kamen sie bei 70 Rappen zum Stillstand (siehe Grafik). Nun werden sie ab dem 3. Januar 2017 ganz ausgesetzt. Über eine Wiederaufnahme des Handels werde zu gegebener Zeit informiert, schreibt die SIX. Die Aktien der Industriegruppe wurden bereits Anfang August vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Dies geschah, weil die Accu Holding den erforderlichen Geschäftsbericht nicht vorgelegt hatte. Erst im Oktober ­waren die Aktien dann wieder handelbar, nachdem die Industriegruppe ihre Halbjahreszahlen 2016 publiziert hatte. Die Hintergründe rund um die skandalträchtige Accu Holding sind äusserst verworren. Die Staatsanwaltschaft Zürich ermittelt in der Angelegenheit. Sie hat eine Strafuntersuchung gegen Marco Marchetti (51) eröffnet. Der frühere Accu-Verwaltungsratspräsident sitzt seit April in Untersuchungshaft. Laut den Behörden handelt es sich um «ein äusserst aufwendiges und komplexes Verfahren».

Die Akte «Marco Marchetti und seine Accu Holding» liest sich wie ein Wirtschaftskrimi erster Güte. Bereits im Frühling 2014 schrieb unsere Zeitung über die seltsamen Praktiken Marchettis, der auch in Deutschland tätig war. Dabei ging es um ausstehende Löhne und Mietrechnungen. Laut der Lokalzeitung «Frankenpost» hat das Amtsgericht Hof in Bayern Marchetti nun diesen März wegen Betrug und Insolvenzverschleppung zu 21 Monaten Haft bedingt sowie einem fünfjährigen Berufsverbot für Geschäftsführertätigkeiten und Geldzahlungen verurteilt. Marchetti brüstete sich in Luzern als stolzer Besitzer des Schlösslis Utenberg. In den Gastrotempel wurde für den 19. Juni 2015 auch letztmals zur Accu-Generalversammlung geladen.

Auch der «Tages-Anzeiger» widmete ihm eine Titelgeschichte. Der «begeisterte Porsche-Panamera-Fahrer» schmückte sich im Geschäftsbericht mit falschen Doktor- und MBA-Titeln, deckte das Blatt auf. Bei der Accu Holding in Emmenbrücke hat jetzt besonders eine Person mit der Hinterlassenschaft von Marchetti zu tun: der Sachwalter.