Emmer IT-Logistiker Also wächst dank gutem Händchen

Der IT-Logistikkonzern Also ist stärker gewachsen als erwartet – auch dank einer erfolgreichen Übernahme.

Gregory Remez
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Präsident und CEO in Personalunion: Gustavo Möller-Hergt bei einer Medienpräsentation in Zürich.

Präsident und CEO in Personalunion: Gustavo Möller-Hergt bei einer Medienpräsentation in Zürich.

Bild: Eveline Beerkircher (23. Februar 2016)

Die Akquisitionsstrategie von Also scheint aufzugehen. Nach einem leichten Gewinneinbruch im Geschäftsjahr 2018 kann der Emmer IT-Logistiker für 2019 wieder ein sattes Ergebnis vorlegen. Nicht nur beim Umsatz wurde erstmals die Zehn-Milliarden-Euro-Grenze geknackt, auch beim Gewinn blieben unter dem Strich erstmals mehr als 100 Millionen Euro stehen (siehe Tabelle). Der deutliche Umsatzanstieg sei dabei hauptsächlich auf die Akquisition des polnischen IT-Distributors ABC Data zurückzuführen, schreibt Also in einer Mitteilung, die gleichzeitig mit dem Geschäftsbericht für das vergangene Jahr publiziert wurde.

Satte 50 Millionen Franken liess sich Also den polnischen Spezialisten kosten, wie Präsident und Konzernchef Gustavo Möller-Hergt am Donnerstag bei der Bilanzmedienkonferenz in Zürich verriet. Und auch sonst schreckte Also nicht vor Investitionen zurück – im Gegenteil. Mit insgesamt 77,5 Millionen Euro gab der Emmer Konzern letztes Jahr mehr für Zukäufe und anderweitige Investitionen aus als in den drei Jahren davor zusammen.

Mehrere Zukäufe für 2020 geplant

An diesem Kurs will Also auch in Zukunft festhalten. Für das laufende Geschäftsjahr seien bereits mehrere Zukäufe geplant, spruchreif sei aber noch nichts, sagte Möller-Hergt. Diese Expansionslust hängt auch mit dem Unternehmensziel zusammen, die höhermargigen Sparten zu stärken. Noch erwirtschaftet Also beinahe 80 Prozent im angestammten Logistikgeschäft (Supply), also als Intermediär zwischen globalen IT-Herstellern wie Apple oder Samsung und lokalen Händlern wie Media Markt oder den Swisscom-Filialen. Trotz nachlassenden Wachstums des Gesamtmarktes konnte Also hier 2019 erneut im zweistelligen Prozentbereich zulegen. Die Margen sind in diesem Volumengeschäft allerdings hauchdünn. Deshalb hatte Möller-Hergt zuletzt angekündigt, die anderen beiden Unternehmenssparten mit höheren Margen, IT-Lösungen (Solutions) und IT-Dienstleistungen (Services), mittelfristig auszubauen – wenn nötig auch durch Akquisitionen. Mit dem Internet der Dinge etwa ergäben sich für Also ganz neue Möglichkeiten, betonte der Konzernchef in Zürich erneut.

Schon jetzt gehört das Unternehmen zu den profitabelsten der Branche. Mit dem aktuellen Ergebnis hat Also nicht nur die Prognosen der Analysten übertroffen, sondern ist auch deutlich schneller unterwegs als der weltweite IT-Markt, der laut dem Marktforschungsinstitut Gartner lediglich um 0,5 Prozent wuchs. Von diesem Wachstumsschub profitierte auch Also Schweiz. Nachdem der Umsatz hier 2018 noch geschrumpft war, legte er 2019 wieder deutlich zu, auf insgesamt 965,7 Millionen Euro. Ob das gute Ergebnis auch bedeute, dass die Arbeitsplätze in Emmen für 2020 gesichert seien, wollte Möller-Herger jedoch nicht kommentieren. Er sagte lediglich: «Wir schauen immer auf die gesamte Gesellschaft, und dort ist die Anzahl der Arbeitsplätze gestiegen. Die Qualität der Jobs hat sich zudem stark gewandelt.» In den letzten Jahren war es am Emmer Hauptsitz wiederholt zu Entlassungswellen gekommen. Mittlerweile kommentiert Also keine Mitarbeiterzahlen mehr auf Länderebene. Schätzungsweise beschäftigt das Unternehmen in Emmen aktuell rund 400 Personen.

Prognose nach oben korrigiert

Wenig überraschend hat Also infolge der guten Zahlen die Prognose erhöht. So soll der Gewinn auf Stufe Ebitda 2020 zwischen 210 und 220 Millionen Euro zu liegen kommen. Mittelfristig soll der Betriebsgewinn gar auf 250 bis 310 Millionen steigen. An grössere Verluste wegen des grassierenden Corona-Virus glaubt Möller-Hergt Stand jetzt nicht. «Das haben wir bereits seit Mitte Januar auf dem Schirm und analysieren die Lage ständig neu.»