Emmi versieht Milchprodukte mit neuem Hinweis «oft länger gut»

Der Milchverarbeiter unterstützt Bemühungen gegen Lebensmittelverschwendung – mit dem Zusatz «oft länger gut».

Gregory Remez
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Ein Drittel aller Lebensmittel landen in der Schweiz im Abfall. Nach Angaben des Bundesamtes für Umwelt entstehen so jährlich rund 330 Kilogramm an Lebensmittelabfällen – pro Person. Die Gründe für diese Art der Verschwendung sind vielfältig. Einer davon betrifft Missverständnisse rund um die Datierungen von Lebensmitteln, allen voran von Milchprodukten.

Um diesem aus Sicht der Nachhaltigkeit vermeidbaren Problem zu begegnen, hat der Luzerner Milchverarbeiter Emmi nun angekündigt, die Bemühungen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln mit einem neuen Produktehinweis zu verstärken. In einem ersten Schritt werde man ab sofort etwa den Luzerner Rahmkäse sowie alle Milchersatzprodukte der Marke beleaf mit dem Zusatz «oft länger gut» versehen, teilte Emmi am Dienstag mit.

Weitere Produkte wie Birchermüesli oder Fondue sollen bald folgen. Mit dem Zusatz unterstütze man die Bewegung «Too Good To Go», die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt und zu diesem Zweck über eine App unverkaufte Esswaren vermittelt.

Haltbarkeitsdaten werden oft verwechselt

In Europa sind Haltbarkeitsdaten schätzungsweise für rund zehn Prozent der Lebensmittelabfälle verantwortlich, unter anderem weil viele Konsumentinnen und Konsumenten den Unterschied zwischen dem gesetzlich vorgeschriebenen Verbrauchsdatum («verbrauchen bis») und dem Mindesthaltbarkeitsdatum («mindestens haltbar bis») nicht kennen.

Denn während es beim Verbrauchsdatum um die Lebensmittelsicherheit geht – das Datum zeigt an, nach welchem Tag die Produkte trotz korrekter Lagerung gesundheitsschädlich werden können und daher nicht mehr verzehrt werden sollten –, stellt das Mindesthaltbarkeitsdatum lediglich eine Qualitätsgarantie der Hersteller dar. Es sagt, wie lange ein Produkt bei korrekter Lagerung seine spezifischen Eigenschaften mindestens haben muss. Die meisten Produkte sind allerdings weit über dieses Datum hinaus haltbar und deshalb «oft länger gut».

Gerade Milchprodukte werden oft mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum und nicht mit einem Verbrauchsdatum versehen, weil die üblichen Verderbnisanzeichen wie Schimmel gut erkennbar sind und der Konsum geringer Mengen eines verdorbenen Milchproduktes nicht gesundheitsgefährdend ist.

Zuerst immer «schauen, riechen, schmecken»

«Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Qualitätsgarantie. Viele Konsumenten setzen dieses jedoch mit dem Verbrauchsdatum gleich und werfen die Lebensmittel nach Ablauf leider oft ungeprüft weg», sagt Marc Helm, Leiter der Schweiz-Division bei Emmi. Dabei gäbe es eine einfache Faustregel: Solange Geruch und Geschmack stimmten und keine optischen Veränderungen wie beispielsweise Schimmelpilze sichtbar seien, könne ein Produkt bedenkenlos verzehrt werden. «Deshalb unterstützen wir die Kampagne ‹oft länger gut›», sagt Helm. Sie solle Konsumenten dazu animieren, den Zustand von Produkten, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, nach dem Prinzip «schauen, riechen, schmecken» zu überprüfen und so Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.

Und Emmi ist nicht allein. Neben dem Milchverarbeiter haben bereits andere namhafte Lebensmittelhersteller wie die Hug AG, Nestlé oder Hero mit «Too Good To Go» zusammengespannt.