Flüsterbahn
Ende 2012 Flüsterbahn statt alter Holperpiste

Für 211 Millionen Franken will das Amt für Strassen (Astra) die Autobahnwelt Lenzburg–Birrfeld in Ordnung bringen. Sechs Spuren gibt es nicht – aber die Vorbereitung dafür.

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Bünzbrücke

Bünzbrücke

Schweiz am Sonntag

Von Hans Lüthi

Holperpiste, Kopfwehpflaster, Nierensteinzertrümmerer, die Liste liesse sich verlängern - mit den liebevollen Bezeichnungen der Autofahrer für die Strecke Birrfeld-Lenzburg der A1. Bald 40 Jahre hat der Betonbelag auf dem Buckel und sieht entsprechend aus: Absätze zwischen den Platten, immer wieder Löcher.

Vor allem auf der Normalspur befürchten die Autofahrer, es könnte ihnen die Räder samt Aufhängung wegreissen. Und der Autobahn-Unterhalt muss immer wieder in der Nacht ausrücken, um bei wenig Verkehr die schlimmsten Löcher notdürftig zu stopfen. Kurz gesagt: Eine Sanierung der steinalten A1 ist überfällig.

Schon unter Ägide des Aargaus sollte dieses stark befahrene Teilstück ausgebaut werden - wie die übrigen Strecken der rund 100 Kilometer Autobahnen von A1, A2 und A3. Doch dann kam das Limmattal zuerst, die A2 vom Wiggertal zur Kantonsgrenze folgte. Und Anfang 2008 gingen die Autobahnen an den Bund. Die Übernahme durch das Bundesamt für Strassen stiess nicht überall auf Freude. «Jetzt können wir ewig auf den Ausbau warten», klagten Politiker und Unternehmer, teils öffentlich, teils hinter vorgehaltener Hand.

Doch jetzt will das Astra rasch Nägel mit grossen Köpfen einschlagen. Die Ausschreibung erfolgte für die fünf Lo-se Trassee, Halbüberdeckung Lenzburg, die Brücken über Aabach und Bünztal sowie jene über die Kantonsstrasse bei Brunegg. «Für das Trassee und die Halbüberdeckung sind die Offerten schon in der Auswertung, die Vergabe ist für den September vorgesehen», betont Astra-Sprecherin Esther Widmer von der Filiale Zofingen.

Auch für die Brücken rechnet sie mit einer Vergabe noch vor Weihnachten. Der Startschuss für die Hauptarbeiten fällt Anfang April 2010, allerdings mit diesem Vorbehalt: falls keine Submissionsbeschwerden eingehen oder Einsprachen zum Bünztalviadukt weitergezogen werden.

Zweierlei ist nötig, bevor die kilometerlangen Betonpisten durch flüsternde Beläge ersetzt werden können: ein völliger Neubau - unter Verkehr - der hohen Brücken über die Bünz und die Halbüberdeckung Lenzburg. Denn die Bünztalbrücken sind zu eng für eine 4:0-Verkehrsführung, mit je zwei Fahrstreifen in jede Richtung auf einer Autobahnhälfte. Bei weniger als 4 Fahrstreifen käme es auf der massiv belasteten A1 zum grossen Kollaps. Die Halbüberdeckung zwecks Lärmschutz in Lenzburg beginnt nächstes Jahr, die Verbreiterung der Standspuren Richtung Bern schon dieses Jahr.

«Es ist fünf vor zwölf Uhr», sagte der Aargauer Regierungsrat und Baudirektor Peter C. Beyeler, als er das Paket Verkehrsausbau auf Strasse und Schiene vorstellte. Die Autobahn sei am Anschlag, die Regierung beantragte darum eine Festsetzung von 6 Spuren - für die ganze Strecke Wiggertal-Birrfeld, der Rest der A1 bis Zürich ist schon so breit ausgebaut. Eine Realisierung von 6 Fahrstreifen benötige 15 bis 20 Jahre Zeit, hiess es damals. Dennoch fragt sich der Laie, warum die Autobahn nicht jetzt schon verbreitert wird?

Dies bei unbestrittener Dringlichkeit und einer Investition von 211 Millionen Franken. «Die Halbüberdeckung Lenzburg und die grossen Brücken über Aabach und Bünz werden schon jetzt für 6 Spuren gebaut», erklärt Esther Widmer. Aber für das Trassee müsse das Astra zuerst das Land kaufen und die ganzen Verfahren durchführen. Immerhin: Der Mittelstreifen wird beim Ausbau von 3,5 auf 2,5 Meter verringert, der Pannenstreifen von 2,5 auf 3 Meter verbreitert.

Härkingen-Wiggertal ist ebenfalls in einem schrecklichen Zustand und benötigt in höchster Dringlichkeit 6 Streifen. Weil sich hier die A1 Ost-West und die A2 Nord-Süd überlappen. Doch die nach der Auflage eingereichten 195 Einsprachen müssen vom Uvek noch beurteilt werden. Und wegen einer teilweisen Projektänderung muss der Kanton Solothurn eine Brücke Ende August nochmals öffentlich auflegen.

Der Beginn für das 128-Millionen-Projekt «Härkingen-Wiggertal» steht weiter in den Sternen. Klar ist heute: Auf dem Abschnitt Lenzburg-Birrfeld sind 2010 die Stand- und Mittelstreifen an der Reihe, 2011 der Abschnitt Birrfeld-Bünztal, 2012 das Teilstück bis Lenzburg.