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ENERGIE: Geht die Wasserkraft bachab?

Der Betrieb von Wasserkraftwerken lohnt sich immer weniger. Darunter leiden auch die Zulieferer. Subventionen könnten helfen. Oder das Prinzip Hoffnung.
Maurizio Minetti
Blick in das Wehr des CKW-Wasserkraftwerks Rathausen. (Bild Pius Amrein)

Blick in das Wehr des CKW-Wasserkraftwerks Rathausen. (Bild Pius Amrein)

Maurizio Minetti

«Die Wasserkraft ist unsere Perle, unser Rückgrat», sagte Energieministerin Doris Leuthard vor einem halben Jahr am Europa-Forum im KKL Luzern. Tatsächlich: Was die einheimische Produktion und den Konsum betrifft, ist die Wasserkraft der wichtigste Energieträger hierzulande (siehe Grafik). Speicherkraftwerke in den Alpen und zahlreiche Laufwasserkraftwerke an Flüssen und Bächen erzeugen seit Jahrzehnten erneuerbaren Strom – und dies praktisch CO2-frei. Im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 ist die Wasserkraft deshalb zentral.

Preis ist im Keller

Doch die einst hochprofitable Wasserkraft ist in Gefahr. Subventionierter Strom aus Deutschland, der vor allem mit Wind und Sonne erzeugt wird, lässt die Marktpreise massiv fallen. Hinzu kommt der aktuell billige Kohlestrom. Eine Rolle spielt auch die vor sich hin dümpelnde Konjunktur in ganz Europa: Wenn der Wirtschaftsmotor brummt, wird auch Strom in grossen Mengen bezogen. Doch das ist seit längerem nicht mehr der Fall.

Überkapazitäten in Verbindung mit einer schwachen Nachfrage lassen die Preise purzeln. Im Schnitt bezahlt man in der Schweiz derzeit keine 3 Rappen pro Kilowattstunde für Strom aus Wasserkraft. Die Produktionskosten sind aber in der Regel mehr als doppelt so hoch, sodass sich der Betrieb von Wasserkraftwerken schon seit Jahren kaum mehr lohnt. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass der Stromkonzern Alpiq die Hälfte seiner Beteiligungen an verlustreichen Wasserkraftwerken abstossen will.

Für die CKW ein Verlustgeschäft

Als mögliche Käufer wurden in diesem Frühjahr unter anderem die Centralschweizerischen Kraftwerke AG (CKW) und die Wasserwerke Zug (WWZ) genannt. Obwohl auch diese Stromfirmen unter den tiefen Preisen leiden, profitieren sie vom Zugang zum Endkundengeschäft mit regulierten Tarifen, während Alpiq hingegen nur im Grosshandel tätig ist.

«Wir sind überzeugt, dass die Wasserkraftnutzung Sinn macht und prüfen generell Opportunitäten für Investitionen in diesem Bereich», sagt WWZ-Sprecher Robert Watts. CKW-Sprecher Marcel Schmid sagt hingegen, dass eine Übernahme von Wasserkraftwerken «kaum ein Thema» sei: «Wir produzieren bereits heute mehr Strom aus Grosswasserkraft als wir in der Grundversorgung absetzen können.» Schliesslich ist auch für die CKW Wasserkraft ein Verlustgeschäft: «Wir können uns den schwierigen Marktbedingungen nicht entziehen», so Schmid. In den letzten Jahren musste die CKW den Wert ihrer Wasserwerke laufend nach unten korrigieren. Experten sind sich einig, dass Wasserkraft langfristig die günstigste Energie ist, die es gibt. Doch das Geschäft ist kapitalintensiv und angesichts schwieriger Marktbedingungen halten sich Stromkonzerne mit Investitionen zurück (siehe Box). Wie soll es also weitergehen mit der umweltfreundlichen, einheimischen Perle?

Eine Möglichkeit ist, dass ein Teil der Fördergelder für sogenannt neue erneuerbare Energien (Wind und Sonne) für bestehende Grosswasserkraftwerke eingesetzt wird. Im Rahmen der Beratungen zur Energiestrategie 2050 wurde eine begrenzte jährliche Subvention von jährlich rund 100 bis 120 Millionen Franken beschlossen. Das Gesetz wird zwar erst im Herbst zu Ende beraten, die Wasserkraftunterstützung ist aber beschlossene Sache.

Für Michael Frank, Direktor des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE), ist die Subvention nur ein Tropfen auf den heissen Stein. «Wir begrüssen es aber, dass die Politik die Systemrelevanz der Wasserkraft anerkannt hat», sagt Frank.

Kampf um Wasserzinsen

Bislang wird Wasserkraft nicht direkt subventioniert, im Gegenteil: Betreiber müssen Kantonen und Gemeinden für die Nutzung des Wassers einen Zins zahlen – rund eine halbe Milliarde pro Jahr. Dieser Zins wurde im Krisenjahr 2015 sogar erhöht. Der VSE plädiert dafür, dass das System der Wasserzinsen künftig wieder wie früher flexibilisiert wird. «Wenn es den Stromunternehmen gut geht, sollen sie mehr bezahlen, aber wenn es ihnen schlecht geht, eben weniger», so die Forderung. Ende 2019 laufen die landesweit geltenden Regeln für Wasserzinse aus. Derzeit wird über die künftigen Rahmenbedingungen diskutiert.

Abgesehen davon gibt es zwar noch andere Rezepte, um die Wasserkraft zu retten, doch meist sind es theoretische Gedankenspiele. Letztlich bleibt das Prinzip Hoffnung: Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES), die sich für erneuerbare Energien einsetzt, glaubt, dass sich die Preise langfristig mit dem Wegfallen der Kohle und des Atoms erholen werden. Auch das Bundesamt für Energie geht davon aus, dass sich die Strompreise bis ins Jahr 2020 erholen werden.

Bis dahin, so viel ist klar, wird noch viel Wasser den Rhein runterfliessen.

Kraftwerkbetreiber sparen bei der Wartung

Betreiber von Wasserkraftwerken sind nicht erst seit gestern zum Sparen verdammt. Eine Massnahme ist zum Beispiel der Wechsel von der vorausschauenden Wartung der Anlagen auf die sogenannte zustandsbasierte Instandsetzung. Will heissen: Anlagen – also vor allem Turbinen und Generatoren – werden weniger häufig gewartet oder ersetzt. Dies trifft die Zulieferer und Service-Unternehmen.

Zu diesen Zulieferern gehört Andritz Hydro mit Sitz in Kriens. Die frühere Sulzer-Sparte gehört zum börsenkotierten österreichischen Andritz-Konzern. Andritz-Hydro-Chef Heinz Duner bestätigt, dass die meisten Wasserkraftwerksbetreiber aufgrund der schwierigen Marktsituation die vorausschauende Wartung reduziert haben und sich eher auf die zustandsbasierte Instandsetzung konzentrieren.

Arbeitszeiterhöhung beendet

«Aufgrund dieser Tatsache ist auch die Andritz Hydro betroffen, weshalb wir uns neu ausrichten müssen, um uns an die sich verändernden Marktbedingungen anzupassen», sagt Duner. Was das bedeutet, zeigte sich vor Jahresfrist. Damals musste Andritz Hydro drei Dutzend Stellen streichen, die wöchentliche Arbeitszeit von 40 auf 42,5 Stunden erhöhen und die Herstellung von Wasserturbinen ins deutsche Ravensburg verlagern. Man habe dabei versucht, die Auswirkungen auf die Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten, heisst es auf Anfrage. Über Frühpensionierungen, natürliche Fluktuationen und interne Versetzungen habe man die Anzahl der Kündigungen auf ein Minimum reduziert. Die höhere Arbeitszeit wird nun per Ende Juni aufgehoben.

Auf die Frage, ob weitere Sparmassnahmen möglich sind, sagt ein Konzernsprecher: «Wir werden die weitere Entwicklung der Gesamtwirtschaft sowie unserer Absatzmärkte weiter verfolgen und bei Notwendigkeit weitere Massnahmen ergreifen.» Künftig will sich Andritz Hydro auf Service und Modernisierung von Wasserkraftwerken konzentrieren.

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