Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ENERGIE: Grüne Dächer zahlen sich aus

Pflanzen auf dem Dach bringen Städtern ein besseres Klima. Und sie können auch ökonomische Vorteile für die Bauherren haben.
Andreas Lorenz-Meyer
Silberlaubige Vegetation und PV-Module auf dem Dach der Firma Contec in Uetendorf BE. (Bild: Heinz Sigrist)

Silberlaubige Vegetation und PV-Module auf dem Dach der Firma Contec in Uetendorf BE. (Bild: Heinz Sigrist)

Andreas Lorenz-Meyer

Wer im Sommer bei hohen Temperaturen durch die Innenstadt läuft, kommt schnell ins Schwitzen. Überall Beton, Asphalt, versiegelte Flächen – da staut sich die Hitze. Um das zu verhindern, braucht es viele Grünflächen. Doch wo im urbanen Raum ist Platz für Pflanzen? Einfache Antwort: auf den Dächern.

Bepflanzte Dächer verschaffen Linderung bei 30 oder 35 Grad Celsius, denn sie sorgen für ein ausgeglicheneres Mikroklima. Eine angenehme Sache: Wo es viel Dachgrün gibt, bleibt es kühler. Zudem hilft die Begrünung, die Luft zu reinigen. Und sie hält Regenwasser zurück, was bei Starkregen die Kanalisation entlastet. Von begrünten Dächern haben also alle etwas. Hinzu kommen die ökonomischen Vorteile für Hausbesitzer. Begrünung, sagt Hans-Ruedi Amrein-Gerber von der Schweizerischen Fachvereinigung Gebäudebegrünung (SFG), verlängert die Lebensdauer von Dächern, weil sie vor Witterung schützt. «Eine begrünte, fachgerecht installierte Dachabdichtung hält mindestens doppelt so lange wie eine unbegrünte – regelmässiger Dachunterhalt vorausgesetzt.»

Begrünung ist nicht freiwillig

So weit die Argumente für die Begrünung. Doch wie sieht es in der Realität aus? Das Begrünen ist, sofern es sich um Flachdächer handelt, keine freiwillige Angelegenheit. Im Bau- und Zonenreglement (BZR) der Stadt Luzern heisst es in Artikel 30: «Nicht begehbare Flachdächer oder Flachdachteile ab einer Grösse von 25 Quadratmetern sind extensiv zu begrünen.» Eine Bestimmung, bestehende Flachdächer nachzurüsten, gibt es zwar nicht, solange an diesen nichts geändert wird. Wer sein Flachdach jedoch im Rahmen bewilligungspflichtiger Bauvorhaben erneuert, muss es auch begrünen. «Die Zahl der Bewilligungen mit Auflagen liegt bei etwa 40 bis 50 pro Jahr», schätzt Stefan Herfort, Projektleiter Natur- und Landschaftsschutz der Stadt Luzern. «Darunter sind Kleinstdächer und Dächer über 1000 Quadratmeter», so Herfort. Freiwillige Begrünungen sind die Ausnahme.

Wer mit Flachdach baut oder eines saniert, sollte das Merkblatt zur extensiven Flachdachbegrünung lesen. Dort sind auch Tipps für die Installation einer Fotovoltaikanlage in Kombination mit Begrünung aufgeführt. Denn Solarstrom wird gefördert, und so müssen sich die Pflanzen den Platz auf dem Dach oft mit den Paneelen teilen.

Auszeichnung für Migros Dierikon

Die Migros-Betriebszentrale in Dierikon wurde für die vorbildliche und naturnahe Gestaltung ihres Areals mit dem Label der Stiftung Natur & Wirtschaft ausgezeichnet. Die begrünten Dachflächen mitten im Industriegebiet böten mehreren Pflanzenarten wertvollen Lebensraum, darunter Thymian, Oregano und Eisenkraut, heisst es in einer Mitteilung. Für die Migros ist das Areal von grosser Bedeutung: Am Montag begann der bereits angekündigte Ausbau der Zentrale. 5600 Quadratmeter Land werden erschlossen. Das Projekt kostet rund 28 Millionen Franken. (red)

Wichtig sind hier für Herfort individuelle Lösungen. Bei aufgeständerten Solaranlagen braucht es andere Ansätze als bei flachliegenden Modulen. Hier sei in der Regel eine räumliche Trennung von Anlage und Begrünung sinnvoll. In beiden Fällen muss die Höhe des Substrats, also der Pflanzerde, angepasst sein. In dem Merkblatt wird auch die Luzerner Mischung erwähnt. Dieses spezielle Saatgut wurde entwickelt, «um standortgerechte und regionaltypische Arten fördern zu können», erklärt Herfort. Im Rahmen des Projekts «Luzern grünt» ist finanzielle Unterstützung bei so genannten ökologischen Aufwertungsmassnahmen im Siedlungsraum vorgesehen.

Jahresbudget des Projekts: rund 15 000 Franken. Bewilligungspflichtige Dachbegrünungen werden nur in Ausnahmefällen finanziert, Unterstützung gibt es hingegen bei freiwilligen Begrünungen ohne Auflage. «Wegen der beschränkten Mittel sind es im Verhältnis zur Gesamtinvestition aber nur kleine Beträge», betont Herfort. Zum Beispiel übernimmt man die Kosten für das Saatgut. Wer sein Dach begrünt oder begrünen muss, sollte sich professionell beraten lassen. Laut Amrein-Gerber ein häufiger Fehler: zu geringe Substratdicken. Mindestens 9 bis 15 Zentimeter Substrat sind erforderlich in Abhängigkeit zu den örtli- chen Niederschlagsverhältnissen. Mehr Niederschlag erfordert weniger Höhe und umgekehrt. Substrate und ihre Einbauhöhe beeinflussen alles, den Wasserrückhalt, den Wasserablauf, den Dämmeffekt. Wichtig sei auch, dass Gründächer ein Gefälle aufweisen.

Mehrere Schweizer Städte – neben Luzern auch Basel, Zürich, St. Gallen – schreiben bei neuen oder sanierten Gebäuden mit Flachdach zwar eine Begrünung vor, doch Amrein-Gerber sieht noch viel Potenzial: «Nur ein Viertel bis ein Drittel der neuen oder zur Sanierung anstehenden Dachflächen bekommt eine Pflanzendecke. Warum so wenig?» Das Schweizer Jahrespotenzial für Sanierungen und Neubauten liege geschätzt bei 750000 bis 1 Million Quadratmetern. Zudem machen die Solaranlagen den Pflanzen zunehmend Konkurrenz. Staatliche oder kantonale Programme fördern die Installation, mit selbstproduziertem Strom lässt sich Geld verdienen.

Doppelte Vorteile durch Grünfläche und Solarstrom

Statt das Grün zu verdrängen, sollte man ein «Energie-Grün-Dach» nehmen. Die Idee für diese spezielle Konstruktion entstand in der Fachvereinigung. Es kombiniert die Vorteile von solarer Energieproduktion und Dachgrünfläche, erklärt der Schweizer Begrünungsexperte Fritz Wassmann-Takigawa. «Substrat und Vegetation halten die Solarpaneele fest, so dass keine Dachdurchdringung zur Befestigung benötigt wird. Das spart Geld und bauphysikalische Probleme.» Hinzu kommt die kühlende Wirkung der Vegetation, die sich für den Bauherrn auch finanziell auszahle. In einem künftig wärmeren Klima dürfte sie die Stromerträge der Paneele erheblich steigern.

Und welche Pflanzen nimmt man am besten? Wassmann-Takigawa empfiehlt silberlaubige, lichtreflektierende Pflanzen auf senkrecht aufgeständerten Paneelen. Die brächten 7 bis 10 Prozent Ertragssteigerung. Silberlaubige Pflanzen sind trockenheitsresistent – ein weiterer Vorteil bei extremer werdendem Klima. Laut Wassmann-Takigawa liegen die Kosten für eine PV-Anlage auf Kies bei etwa 135 Franken pro Quadratmeter, die für Fotovoltaik mit Extensivbegrünung bei 156 Franken. Ungefähr 10 Prozent teurer also. Dafür profitiere man doppelt: durch Solarstrom und durch den kühlenden Effekt bei Hitze.

Auch Fassaden können grün sein

Begrünung Auch Hausfassaden lassen sich grün einkleiden. Vorschriften gibt es dafür nicht, die Stadt Luzern finanziert aber die erforderlichen Kletterpflanzen. «Fassadengrün stösst bei vielen Bauherren architektonisch-gestalterisch und bautechnisch auf Vorbehalte», sagt Herfort. Die Angst vor unerwünschten tierischen Bewohnern wie Spinnen spiele auch eine Rolle.

Für Wassmann-Takigawa sind Fassadenbegrünungen die ideale Ergänzung zu den dominanten Gründächern. Gerade bei Sommerhitze. Die Vegetation verhindere die direkte Sonnenstrahlung auf das Gebäude. Weitere Vorteile des Fassadengrüns: Feinstaubfilterung, Lärmminderung. Der Klassiker sind im Erdreich wurzelnde Kletterpflanzen, mittlerweile gibt es aber auch wandgebundene Fassadenbegrünung. Sie ist jedoch ungefähr zehn Mal teurer als die bodengebundene, und die baulichen Anforderungen sind hoch. Fotovoltaik lässt sich ebenfalls als sogennannte Energie-Grün-Fassade dazu kombinieren. (alm)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.