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ENERGIEWENDE: «Wir müssen nicht mehr alle Anlagen selber besitzen»

Die Centralschweizer Kraftwerke sind im Wandel. CEO Felix Graf erklärt im Interview, wo die Reise für die Axpo-Tochter hinführt.
CEO der CKW, Felix Graf, im Interview mit der Neuen Luzerner Zeitung. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

CEO der CKW, Felix Graf, im Interview mit der Neuen Luzerner Zeitung. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Interview Dominik Buholzer

Herr Graf, der Ständerat hat es am Mittwoch abgelehnt, dass Elektrizitätswerke gezwungen werden, das Stromsparen zu fördern. Sind Sie erleichtert?

Felix Graf: Stromsparen ist absolut notwendig. Aber es ist meines Erachtens falsch, wenn man eine ganze Branche dazu verpflichten will. Besser wäre es, der Bund würde innovative Start-ups in diesem Gebiet fördern.

An welche denken Sie?

Graf: Mit CKW Volt Control haben wir eine Innovation, die es Firmen beispielsweise erlaubt, den Stromverbrauch um bis zu 15 Prozent zu senken. Die Kosten sind innerhalb von zwei bis drei Jahren amortisiert. Was ich damit deutlich machen will: Wir als Energieproduzent sind sehr wohl bereit, unseren Beitrag zum Energiesparen zu leisten. Dafür braucht es aber keine gesetzliche Verpflichtung. CKW Volt Control entstand auf Grund des Bedürfnisses unserer Kunden, in diesem Bereich mehr zu tun.

Der Ständerat hat im Rahmen der Debatte zur Energiewende im Weiteren beschlossen, dass künftig auch bestehende Grosswasserkraftwerke in den Genuss von Unterstützungsgeldern kommen sollen. Sind Sie zufrieden, oder hätten Sie sich mehr gewünscht?

Graf: Die Absicht, die hinter dem Beschluss steht, ist gut. In der Ausgestaltung gibt es meiner Meinung nach aber noch Verbesserungspotenzial. So oder so: Es ist richtig, dass wir in der Schweiz auf diese Weise auf die Marktveränderungen reagieren, damit die Energiewende nicht der besten erneuerbaren Energiequelle – der Wasserkraft – schadet.

Ursache für das derzeitige Dilemma ist der tiefe Strompreis, verursacht durch Billigstrom aus ausländischen Gas- und Kohlekraftwerken, aber auch von erneuerbaren Energien. Aber ist es sinnvoll, inländische Stromproduktion zu fördern, wenn im Ausland billiger Strom angeboten wird?

Graf: Wasserkraft spielt in der Schweiz nicht nur für die Energieproduzenten und die Konsumenten eine sehr wichtige Rolle, sondern auch für viele Kantone. Der Kanton Uri nimmt beispielsweise jährlich rund 22 Millionen Franken durch Wasserzinsen ein. Wasserkraft ist also auch da substanziell. Wir tun gut daran, sie zu hegen und pflegen.

Aber nur mit Wasserkraft ist die Energiewende nicht zu meistern.

Graf: Es braucht erneuerbare Energien. Es führt kein Weg daran vorbei. In der Schweiz wird kaum je ein neues AKW gebaut.

Ist es nicht seltsam, wenn Schweizer Stromfirmen im Ausland in erneuerbare Energien investieren, nur weil sie dort mehr Subventionen abholen können?

Graf: Nein, auch wir investieren in solche ausländischen Anlagen. Wenn wir mit einem Investment in ein Windkraftwerk im Norden von Frankreich das Maximum herausholen, dann ist dies für mich nachvollziehbar.

Einwand: Sollten die CKW nicht statt im Ausland in der Schweiz erneuerbare Energien unterstützen?

Graf: Das tun wir auch – und das nicht in geringer Weise. Die Herausforderung ist nur, dass uns immer wieder die Hände gebunden sind. Die Auflage und die Einsprachemöglichkeiten machen die Umsetzung solcher Projekte nicht einfacher. Damit man mich nicht falsch versteht: Ich stehe ganz klar hinter der direkten Demokratie. Es gibt aber gewisse Kreise, die nicht dialogorientiert agieren. Hier geht es um Verhinderungstaktik. Das bringt uns aber nicht weiter.

Nach dem Nationalrat diskutiert nun auch der Ständerat das erste Massnahmenpaket zur Energiewende. Sind Sie mit dem Verlauf generell zufrieden, oder wo bräuchte es denn Ihrer Meinung nach noch Verbesserungen?

Graf: Es ist wichtig, dass die Rahmenbedingungen klarer werden.

Fürchten Sie sich vor einem Referendum?

Graf: Überhaupt nicht. Wir stehen vor einem grundlegenden Wandel in der Energiebranche.

Wohin geht die Reise?

Graf: Die Energiekonzerne bauten bislang hauptsächlich Grosskraftwerke. Diese Zeiten sind vorbei. Stromproduktion wird inskünftig immer dezentraler und lokaler erfolgen. Wir müssen auch nicht mehr alle Anlagen selber besitzen. Es gibt viele Kunden, die bereit sind, erneuerbare Anlagen selber zu betreiben.

Wo liegt dann künftig die Rolle der CKW?

Graf: Die Veränderung wird sehr stark getrieben sein durch die Kommunikationstechnik. Geräte werden vermehrt miteinander kommunizieren – mit all diesen Entwicklungen lassen sich immer mehr Energieanlagen steuern. Und hier kommen die CKW ins Spiel. Wir sehen unsere Aufgabe einerseits darin, die verschiedenen Systeme miteinander zu verbinden, und andererseits wollen wir auch Kunden ermöglichen, in Anlagen zu investieren.

Können Sie ein wenig konkreter werden?

Graf: Ich gebe Ihnen gerne in Beispiel: Am vergangenen Montag haben wir auf dem Dach der Heilpädagogischen Schule in Willisau eine öffentliche Solaranlage in Betrieb genommen, an der sich jeder, der will, beteiligen kann. Wir reagieren damit auf einen Kundenwunsch.

Die CKW werden immer mehr zu einem Technologiekonzern?

Graf: Dies kann man so sagen.

Haben Sie auch aus diesem Grund im vergangenen Juni ein Rechenzentrum in Betrieb genommen?

Graf: Wir sehen, dass die Bedeutung von Daten und Datenmanagement zunimmt. Gleichzeitig besteht das Bedürfnis nach lokalen Anbietern. Wir verfügen auf diesem Gebiet über das notwendige Know-how. Deshalb haben wir das Projekt lanciert.

Und wie läuft es?

Graf: Gut. Wir haben bereits einige Kunden an Bord und mit der Suva ein Grosskunde, der soeben erfolgreich den Betrieb in unserem Rechenzentrum aufgenommen hat.

Hinweis

Felix Graf (48) ist seit 1. Februar 2014 CEO der CKW. Gleichzeitig nahm er auf dieses Datum hin auch Einsitz in die Konzernleitung der Axpo.

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