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Entfesselte Sika schreibt Rekordumsatz und wagt Grossübernahme

Nach der Beilegung des nervenzehrenden Aktionärsstreites kündigt Sika die grösste Firmenübernahme in ihrer Geschichte an. Das Management lässt Anzeichen eines Paradigmenwechsels erkennen.
Daniel Zulauf
Blick in die Klebstoffherstellung von Sika in Düdingen im Kanton Freiburg. (Bild: Christian Beutler/Keystone (5. Dezember 2014))

Blick in die Klebstoffherstellung von Sika in Düdingen im Kanton Freiburg. (Bild: Christian Beutler/Keystone (5. Dezember 2014))

Für 2,5 Milliarden Franken will sich Sika den französischen Mörtelhersteller Parex einverleiben. Die Zuger haben dem aktuellen Parex-Eigentümer, der britischen Investmentgesellschaft CVC, ein verbindliches Übernahmeangebot unterbreitet. Es wäre die grösste Firmenübernahme in der über 100-jährigen Geschichte von Sika, und dafür muss sich das Unternehmen mächtig strecken. Zwar ist die Finanzierungsstruktur der geplanten Transaktion noch nicht bestimmt, doch nach den Erklärungen, die das Management gestern auf einer kurzfristig einberufenen Medien- und Analystenkonferenz in Zürich abgegeben hat, ist zu erwarten, dass der Deal weitgehend über Schulden finanziert werden wird.

Für Sika ist dies ein ziemlicher Kraftakt, denn bereits im Frühjahr des letzten Jahres hatte der Konzern Schulden in Milliardenhöhe gemacht, um den langjährigen Streit mit den Nachfahren des Unternehmensgründers Kaspar Winkler beizulegen und den Verkauf der Stimmenmehrheit an den französischen Konkurrenten Saint-Gobain zu verhindern.

Die Firma, die Anfang 2017 noch weniger Schulden hatte, als sie liquide Mittel besass, hat sich nun schnell in die entgegengesetzte Richtung bewegt. «Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine negative Entwicklung der Bonitätsbewertung von Sika», sagte Dominik Meyer, Kreditanalyst der Bank Vontobel, gestern auf Anfrage. Noch bewertet er die Sika-Schulden mit der Note A-, was komfortabel vier Stufen über dem im Jargon als «Ramsch» bezeichneten Niveau liegt, auf dem viele institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen mit besonderen Sicherheitsauf­lagen nicht mehr investiert sein dürfen. Meyer sieht «mehrere Anzeichen für einen Paradigmenwechsel in der Sika-Führung, seit die finanziell konservativen Familienaktionäre nicht mehr im Unternehmen vertreten sind».

Hohe zusätzliche Schuldenlast

Schon im Mai, als der Streit mit den Familienaktionären beigelegt wurde, hatte Sika-Chef Paul Schuler ein aggressiveres Vorgehen in puncto Übernahmen angekündigt. Die Familienaktionäre hätten sich aus Risikoüberlegungen stets gegen grössere Zukäufe im Umfang von 500 Millionen Franken und mehr gesträubt, sagte Schuler damals. Nun lässt sich der entfesselte Konzern also sichtlich mehr Wagemut angedeihen.

Strategisch wird der Zukauf allerdings von den meisten Beobachtern als guter Zug beurteilt. Parex ist vorwiegend im Geschäft mit Fassadenmörtel tätig, während die Sika-Produkte vor allem in den Innenbereichen zur Anwendung kommen. Aus der Akquisition will Sika jährlich 80 bis 100 Millionen Franken Synergien schöpfen, was angesichts des hohen Kaufpreises wohl unerlässlich ist. Parex bringt einen Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Franken auf die Waage und bezieht daraus einen Geldzufluss von 195 Millionen Franken. Damit erreichen die Franzosen zwar eine ähnliche Marge wie Sika, doch die Zahlen sind mit Blick auf die noch kurze Firmenhistorie der früheren Lafarge-Division mit einiger Vorsicht zu geniessen.

Hinzu kommt, dass die aktuelle Parex-Eigentümerin die Firma mit einer hohen Schuldenlast befrachtet hat, die Sika zusätzlich übernehmen muss. Der Zeitpunkt für einen solchen Schuldendeal scheint zwar gut gewählt. Sika zahlt für einen Überbrückungskredit von UBS und Citibank weniger als 1 Prozent Zinsen. Doch die Aussichten an der Zinsfront sind nebliger als auch schon, und der Konjunkturhimmel über Europa verdüstert sich.

Börse reagiert trotz Umsatzrekord enttäuscht

Ein abruptes Ende der von CVC eingeleiteten spektakulären Wachstumsstory von Parex ist deshalb ein mögliches Szenario. Sika müsste darauf wohl mit einer stärkeren Drehung an der Kostenschraube reagieren, was aber gerade in Frankreich schwierig wäre. Immerhin geht Sika gut gerüstet in das Abenteuer. 2018 hat der Konzern erstmals die Umsatzmarke von 7 Milliarden Franken überschritten und die Verkäufe um 13,7 Prozent gesteigert. Der Betriebsgewinn (Ebit) dürfte 940 Millionen bis 960 Millionen Franken erreichten, so Sika gestern. Die Börse zeigte sich dennoch leicht enttäuscht von diesen Zahlen, was den Aktienkurs um fast 4 Prozent auf 120 Franken sinken liess.

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