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ENTWICKLUNG: Trinkwasser für alle mit und ohne Profit

Trinkwasserknappheit bringt der Zentralschweizer Wirtschaft Geschäfte. Luzerner Wirte dagegen werden dafür von einem jungen Hilfsprojekt eingespannt.
Bernard Marks / Neue Lz
Die Brüder Lior und Morris Etter sammeln mit ihrem Projekt «Wasser für Wasser» zusammen mit Gastrobetrieben wie dem «Hopfenkranz» in Luzern (Bild) Geld für Trinkwasserprojekte. (Bild: Nadia Schärli /Neue LZ)

Die Brüder Lior und Morris Etter sammeln mit ihrem Projekt «Wasser für Wasser» zusammen mit Gastrobetrieben wie dem «Hopfenkranz» in Luzern (Bild) Geld für Trinkwasserprojekte. (Bild: Nadia Schärli /Neue LZ)

«Es schmeckt wie Süsswasser, kommt aber aus dem Meer», sagt Olivier Notz ein wenig stolz. Der Ingenieur arbeitet seit 27 Jahren bei der Rotkreuzer Firma Interapp. Ventile seiner Firma kommen in Wasserentsalzungsanlagen auf der ganzen Welt zum Einsatz.

«Technisch ist aus Salzwasser vollkommen reines Trinkwasser zu erzeugen», erklärt Notz weiter. Das Verfahren kommt in afrikanischen Staaten, Australien, China oder Indien zum Einsatz. Notz geht davon aus, dass das Geschäft mit der Trinkwasserherstellung aus Meerwasser in den nächsten Jahren boomen wird. Denn die Welt hat einen immer grösseren Durst nach Wasser.

Immer mehr Wasser wird benötigt

Im vergangenen Jahrhundert hat sich nicht nur die Weltbevölkerung fast vervierfacht, der Wasserverbrauch stieg gar um den Faktor sechs. Laut Schätzungen der UNO haben heute 89 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zu sauberem Wasser. Aber eine aktuelle Studie der Vereinten Nationen mahnt mittelfristig vor einem weltweiten Mangel an Trinkwasser.

Auch die Welthungerhilfe hat auf eine Verschärfung der Wasserknappheit in armen Ländern durch die wachsende Weltbevölkerung und den Klimawandel hingewiesen. Weltweit haben, so der Bericht, fast 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Bis 2025 würden sogar 3 Milliarden Menschen auf der Erde unter Wasserknappheit leiden.

Eine Chance für Schweizer KMU

«Die globalen Wasserprobleme sind eine Chance für Schweizer Firmen», davon geht Patrick Djizmedjian, der Sprecher der Exportförderorganisation Osec, aus. Denn das geplante Investitionsvolumen vieler Länder sei enorm. «Allein die Golfstaaten haben im Jahr 2012 Wasserprojekte im Wert von über 34 Milliarden US-Franken lanciert», sagt Djizmedjian. Insgesamt erwartet die Osec in den Golfstaaten in den nächsten zehn Jahren Wasserinvestitionen in Höhe von 225 Milliarden Franken.

Eine heute rentable Methode, um den akuten Wassermangel zu lösen, ist die Gewinnung von Trinkwasser aus Meerwasser. «Vor allem schnell wachsende Städte der Küstenregionen setzen auf diese Technik», sagt der Nachhaltigkeitsanalyst der Bank Sarasin, Matthias Fawer. Allein der Markt für Entsalzungsanlagen wächst laut Fawer bis 2016 von derzeit 8,9 Milliarden Dollar auf 18 Milliarden Dollar. «Durch den technischen Fortschritt ist die Meerwasserentsalzung heute eine bezahlbare Technologie geworden», sagt Fawer.

Die Nachfrage aus wasserarmen Gebieten treibe die gesamte Branche an. «Davon werden auch Zentralschweizer Firmen profitieren», denkt Notz. Das Rotkreuzer Unternehmen Interapp hofft aktuell auf den Zuschlag für die grösste Entsalzungsanlage der Welt in der Nähe von Jeddah in Saudi-Arabien.

«Wasserknappheit wird zweifelsohne zu einem Megatrend», davon ist auch der Geschäftsführer der Flodos AG in Sursee, Erwin Bolt, überzeugt. Seine Firma produziert hochwertige Membranpumpen. Auch die Gemü AG in Rotkreuz konstruiert Ventile für den Bereich Wasseraufbereitung.

Umweltprobleme belasten

Die Technik hat ihre Kehrseite. Ein Nachteil der Entsalzungsanlagen ist ihr hoher Energieverbrauch. In den Ölstaaten des Nahen Ostens wird dieses Problem durch eine Kopplung der Entsalzungsanlagen an Öl- und Gaskraftwerke gelöst. Ein weiterer Nachteil ist, dass Meerwasserentsalzungsanlagen Salz in hoch konzentrierter Form ins Meer zurückleiten, dies habe Nebenwirkungen auf die Pflanzen.

«Wir sind der Auffassung, dass heute oft zu schnell auf die Entsalzungsanlagen gesetzt wird und weniger auf die Reparatur oder den Unterhalt der bestehenden Infrastruktur», sagt Fawer. Durch Leckagen in den Rohrnetzen geht viel Wasser unterwegs verloren. «Deshalb haben auch in diesem Bereich Schweizer KMU gute Chancen auf Geschäfte», sagt Fawer.

Das Potenzial rund um die Wasserversorgung zeigt sich in der Arbeit der Cewas, des Zentrums für Wassermanagement in Willisau. «Firmen können ihr Geschäft im Bereich Wasser vielseitiger aufbauen, als viele heute meinen», sagt Johannes Heeb, Geschäftsführer der Cewas. Das Entsalzen von Wasser sei lediglich ein kleiner Teil des gesamten Geschäftsfeldes.

Neue Businessmodelle möglich

«Im Schnitt verbraucht jeder Mensch 4000 Liter Trinkwasser pro Tag», sagt Heeb. Nur ein kleiner Teil fliest dabei aus Hähnen oder Duschköpfen. Denn rund 85 Prozent des Trinkwassers werden heute für die Produktion von Nahrungsmitteln verbraucht. Für 1 Kilo Rindfleisch benötigt man zum Beispiel 15'000 Liter Wasser. Die Herstellung eines Hamburgers kostet 2400 Liter Wasser.

Heeb geht daher davon aus, dass sich schon bald in der weltweiten Wasserversorgung eine gigantische Versorgungsschere auftun wird. «Die Frage wird künftig sein, wie viel Wasser habe ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort», sagt Heeb. Gute Aussichten für Geschäfte in unterschiedlichsten Bereichen der Wasserwirtschaft. «Denn auch in der Wiedernutzung von Wasser, in der technischen Unterstützung, der Ausbildung, der Korruptionsbekämpfung sowie im Engagement gegen die Vergeudung von Nahrungsmitteln liegt enormes Potenzial», sagt Heeb.

KMU-Netzwerk in Willisau

Vor zwei Jahren hatte er deshalb die Idee, das Netzwerk Cewas in Willisau zu gründen. «Denn obwohl derzeit der Weltmarkt für Wasserversorgung breit aufgeht, mangelt es nach wie vor an KMU in der Schweiz», sagt Heeb. Cewas will dies mit gezielter Beratung von Jungunternehmern im Bereich der Wasserwirtschaft ändern. Denn die Aussichten, sich in diesem neuen Markt zu positionieren, sind so günstig wie nie.

Auch will die Cewas auf diese Weise die Nachhaltigkeit im Bereich Wasseraufbereitung unterstützen. Unterstützt wird diese Arbeit von der Hochschule Luzern, vom Kanton Luzern und vom Seco. Mit Erfolg. Neun Start-ups konnte bereits der Weg in das Geschäftsfeld Wasser bereitet werden.

Luzerner Hilfsprojekt

Der Wassermangel ist aber nicht nur ein Geschäftsfeld, um Profit zu machen. Ein Vorzeigebeispiel ist das Luzerner Hilfsprojekt «Wasser für Wasser». Ganz nach dem Motto «Lokal handeln, global wirken» haben die Krienser Morris (26) und Lior Etter (23) das Projekt vor einem Jahr mit der Unterstützung von Cewas gegründet. Heute werden die Brüder mit Preisen überhäuft.

Die Idee ist einfach: Restaurants und Caterings verkaufen in Karaffen Leitungswasser. Der erzielte Erlös geht direkt an «Wasser für Wasser», die das Geld wiederum an Wasserprojekte in der Welt spendet. In der letzten Woche gewannen die Luzerner mit ihrer Idee den Förderpreis 2013 des Internationalen Menschenrechtsforums (IHRF).

Die Jury, bestehend aus Menschenrechtsexperten, würdigte den aussergewöhnlichen Ansatz im Kampf für das Menschenrecht auf Wasser. Ende Mai werden die Krienser von der Schweizerischen Umweltstiftung ausgezeichnet.

Ende 2012 gewann das Projekt den Young Caritas Award. Das Hilfsprojekt ist für den ehemaligen FCL-Spieler Lior Etter und seinen Bruder unterdessen zu einem Fulltimejob geworden. «Derzeit machen wir das hauptberuflich», sagt Morris (26). Mitte des Jahres werden sich die Brüder erstmals ein Gehalt auszahlen.

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