Migros-Chef

Er gilt als Mister Gesundheit: Wer ist der neue starke Mann der Migros?

Der 47-jährige Westschweizer Fabrice Zumbrunnen übernimmt im nächsten Jahr die Führung der Migros von Herbert Bolliger.

Andreas Möckli
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Der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen hat sich bisher nicht allzu sehr in den Vordergrund gedrängt.Lea Meienberg/13 Photo

Der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen hat sich bisher nicht allzu sehr in den Vordergrund gedrängt.Lea Meienberg/13 Photo

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Der neue starke Mann der Migros heisst Fabrice Zumbrunnen. Der 47-jährige Romand folgt auf Herbert Bolliger, der nach 13 Jahren als Chef des Detailhändlers Ende Jahr in Pension geht. Diesen November erreicht er das festgelegte Höchstalter von 64 Jahren. Wie erwartet setzt Migros mit Zumbrunnen auf einen internen Kandidaten. Er wurde vor fünf Jahren in die Generaldirektion berufen und leitet dort das Departement Personal, Kulturelles und Freizeit. Die längste Zeit seiner Karriere arbeitete er in der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg. Während dieser 16 Jahre war er zuerst Verkaufschef und später Geschäftsführer.

Zumbrunnen ist der jüngste Chef in der Geschichte des Migros-Genossenschafts-Bundes. Neben ihm wurde vor allem Jörg Blunschi, Chef der Migros Zürich, als Anwärter auf die Nachfolge Bolligers gehandelt. Die Wahl Zumbrunnens kommt insofern überraschend, als sich Blunschi in den vergangenen Monaten als Favorit herausschälte.

Der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen: er war als Geschäftsleiter für die kleine Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg tätig. 2012 wurde er Personal- und Kulturchef des Migros-Genossenschaftbundes. (Archiv)
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Herbert Bolliger (2003 bis 2017): In seiner Ägide stieg der Umsatz von 20 auf knapp 28 Milliarden Franken. Auch hat er der Migros neue Geschäftsfelder erschlossen wie den Onlinehandel oder Verkauf und Vermietung von Elektrofahrzeugen. Der Aargauer war zunächst Leiter der Migros Aare. Als Chef der ganzen Migros steigerte er den Umsatz von 20 auf 27,7 Milliarden Franken.
Anton Scherrer (2001 bis 2002): Scherrer begann 1991 bei der Migros und war zunächst für die Industrieunternehmen tätig. Zehn Jahre später rückte er an die Spitze auf.
Peter Everts (1997 bis 2001)
Peter Everts (1997 bis 2001) Everts startete als Marketingleiter bei der Migros Aare. 1995 rückte er in die Generaldirektion auf, zwei Jahre später wurde er Chef.
Eugen Hunziker (1992 bis 1996) Nach der KV-Lehre begann Hunziker bei der Migros Zürich. Nach verschiedenen Stationen in Verkauf und Verwaltung stieg er zum Chef auf.
Jules Kyburz (1984 bis 1991) Kyburz fing 1952 ganz unten als Verkäufer in Wetzikon ZH an. Nach Stationen untern anderem in Basel und Luzern schaffte er es ganz nach oben.
Arnold und sein Nachfolger Kyburz
Pierre Arnold (1976 bis 1984) Arnold war massgeblich am rasanten Wachstum der Migros in den 60er- und 70er-Jahren beteiligt. 1976 übernahm er den Chefposten.
Rudolf Suter (1962 bis 1976) Der Neffe des kinderlosen Duttweiler übernahm die Führung des Detailhändlers. Suter führte unter anderem das Kulturprozent ein.
Migros-Gründer Duttweiler war von 1957 bis 1962 Verwaltungsratspräsident der Migros. Später wurde Duttweiler auch Nationalrat - ein unbequemer und unkonventioneller. Legendär seine Aktion als er ein Bundeshausfenster mit einem Steinwurf zertrümmerte, um sich Gehör zu verschaffen. 1936 hatte er den Landesring der Unabhängigen (LdU) gegründet.
Gottlieb Duttweiler vor der Migros-Filiale in Zürich Oerlikon im Jahre 1950 (Archiv) Duttweiler gründete die Migros 1925. Er brachte das amerikanische Modell des Discounters in die Schweiz und wurde zu Beginn heftig bekämpft. Seit 1928 produzierte die Firma Eigenprodukte. Dies auch deshalb, weil angestammte Händler ihn boykottierten oder sonstwie das Leben schwer machten. Auch das Modell Selbstbedienungsladen war eine Pioniertat Duttweilers (1948). Die Geschäftsbereiche wurden immer mehr. Eine Auswahl: 1954 kam eine eigene Tankstellenkette (Migrol) hinzu, 1957 wurde das Migros-Kulturprozent ins Leben gerufen (Ziel: 1% des Umsatzes in Kultur und Weiterbildung zu investieren) und die Hausbank gegründet. 1955 kam eine Versicherung (Secura) hinzu. Auch ein Reisebüro (Hotelplan) zählte zum Firmenimperium.

Der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen: er war als Geschäftsleiter für die kleine Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg tätig. 2012 wurde er Personal- und Kulturchef des Migros-Genossenschaftbundes. (Archiv)

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Blunschi gilt als der risikofreudigere Typ, der mit seinen Expansionsplänen für Aufsehen sorgte. So kaufte er 2013 den hessischen Detailhändler Tegut mit 270 Filialen. Zudem holte er die deutsche Bio-Supermarktkette Alnatura in die Schweiz. Gegen Zumbrunnen sprach zudem, dass er mit Neuenburg-Freiburg eine der kleinsten Genossenschaften der Migros führte. Bolliger und auch sein Vorgänger Anton Scherrer hatten mit der Migros Aare jeweils das grösste Gebiet geleitet.

Arztpraxen und Apotheken

Dass sich Zumbrunnen dennoch durchgesetzt hat, dürfte viel mit dem Vorstoss der Migros in den Gesundheitsmarkt zu tun haben. Der Romand ist der Kopf dieser Offensive in der Generaldirektion. Investiert hat der Detailhändler zuletzt vor allem in Gruppenpraxen. So kaufte 2015 die Migros 70 Prozent der Anteile an den Santémed-Gruppenpraxen von der Krankenkasse Swica. Migros verfügte mit Medbase damals bereits über eine Kette mit Gruppenpraxen und konnte diese mit dem Kauf um 23 Gesundheitszentren erweitern.

Über den Kaufpreis für die Santémed-Beteiligung schwieg sich Migros aus. Ein Verlustgeschäft habe man damit aber nicht übernommen, sagte Zumbrunnen vor rund einem Jahr der «Nordwestschweiz». Die Praxen würden schwarze Zahlen schreiben, sonst hätte sie Migros nicht gekauft. Mit dem Kauf der Santémed ist der Appetit des Detailhändlers aber noch nicht gestillt. Zumbrunnen will in den nächsten fünf Jahren jährlich zwei bis drei Zentren mit 10 bis 15 Ärzten und weiteren Therapeuten eröffnen. Im Fokus stehen vor allem Städte, zudem sollen auch Standorte in der Romandie und im Tessin dazukommen, wo die Migros noch nicht präsent ist.

Der Gesundheitsmarkt ist eine attraktive Branche, die von der Überalterung der Bevölkerung profitiert. Es überrascht daher nicht, dass Migros sich hier ausbreiten will. Das Wachstum und die Margen sind attraktiver als im stagnierenden Detailhandel, der zuletzt unter dem Einkaufstourismus und der Ausbreitung der Online-Anbieter gelitten hat. Dennoch bleibt der Bereich ein kleiner Fisch im Migros-Konzern. Das Gesundheitsgeschäft soll in fünf Jahren ein Prozent des gesamten Umsatzes beitragen, rief Zumbrunnen vor knapp einem Jahr als Ziel aus. In Zahlen übersetzt sind dies 270 Millionen Franken.

Bisher nicht im Vordergrund

Die Ambitionen von Zumbrunnen werden auch durch die Zusammenarbeit mit der Versandapotheke zur Rose unterstrichen. Ab Juni wird Migros der Thurgauer Firma in einer Berner Filiale Platz für eine Apotheke überlassen. Verläuft derVersuch erfolgreich, sollen in allen grösseren Migros-Filialen solche Shop-in-Shop-Apotheken eingerichtet werden. Schweizweit sollen es dereinst rund 50 sein.

Über das Geschäftliche hinaus ist von Zumbrunnen nicht allzu viel bekannt. Er ist mit einer Musikerin verheiratet und Vater von zwei Kindern. An der Uni Neuenburg studierte er Betriebswirtschaft und Soziologie. Interviews mit dem künftigen Chef gibt es kaum. Dass er bisher nicht allzu sehr in den Vordergrund drängte, zeigen Aussagen aus einem Gespräch mit dem «Migros-Magazin». Angesprochen auf Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler als Identifikationsfigur sagte er, es sei gar nicht nötig, die Migros partout auf Personen zu reduzieren. «Wir brauchen diesen Hang zum Personenkult nicht.» Trotzdem seien seine Kollegen in der Generaldirektion und er jederzeit bereit, die Rolle des Migros-Botschafters zu übernehmen. Dies wird nun mit Sicherheit zu seinen Aufgaben zählen.