Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Er hätte es nicht mehr geradebiegen können»: Ostschweizer Raiffeisen-Chefs zu Gisels Rücktritt

Schon wieder knallt es bei Raiffeisen: Patrik Gisel hat seinen Rücktritt als Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz bekannt gegeben. Ostschweizer Raiffeisen-Repräsentanten finden diesen Entscheid richtig - selbst wenn Gisel nicht allein die Verantwortung trage.
Linda Müntener
Mit seinem Rücktritt will Patrik Gisel die öffentliche Debatte um seine Person und die Bank beruhigen.(Bild: Keystone/Walter Bieri)

Mit seinem Rücktritt will Patrik Gisel die öffentliche Debatte um seine Person und die Bank beruhigen.(Bild: Keystone/Walter Bieri)

«Nein», sagt Peter Bühler, «überrascht hat mich Patrik Gisels Rücktritt nicht». Zu gross der mediale Druck, zu gross der Imageschaden der Bank nach der Affäre rund um Pierin Vincenz. Der Rücktritt des Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz sei nur eine Frage der Zeit gewesen, sagt Bühler. Er hat den Fall in den vergangenen Monaten genau verfolgt. Bühler ist Thurgauer CVP-Kantonsrat und leitet die Raiffeisenbank Aadorf seit über 25 Jahren. Und: Er ist einer der wenigen Raiffeisen-Repräsentanten, die sich am Mittwoch zu Gisels Rücktritt auf Anfrage äussern. Viele sind in den Ferien oder nicht erreichbar, andere wollen sich «aus dieser Sache lieber raushalten».

Als operativer Leiter der Bank «einen sehr guten Job» gemacht

Sich selber beschreibt Peter Bühler als «einen der konstruktiv-kritischen Geister in dieser Organisation». Gisels Rücktritt sei konsequent. «Egal, was er noch gesagt oder getan hätte – er hätte die Situation nicht mehr geradebiegen können», sagt Bühler. Und: «Mir tut’s ganz ehrlich sehr leid um ihn. Er hat für Raiffeisen gute Arbeit geleistet.»

Patrik Gisel hat sich entschieden, seine Funktion als Vorsitzender der Geschäftsleitung per Ende Jahr abzugeben und aus der Bank auszuscheiden. Das hat Raiffeisen Schweiz am Mittwoch mitgeteilt. Gisel wurde bei der Aufarbeitung der Ära seines Vorgängers Pierin Vincenz als dessen Stellvertreter immer wieder kritisiert und in Frage gestellt. «Mit meinem Rücktritt möchte ich die öffentliche Debatte um meine Person und die Bank beruhigen und die Reputation von Raiffeisen schützen», begründet Gisel seinen Entscheid.

Dieser Schritt passe gut zu Gisel, sagt Peter Bühler. Gisel habe sich einen Rücktritt immer vorbehalten, sollte seine Person dem Ruf der Bank zu sehr schaden. Für den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz steht Gisels Integrität indes nach wie vor ausser Zweifel, wie er in einer Medienmitteilung schreibt. Ob und wie viel Gisel von Pierin Vincenz' Geschäften wusste, darüber kann Peter Bühler nur spekulieren. «Vieles hat er sicher nicht gewusst, einiges aber wohl vermutet.» So oder so trage Gisel nicht die alleinige Verantwortung für den Knall. Als operativer Leiter der Bank habe er letztlich «einen sehr guten Job» gemacht.

Für Heini Senn, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Werdenberg, ist der angekündigte Rücktritt von Patrik Gisel ein «wichtiger und sauberer Schritt für uns und die Raiffeisengruppe». Auch wenn Gisel kein Mitwissen nachgewiesen werden könne, wären die Mutmassungen wohl nie verstummt.

Die Affäre Vincenz geht am Bankschalter im Dorf nicht spurlos vorbei

Gisels Rücktritt ist nur ein Kapitel in der Raiffeisen-Affäre. Seit Anfang Februar kommt die Bank nicht mehr aus den Schlagzeilen. Das geht an den Filialen in der Ostschweiz nicht spurlos vorbei. Lange habe hier heile Welt geherrscht, sagt Bühler. Bodenständig, volksnah und seriös – so schätzten die Kunden «ihre» Raiffeisenbank. Die Affäre Vincenz habe vieles aufgebrochen. Was die Kunden über die Spitze der bis dahin skandalfreien Dorfbank hören und lesen «lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren», sagt Bühler. «Auch wenn sie den Mitarbeitern vor Ort nach wie vor vertrauen und unsere Selbstkontrolle funktioniert.»

Auch André Eberhard, Bankleiter der Raiffeisenbank Rorschacherberg-Thal, wird ab und an auf den Fall Vincenz angesprochen. «Ich erkläre dann immer: Für die Entwicklungen in St.Gallen sind wir nicht verantwortlich.» Der Grossteil der Kunden verstehe das, könne trennen zwischen Entscheidungen am Hauptsitz und der Arbeit vor Ort. Auf den Rücktritt von Patrik Gisel sei er heute noch nicht angesprochen worden, sagt André Eberhard. Es sei wenig los, Ferienzeit. «Vielleicht haben die Leute das Thema aber auch langsam satt.»

«Gisels Nachfolger muss die Basis ernst nehmen»

Gisels Rücktritt sei ein richtiger Schritt auf dem Weg in die Zukunft, sagt Bühler, «aber nur, wenn das ganze Feld bereit ist.» Erst wenn auch der Raiffeisen-Verwaltungsrat erneuert ist, sei die Bank bereit für einen Neuanfang. Die Suche nach einem neuen Vorsitzenden der Geschäftsleitung läuft bereits. Als solcher sei man zwar in erster Linie Manager, sagt Peter Bühler. «Dennoch muss man die Basis verstehen und sie ernst nehmen.» Wer aus der Raiffeisenbank eine AG machen wolle, habe das Prinzip nicht verstanden. Bühler erachtet einen Nachfolger ohne Grossbanken-Hintergrund denn auch als Muss. Oder anders gesagt: «Jemand von der Mobiliar hätte einen leichteren Stand als jemand von der CS.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.