Erfolg und Misserfolg liegen nahe beisammen: Stadler hat in den vergangenen Jahren mehrere Rochaden in der Konzernleitung vollzogen - manche freiwillig, manche unfreiwillig

Meinungsverschiedenheiten in Unternehmen sind nichts Ungewöhnliches. Bei Stadler allerdings geht innert Jahresfrist schon der zweite Topmanager, weil er sich mit dem alles beherrschenden Patron Peter Spuhler über die strategische Weiterentwicklung des Konzerns uneins ist.  

Thomas Griesser Kym
Drucken
Teilen
So hatte sich Stadler-Patron Peter Spuhler (Mitte) den Generationenwechsel an der Spitze seines Topmanagements vorgestellt: Finanzchef Raphael Widmer (rechts, seit April 2016), und Thomas Ahlburg, der Spuhler Anfang 2018 als CEO ablöste. Doch nun ist Ahlburg weg.

So hatte sich Stadler-Patron Peter Spuhler (Mitte) den Generationenwechsel an der Spitze seines Topmanagements vorgestellt: Finanzchef Raphael Widmer (rechts, seit April 2016), und Thomas Ahlburg, der Spuhler Anfang 2018 als CEO ablöste. Doch nun ist Ahlburg weg.

Bild: Andrea Stalder (Bussnang, 19. März 2019)

«Differenzen hinsichtlich der strategischen und organisatorischen Weiterentwicklung von Stadler»: Mit dieser Formulierung erklärt der Schienenfahrzeugbauer den abrupten Abgang von Thomas Ahlburg als Konzernchef und die notfallmässige interimistische Rückkehr von Verwaltungsratspräsident und Ankeraktionär Peter Spuhler auch auf den Sessel des CEO.

Der frühere Stadler-Manager Markus Sauerbruch.

Der frühere Stadler-Manager Markus Sauerbruch.

Bild: Ralph Ribi (St.Margrethen, 4. Juli 2018)

Die Begründung mit den Differenzen lässt aufhorchen. Vor fast exakt einem Jahr hat Stadler so schon einmal eine personelle Rochade erklärt. Damals verliess Markus Sauerbruch die Firma «auf eigenen Wunsch». Als Grund nannte Stadler:

«Unterschiedliche Auffassungen über die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens».

Sauerbruchs Aufgaben wurden in der Not aufgeteilt

Sauerbruch war damals als Mitglied der Konzernleitung Chef der Stadler-Division Schweiz, zu der neben den hiesigen Standorten Bussnang, Erlen, Altenrhein (und neu St.Margrethen) auch das US-Werk in Salt Lake City gehört. Zudem führte Sauerbruch das Werk Altenrhein direkt. Die Division zählt weit über 3000 Mitarbeitende. 

Sauerbruchs Nachfolger als Chef in Altenrhein wurde vor einem Jahr Markus Bernsteiner, der diese Aufgabe zusätzlich zu seinem Amt als Leiter der Division Komponenten übernahm. Die Leitung der Division Schweiz ging interimistisch an Thomas Ahlburg über, der nun ebenfalls weg ist. Möglich, dass Spuhler dieses Amt jetzt auch interimistisch ausübt. Als weniger wahrscheinlich gilt, dass Ahlburgs Stellvertreter einspringt, denn das ist mit Finanzchef Raphael Widmer ein Mann der Zahlen und nicht der Fabriken. 

Neben Spuhler drei langjährige Manager an Bord

Markus Bernsteiner, Chef der Stadler Rheintal AG und der Division Komponenten.

Markus Bernsteiner, Chef der Stadler Rheintal AG und der Division Komponenten.

Bild: PD

Mit dem weitgehenden Abschluss des Umzugs des Löwenanteils des Werks Altenrhein nach St.Margrethen fungiert Komponentenchef Bernsteiner auch als Leiter der Stadler Rheintal AG, wie der neue Standort heisst. Bernsteiner ist seit 1999 bei Stadler und Mitglied der neunköpfigen Konzernleitung. Neben ihm und Spuhler, der das Unternehmen 1989 gekauft hatte, sind noch zwei weitere Topmanager seit geraumer Zeit dabei.    

Das ist zum einen Christian Spichiger, der Ende 2002 zu Stadler stiess und die Division Zentraleuropa leitet, und zum anderen Jürg Gygax, seit 2005 bei Stadler und seit 2013 Chef der Division Service.

Interimslösung seinerzeit auch am Standort Deutschland

Die übrigen Konzernleitungsmitglieder sind weniger lange dabei, wobei ein paar personelle Rochaden als Teil eines Generationenwechsels erklärt wurden. So löste Raphael Widmer, von ABB her kommend, im April 2016 Hansruedi Geel nach 17 Jahren als Finanzchef ab.   

Jure Mikolcic, Leiter der Stadler-Division Deutschland.

Jure Mikolcic, Leiter der Stadler-Division Deutschland. 

Bild: PD

Jure Mikolcic ist seit Februar 2019 Chef der Division Deutschland und Leiter der Berliner Stadler Pankow GmbH. Er war neu zu Stadler gestossen, wurde in Bussnang eingearbeitet und löste in Berlin Markus Bernsteiner ab, der im Oktober 2018 nach dem Abgang von Ulf Braker interimistisch eingesprungen war. Braker war 16 Jahre bei Stadler Pankow, aber nur deren vier als Chef.  

Wachablösung in Verkauf & Marketing

Ansgar Brockmeyer, Leiter Verkauf & Marketing bei Stadler.

Ansgar Brockmeyer, Leiter Verkauf & Marketing bei Stadler.

Bild: PD

Ebenfalls seit Februar 2019 ist Ansgar Brockmeyer bei Stadler. Er stieg als Verkaufschef Züge und Stellvertreter Peter Jeneltens ein, der Mitte Mai 2019 die Leitung der Division Verkauf & Marketing an Brockmeyer übergab und nach 19 Jahren bei Stadler in die private Holding Peter Spuhlers wechselte. 

Zur Stadler-Konzernleitung zählen schliesslich noch seit Mitte 2015 Generalsekretärin und Kommunikationschefin Marina Winder sowie Iñigo Parra, Leiter der Division Spanien. Diese wurden geschaffen, nachdem Stadler per Mitte 2015 die Lokomotivfabrik der deutschen Vossloh in Valencia übernommen hatte.

Doppelmandate sind verpönt

Spuhlers Rückkehr auf den Sessel des Konzernchefs soll interimistisch sein. Stadler dürfte gut beraten sein, die Nachfolge sorgfältig, aber zügig zu regeln. Denn viele Investoren goutieren eine Machtballung an der Spitze eines börsenkotierten Grossunternehmens nicht. Zumal Spuhler als CEO, exekutiver Verwaltungsratspräsident und dominierender Aktionär gleich drei Schlüsselpositionen in Personalunion auf sich vereint.  

Mehr zum Thema

Peter Spuhler ist zurück als Chef von Stadler – wegen Meinungsverschiedenheiten ist CEO Thomas Ahlburg nicht mehr im Amt

Inmitten hektischer Zeiten muss der Schienenfahrzeugbauer Stadler auf Chefsuche. Nach dem Abgang von Thomas Ahlburg springt Peter Spuhler in die Bresche und bürdet sich neben seinen Aufgaben als Verwaltungsratspräsident und Ankeraktionär vorübergehend zusätzliche Arbeit auf. Und dies just, während Stadler in der Coronapandemie und wegen des Hackerangriffs tüchtig gefordert ist.
Thomas Griesser Kym

Stadler Rail wechselt Leiter des Werks Altenrhein aus

Bei Stadler Rail übernimmt Markus Bernsteiner die Leitung des Werkes in Altenrhein. Er löst Markus Sauerbruch ab, der den Zugbauer aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die weitere strategische Entwicklung verlässt.