Erhält Migros erstmals eine Präsidentin?

Zwei Frauen kandidieren für die Spitzenposition beim Detailhandelsriesen. Und auch ein Mann soll im Rennen sein. Klar ist: Auf die Siegerin oder den Sieger warten grosse Herausforderungen.

Benjamin Weinmann
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Doris Aebi, Headhunterin und Migros-Verwaltungsrätin. (Bild: PD)
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Ursula Nold, Präsidentin Migros-Delegiertenversammlung. (Bild: PD)

Doris Aebi, Headhunterin und Migros-Verwaltungsrätin. (Bild: PD)

Es wäre eine Premiere: Wenn Ende März die Delegiertenversammlung der Migros über die Nachfolge des vorzeitig abtretenden Präsidenten Andrea Broggini bestimmt, könnte erstmals eine Frau an die Spitze des Detailhändlers gewählt werden. Denn wie Recherchen dieser Zeitung ergeben haben, kandidieren gleich zwei Frauen für das Präsidium des Unternehmens. Dies bestätigen zwei voneinander unabhängige Quellen aus dem Innern der Migros. Die Wahl findet am 23. März statt. Bis Ende des letzten Jahres musste die Kandidatur eingereicht werden.

Getan hat dies Ursula Nold. Die 49-jährige Bernerin ist bereits Präsidentin, jedoch nicht von der Genossenschaftszentrale, dem MGB am Zürcher Limmatplatz, sondern von der Delegiertenversammlung. Seit zehn Jahren steht die Dozentin der Pädagogischen Hochschule Bern dem Migros-Parlament vor, der demokratischen Basis der Genossenschaft.

Duttis Gewissen

Oft wird die Delegiertenversammlung auch als soziales Gewissen der Migros bezeichnet, welches das Gedankengut von Gründer Gottlieb Duttweiler hochhält. Und: Das 111-köpfige Gremium, bestehend aus Vertretern der regionalen Genossenschaften, ist für die Präsidiumswahl verantwortlich. Es könnte also seine eigene Präsidentin in die oberste Spitzenposition des MGB hieven. Am 23. März könnte dies ein entscheidender Vorteil für die Bernerin sein.

Doch Nold ist nicht allein. Ebenfalls zur Wahl stellt sich gemäss Recherchen Doris Aebi. Die Zürcherin hatte als einzige Favoritin im Vorfeld bestätigt, dass sie eine Kandidatur prüfen werde. Die 53-Jährige leitet ein Headhunting-Büro und machte zuvor Karriere bei den Grossbanken UBS und CS. Seit 2003 sitzt sie zudem im Verwaltungsrat des MGB. Für Aebi ist es der zweite Anlauf: Bereits 2010 kandidierte sie, scheiterte aber am Tessiner Anwalt Broggini.

Ein ranghoher Migros-Mann, der nicht genannt werden will, stellt beiden Kandidatinnen ein gutes Zeugnis aus. Sowohl Aebi als auch Nold verfügten über das nötige Migros-Gen. «Aber an sich wäre es wünschenswert, jemanden im Präsidium zu haben, der nicht nur die Migros gut kennt, sondern auch schon mal ein grösseres Unternehmen geleitet hat.» Das können weder Aebi noch Nold von sich behaupten.

Die Migros sei nun mal ein komplexer Koloss. Angesichts der zuletzt schlechten Geschäftsentwicklung seien die besten Leute gefragt. Gleichzeitig meint der Migros-Insider, dass andere valable Kandidaten oder Kandidatinnen nicht in Sicht seien.

Der Mann aus Luzern

Die «Bilanz» hatte zuletzt allerdings Felix Meyer ins Spiel gebracht, den Chef der erfolgreichen Migros-Genossenschaft Luzern, der seit über 30 Jahren beim Detailhändler arbeitet. Er gilt als stiller Schaffer. Doch Meyer lässt sich nicht in die Karten blicken. Auf Anfrage schreibt er: «Die Evaluation von Kandidaten zur Besetzung des Präsidiums ist ein Migros-internes Thema. Darum nehme ich zum aktuellen Zeitpunkt keine Stellung dazu.» Und auch bei der Migros-Medienstelle heisst es zur Kandidatenliste: Kein Kommentar.

Aebi, Nold, Meyer oder doch jemand anderes? Böse Migros-Zungen behaupten, nach acht Jahren Broggini könne es nur besser werden. Tatsächlich wurde Broggini im Gegensatz zu seinem Vorgänger Claude Hauser kaum öffentlich wahrgenommen. Und auch intern sei sein Wirkungsradius überschaubar gewesen, ist vielerorts zu hören. «Er ist nun mal durch und durch Jurist und produzierte lieber ­dicke Handbücher, als sich konkreten Handelsthemen zu widmen», sagt ein Insider. «Dabei wäre ein starker Präsident nötig gewesen, der den ehemaligen Migros-CEO Herbert Bolliger an einer engeren Leine geführt ­hätte.» Insbesondere der Bereich Handel, mit Geschäften wie Ex Libris oder Interio, hätte dringend mehr Aufmerksamkeit benötigt. «Da wurde schlicht und einfach vieles verpennt», so das Migros-Kadermitglied, das nicht genannt werden möchte.

Stellenabbau und schlechte Zahlen

Seit einem Jahr inzwischen sitzt der Neuenburger Fabrice Zumbrunnen im Migros-Chefsessel. Und gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat der Romand ein Effizienzprogramm gestartet und einen Stellenabbau am Zürcher Hauptsitz angekündigt. Dies, nachdem Zumbrunnen bei seiner ersten Bilanzmedienkonferenz im März 2018 einen Gewinneinbruch um einen Viertel bekanntgeben musste. Es war das schlechteste Ergebnis seit fünfzehn Jahren.