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Erlebnisferien als Umsatztreiber

Die Schweizer Jugendherbergen erholen sich gerade vom Frankenschock. Schweizer Gäste kommen immer mehr. Bei den ausländischen Gästen soll es bald auch wieder besser laufen.
Andreas Lorenz-Meyer
Das Wellness-Hostel 4000 in Saas-Fee wurde aus einer Public-Privat-Partnerschaft finanziert. (Bild: Maxime Schmid/Keystone (19. September 2014)

Das Wellness-Hostel 4000 in Saas-Fee wurde aus einer Public-Privat-Partnerschaft finanziert. (Bild: Maxime Schmid/Keystone (19. September 2014)

Mal ist es ein ehemaliges Sanatorium auf einem Hochplateau in den Walliser Alpen, mal eine umfunktionierte Burg, wo man im Rittersaal speist, mal ein moderner Holzbau mit Wellnessanlage. So unterschiedlich die Gebäude, so einheitlich der Grundsatz der 51 Schweizer Jugendherbergen: bezahlbare Übernachtungen für umweltbewusste Reisende. Wie funktioniert diese Idee in der heutigen Tourismuslandschaft?

Die 45 eigengeführten Häuser verzeichneten im letzten Jahr 714 455 Logiernächte, ein Rückgang um 1,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2016. Der Betriebsertrag fiel mit 43,8 Millionen Franken rund 2,2 Millionen niedriger aus. Das hing mit der vor­übergehenden Schliessung des Berner Hauses zusammen und der endgültigen Schliessung von Freiburg. «Die fehlenden Kapazitäten von rund 250 Betten machten sich bemerkbar», stellt Fredi Gmür, CEO der Schweizer Jugendherbergen, fest.

Im Realvergleich habe es aber eine Zunahme von Logiernächten um knapp 3 Prozent gegeben. Also doch ein recht gutes Ergebnis, bedenkt man den Abschwung von 2015 auf 2016, als die Jugendherbergen ein Minus von mehr als 20 000 Logiernächten hatten. Die jetzige Steigerung war unter anderem den «tollen Schneeverhältnissen» im Winter zu verdanken. Auch der Buchungsstand für den Sommer stimmt Gmür optimistisch. «Wir spüren, dass sich die allgemeine Wirtschaftssituation in der Tourismusbranche etwas erholt. Jedoch haben wir den Frankenschock von 2015 noch nicht ganz überwunden.»

Komfortable Doppelzimmer auch in der Jugi

Was sich nicht beim Anteil Schweizer Gäste bemerkbar macht, der im Jahr 2017 auf 67,7 Prozent anstieg. Sondern bei den ausländischen Gästen. Zwar bleibt zum Beispiel der US-Markt konstant, aber es kommen das dritte Jahr hintereinander weniger Deutsche, Briten, Franzosen, Österreicher, Chinesen, Südkoreaner. Früher hatte man aus dem Markt Deutschland einen Gästeanteil von 20 Prozent. Direkt nach dem Frankenschock rutschte dieser auf 6 Prozent. Heute sind es wieder rund 14 Prozent. Aber immer noch weniger als früher. Um dem Trend entgegenzuarbeiten, will Gmür auf starke Partnerschaften als Mitglied von Hostelling International setzen, dem internationalen Dachverband der Jugendherbergen. Know-how-Transfer, die gegenseitige Anerkennung der Mitgliedschaften, gemeinsame Marketingaktivitäten sollen wieder mehr ausländische Gäste anlocken. Zudem passt man das Angebot den sich verändernden Gästebedürfnissen an. Gmür: «Der Wunsch nach mehr Privatsphäre ist gestiegen. Auf diese Entwicklung reagieren wir verstärkt mit dem Angebot von kleineren Zimmereinheiten. So finden unsere Gäste in vielen Jugendherbergen heute auch komfortable Doppel- und Familienzimmer mit eigener Dusche/WC.» Mit der Einführung günstiger Kinderpreise sei man zudem für Familien noch attraktiver geworden. In diesem Segment gibt es eine «erfreuliche Zunahme». Auch technisch geht man mit der Zeit. Viele Herbergen sind mittlerweile mit WLAN ausgestattet. Zwar wolle man vor allem Begegnungen schaffen, so Gmür. «Wir können und wollen uns aber dem Wandel nicht verschliessen.» WLAN gehöre zum Bedürfnis des modernen Gastes. Besonders ausländische Touristen wollen mit Familie und Freunden in der Heimat in Verbindung bleiben. Eine Selbstverständlichkeit sei auch, die Unterkunft unterwegs via Handy zu buchen. Seit dem Launch der neuen Website gibt es einen vereinfachten Buchungsprozess. Auch der dient dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Da das Buchungsverhalten der Gäste deutlich flexibler geworden ist, führte man im Dezember 2017 Dynamic Pricing ein. Dynamic Pricing bedeutet die Anpassung des Preises an die Zahlungsbereitschaft. Das Ganze läuft in Echtzeit über selbstlernende Algorithmen. «Trotzdem bleiben wir unseren Grundsätzen treu», ergänzt Gmür. «Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Wo nötig, setzen wir aber Digitalisierung ein.» Zudem geht es um Erlebnistourismus. Die Jugendherberge Burgdorf wird im Jahr 2020 in einem 800 Jahre alten Zähringer-Schloss eröffnet. Als Teil eines «Erlebnis-Konzeptes» mit Schlossmuseum, Restaurant, Trauzimmer, Bankettsaal.

Die Kombination mit Wellness bewährt sich

Auch ein Leuchtturmprojekt: das Wellness-Hostel 3000 im südostschweizerischen Laax. Jugendherberge und öffentliches Schwimmbad werden hier kombiniert. Die Eröffnung ist 2020 geplant. Das Laax-Projekt lehnt sich an das Konzept für das Wellness-Hostel 4000 in Saas-Fee an, welches aus einer Public-Privat-Partnerschaft mit der Burggemeinde entstand. Laut Gmür hat es eine Win-win-Situation für beide Partner geschaffen. Die Kombination von Herberge, Hallenbad, Fitness- und Wellnessangebot treffe den Puls der Zeit.

Insgesamt sei man auf gutem Weg, findet Gmür. Die in den letzten fünf Jahren eröffneten Unterkünfte wurden komplett hindernisfrei gebaut. Und bestehende Herbergen – Zug, Montreux, Avenches, Lausanne, Stein am Rhein – sind nach dem Umbau auch barrierefrei. Für ihre Nachhaltigkeit erhielten die Schweizer Jugendherbergen mehrfach Preise. Das Umweltmanagement umfasst den Bau mit umweltfreundlichen Materialien, die Energieeffizienz, den Betrieb mit erneuerbaren Energien, regionale Produkte in der Küche. Wer will, kann auch ei­- ne CO2-Kompensation leisten. «Nachhaltigkeit ist der Ansporn für unser tägliches Handeln», so Gmür. Es freut ihn, dass sich ein Trend zum nachhaltigem Tou­rismus abzeichnet. Diesen wolle man durch Information und Sensibilisierung bei den eigenen Gästen weiter verstärken.

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