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Erntezeit für die Aktionäre
der Zurich-Versicherung

Zurich hat in den vergangenen Jahren den Gürtel wesentlich enger geschnallt und sich so fit gespart. Nun kann die Versicherungsgesellschaft die Früchte ihrer Entbehrungen ernten.
Daniel Zulauf
Nach den Sparmassnahmen herrscht wieder Morgenluft bei der Zurich. (Bild: Michele Limina/Bloomberg)

Nach den Sparmassnahmen herrscht wieder Morgenluft bei der Zurich. (Bild: Michele Limina/Bloomberg)

Auf den ersten Blick mag es nicht offensichtlich sein, aber auf den zweiten Blick schon: Das Wetter spielte Zurich-Chef Mario Greco im vergangenen Jahr stark in die Hände. Zwar hat der Versicherungskonzern sein normales Budget für Schäden aus Naturkatastrophen auch 2018 überschritten und zwar um über 250 Millionen Dollar. Doch damit kam die Gesellschaft noch um mehr als 400 Millionen Dollar besser weg als 2017, als die Wirbelstürme Irma, Maria und Harvey die jährliche Vorsorge für solche Ereignisse um volle 700 Millionen Dollar sprengten. Während der Gewinn und der operative Betriebsgewinn 2017 aufgrund dieser Ereignisse um mehr als 7 Prozent beziehungsweise um über 15 Prozent zurückgegangen waren, führte die relative Verbesserung heuer zu einem Anstieg dieser Leistungsgrössen um 24 Prozent beziehungsweise um 20 Prozent.

Doch in der Vergangenheit hatten sich bessere klimatische Bedingungen oder andere günstige äussere Umstände nicht immer so direkt sichtbar auf die Erfolgsrechnung der Zurich ausgewirkt. Bis vor drei Jahren litt der Versicherer an einer Krankheit die früher oder später jeden Grosskonzern ereilt: Hohe Verwaltungskosten, ungenügende innerbetriebliche Effizienz und darüber hinaus eine Anhäufung von Pleiten und Pannen im operativen Geschäft, die letztlich auch als Ergebnis des grauen Bürokratiemonsters zu sehen sind.

Zwei Drittel des Sparziels ist erreicht

Unter der Ägide des Italieners Mario Greco hat die Zurich nun den Schlendrian aus dem Haus gejagt. Ein Beispiel dafür sind die Betriebs- und Verwaltungskosten. Seit 2015 ist dieser Aufwandposten um 11 Prozent oder um fast eine Milliarde Dollar kleiner geworden. Dies, nachdem er in den zehn Jahren davor um 40 Prozent gestiegen war – bei einem nur marginal höheren Prämienertrag, nota bene.

Er habe die Zurich nicht als Sanierungsfall betrachtet, sagte Greco an der gestrigen Jahresbilanzpressekonferenz in Zürich. Doch die Gesellschaft habe eine kulturelle Auffrischung nötig gehabt. Auch Manager wie Greco leben freilich nicht von Luft und Liebe. Ein Sparprogramm im Umfang von 1,5 Milliarden Dollar wurde aufgesetzt und Restrukturierungen an die Hand genommen, die zunächst jährliche Kosten von um die 500 Millionen Dollar nach sich zogen. Das Programm könnte im laufenden Jahr zum Ende kommen. Mehr als zwei Drittel des Sparziels ist erreicht und die Restrukturierungskosten werden 2019 noch mit rund 200 Millionen Dollar prognostiziert. Die Zurich sei bereit für «die nächste Entwicklungsphase», meinte der CEO.

Vorsichtige Prämienerhöhung

Davon sind die Aktionäre freilich nur teilweise überzeugt. Obwohl sie aus dem Konzerngewinn eine abermals höhere Dividende von 19 Franken pro Aktie erhalten sollen, hält sich der Run auf die Beteiligungspapiere in Grenzen. Eine Zurich-Aktie kostete am Donnerstag knapp 318 Franken. Allein durch die Ausschüttung winkt damit im aktuellen Zinsumfeld eine überaus attraktiv erscheinende Rendite von fast 6 Prozent.

Die Investoren scheuen allerdings genau die Risiken, die man im langfristigen Geschäft von Versicherungsgesellschaften eben oft erst dann erkennt, wenn es bereits zu spät ist. Die zunehmende Unberechenbarkeit der Natur ist nur ein Element und vermutlich nicht einmal ein besonders wichtiges. Greco sagt, man lerne mit dieser Gefahr zu leben und diejenigen Risiken, die man nicht selber tragen könne an Rückversicherer und andere Investoren abzutreten. Wichtiger ist vermutlich der Umstand, dass die Kapitalpolster der Assekuranz durch die gute Börsenentwicklung der letzten zehn Jahre so dick geworden sind, dass man sich in der Branche auch unvernünftige Risiken wieder eher leistet, um zu wachsen und den Konkurrenten Marktanteile abzujagen.

So seien etwa die Prämiensteigerungen in dem für die Zurich besonders wichtigen Firmenkundenmarkt mit 3 Prozent bis 4 Prozent im vergangenen Jahr noch immer nicht ausreichend, um eine akkurate Risikovorsorge zu gewährleisten. Die Zurich steht deshalb weiter auf der Bremse, was die im Vergleich zum weltweiten Wirtschaftswachstum von über 3,5 Prozent doch ziemlich bescheidene Prämienensteigerung von lediglich 1 Prozent erklärt.

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