Erste Kryptobanken legen los

Die Seba Bank nahm gestern ihre Tätigkeit auf. Das Institut mit Sitz in Zug hegt ehrgeizige Pläne.

Gregory Remez
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Seba-CEO Guido Bühler bei der Medienkonferenz gestern in Zürich. Bild: Walter Bieri/Keystone

Seba-CEO Guido Bühler bei der Medienkonferenz gestern in Zürich. Bild: Walter Bieri/Keystone

Von einem Meilenstein für den festgefahrenen Schweizer Finanzplatz war die Rede, als den beiden Schweizer Fintech-Start-ups Seba und Sygnum im August dieses Jahres eine Banklizenz erteilt wurde. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma, welche die Lizenzen am gleichen Tag ausstellte, signalisierte mit dem Schritt vor allem eines: ihre pragmatische Offenheit gegenüber einem Finanzbereich, der sich nach anfänglichen Turbulenzen immer stärker etabliert und dessen Produkte offenbar immer reger nachgefragt werden.

Nachdem die in Zürich ansässige Sygnum ihre operative Tätigkeit bereits letzten Monat aufgenommen hatte, ist man nun auch bei der im Zuger Crypto Valley beheimateten Seba Bank so weit. Seit gestern können Schweizer Kunden bei Seba offiziell ein Konto eröffnen und traditionelle sowie digitale Anlagen deponieren. Damit will das im April 2018 gegründete Institut nach eigenen Angaben die bis anhin inexistente Brücke zwischen der traditionellen Bankenwelt und der jungen, aufstrebenden Kryptobranche schlagen. «Wir wollen unseren Kunden die Angst nehmen, mit Kryptowährungen zu handeln», sagte Seba-CEO Guido Bühler gestern bei der Lancierung in Zürich.

Auch ausländische Kunden im Visier

Das Angebot von Seba soll sich in einer ersten Phase vor allem an andere Banken, Vermögensverwalter, Pensionskassen, Unternehmen und Privatpersonen mit einem verfügbaren Kapital von mindestens 100000 Franken richten. Normalen Kleinkunden bleibt ein Konto vorerst vorbehalten. «Wir sind nicht im Kleinkundengeschäft tätig», führte Bühler aus, «mit einer Ausnahme: Blockchain-Unternehmen.» Diesen ermöglicht die Bank künftig den Zugang zu einem Firmenkonto. Damit löst sie ein Problem, mit dem viele Krypto-Start-ups konfrontiert sind. Denn noch immer bekunden Unternehmen aus diesem Bereich Mühe, ein Konto bei einer traditionellen Schweizer Bank zu eröffnen, um etwa ihrem Personal Löhne auszuzahlen.

Mit einem Konto der Bank werden Kunden unter anderem in der Lage sein, mindestens fünf Kryptowährungen aufzubewahren – darunter Bitcoin, Ether, Stellar, Litecoin, Ether Classic – und diese online auch in traditionelle Währungen umzuwandeln. Neben dem Zugang via App und einem E-Banking-­Konto erhalten sie zudem eine Bankkarte, die weltweit an rund 42 Millionen Verkaufsstellen eingesetzt werden kann.

Bereits im nächsten Monat sollen deshalb auch ausländische Kunden zur Klientel der Bank dazustossen. Im Visier hat man neben dem europäischen Markt vor allem Hongkong und Singapur, wo Seba in Zukunft auch Niederlassungen plant. «Der asiatische Markt ist für das Wachstum dieser neuen Finanzinstitute enorm wichtig. Kaum überraschend stammt ein grosser Teil der Investoren meines Wissens aus Asien», sagt Ralf Glabischnig von der Zuger Risikokapitalgesellschaft CVVC, die in Blockchain-Firmen investiert und sowohl mit Seba als auch Sygnum Beziehungen unterhält.

Letztere hat mit ihrer Expansion nach Singapur bereits begonnen. Ende Oktober erhielt das Zürcher Institut von der dortigen Regulierungsbehörde eine Lizenz für die Durchführung von Finanzdienstleistungen. Seither darf Sygnum als Vermögensverwalter in Singapur tätig sein – sowohl für traditionelle als auch digitale Anlagen.

«Herausforderungen haben erst begonnen»

Es ist wohl nur eine Zeitfrage, bis auch die Seba Bank eine derartige Lizenz einholen wird. Denn die Pläne der Zuger sind nicht minder ambitioniert als jene der Zürcher Konkurrenz. So strebt Seba-CEO Bühler an, mit seinem Unternehmen bald den gesamten Lebenszyklus von digitalen Anlagen abzudecken. Dazu soll neben Vermögensverwaltung, Handel, Aufbewahrung und Finanzierung auch die Abbildung von allerhand Produkten in sogenannten digitalen Token kommen.

Ob dies alles für ein Jungunternehmen zu stemmen ist, wird sich weisen. «Die Herausforderungen für Seba und Sygnum haben erst begonnen», meint auch Glabischnig von CVVC. Nun werde sich zeigen, ob die Nachfrage tatsächlich so gross ist wie gedacht. Damit die hochtrabenden Pläne nicht an mangelnder Liquidität scheitern, plant Seba eine zweite Finanzierungsrunde. Diese soll in der ersten Hälfte des nächsten Jahres stattfinden und die erste Runde – bei der insgesamt 100 Millionen Franken zusammengekommen waren – noch übertreffen.

Mit Bitcoins an der Kasse bezahlen

Neben Seba und Sygnum dürften bald noch weitere Kryptofirmen eine Banklizenz der Finanzmarktaufsicht erhalten. Bekannt ist, dass die Zuger Bitcoin Suisse im Juli eine Banklizenz beantragt hat. Bitcoin Suisse ist zwar erst sechs Jahre alt, damit aber nach eigenen Angaben das älteste Krypto-Unternehmen der Schweiz. Dieser Tage gab Bitcoin Suisse zudem eine Partnerschaft mit dem französischen Zahlungsverkehrs-Unternehmen Worldline bekannt. Die beiden Akteure wollen daran arbeiten, dass ab 2021 an der Ladenkasse mit Kryptowährungen bezahlt werden kann. Damit sollen Zahlungen mit Kryptowährungen in einem breiten Spektrum von Unternehmen und Geschäftsfeldern Wirklichkeit werden. Die Zusammenarbeit basiert auf der Zahlungsinfrastruktur von SIX Payment Services, die seit Ende 2018 zu Worldline gehört. Worldline will das System nach einem erfolgreichen Start in der Schweiz europaweit ausrollen. (mim)

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