Gastronomie
«Es geht uns eigentlich gut – noch!»

In der Spitzen-Gastronomie der Region, zwischen 13 und 17 Punkten GaultMillau Schweiz, hat man von der Wirtschaftskrise – noch – nichts gemerkt. Grundtenor: Man ist zuversichtlich, bleibt vorsichtig und hält mehr vom Agieren als vom Jammern.

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Restaurant Baseltor Solothurn

Restaurant Baseltor Solothurn

Maddalena Tomazzoli

Von Angelica Schorre

Mit dem Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr ist Peter Oesch, Restaurant zum Goldenen Ochsen in Olten, sehr zufrieden. Dennoch zeigt er Respekt vor den kommenden Monaten: «Die Auswirkungen einer Wirtschaftskrise zeigen sich in unserer Branche immer später.»

Aber man müsse agieren und nicht jammern. «Wir sind für die Gäste da, müssen ihre Wünsche umsetzen.» Wenn zum Beispiel kleinere Portionen gewünscht werden, werden diese serviert, oder er bietet Lunch-Teller auch am Abend an. Oesch: «Die Leute haben nicht weniger Geld, aber Angst um ihren Arbeitsplatz. Arbeitslosigkeit kann heute jeden treffen. Da ist man mit den Ausgaben eher zurückhaltender.»

Franz Herger, Genossenschaft Restaurant und Hotel Baseltor in Solothurn, meint, dass sie die Krise schon etwas merken würden. «Wenn man Catering, Restaurant und Hotel zusammen anschaut, haben wir gegenüber dem Vorjahr 1,5 Prozent weniger Umsatz gemacht.» Die Firmenessen seien zurückgegangen, doch der Catering-Service laufe gut.

Sorgen macht er sich nicht. «Aber man muss am Ball bleiben.» Bei ihnen wurde die Kostenkontrolle intensiviert. «Auch bieten wir den Gästen vermehrt Menüs im mittleren Preissegment an.» Das «Solheure» laufe gleich gut wie im letzten Jahr. «Aber wir bleiben wachsam», so Franz Herger.

«Wir haben im ersten Halbjahr keine Einbussen gehabt», sagt Robert Laski vom «Grenchner Hof» in Grenchen und bleibt optimistisch: «Ich hoffe, dass die Menschen etwas gelernt haben, nämlich, dass es nicht nur aufwärts gehen kann.» Laski zählt sich zur alten Schule. Er will seinen Qualitätsstandard unbedingt beibehalten, seine Gäste überzeugen und ihr Vertrauen weiterhin gewinnen.

Prognosen mag er keine stellen. «Holz anfassen!», sagt er. Auch Andy Zaugg, «Zum alten Stephan» in Solothurn, hat von der Krise noch nichts gemerkt. «Wir arbeiten sehr gut», sagt er. Vor allem die Catering-Einsätze im Welschland hätten ihnen viel gebracht. «Zum Glück haben wir unsere drei Standbeine Gourmet-Restaurant, Stadtbeiz und Catering.»

«Es geht uns eigentlich gut», bilanziert Jörg Slaschek, Restaurant Attisholz in Riedholz. Allerdings würden sie die Schliessung der Firma Borregaard in Luterbach/Riedholz spüren. Firmen- und Mittagessen blieben aus. Aufgefallen ist ihm, dass die Bankangestellten vermehrt vom Gourmet-Restaurant in die Gaststube wechseln. «Ich kann sie verstehen», sagt er. Weitere Verlagerungen in seinen drei Bereichen Gourmet-Restaurant, Gaststube und Bankette kann er nicht feststellen. Preissenkungen sind für ihn jedoch keine realistische Massnahme: «Dann hätten wir ja früher falsch gerechnet.»

Slaschek ist gespannt darauf, wie sich die geforderten Lohnerhöhungen im Gastgewerbe auswirken werden. Sein Fazit: «Wir sind nach wie vor Freitag und Samstag ausgebucht. Es geht uns gut, und wir hoffen, dass das so bleibt.»

Arno Sgier, von der «Traube» in Trimbach, macht eine Umsatzeinbusse von fünf Prozent aus. «Aber das ist nicht schlimm.» Mit der Inbetriebnahme der neuen Terrasse könnten sie diese auffangen. Er beobachtet, dass seine Gäste wie gehabt gerne und gut konsumieren. «Sie wollen es sich gut gehen lassen, sich etwas gönnen. Dafür kommen sie vielleicht einmal weniger.»

Er überlegt, ob er in Zukunft seinen exklusiven Catering-Service mehr ausbauen, noch mehr auf spezielle Kundenwünsche eingehen soll. Sgier: «Im Grossen und Ganzen habe ich keine Bedenken, dass uns die Krise den Kopf kosten wird.»

Auch im Oberaargau scheint die Wirtschaftskrise renommierte Gastronomiebetriebe - mit einer Ausnahme in dieser Umfrage - auszulassen. Man ist vorsichtig, verstärkt die Werbung und ist «noch freundlicher». «Gottseidank merken wir die Wirtschaftskrise noch nicht», sagt Chantal Beduhn vom Gasthof Bären und Kreuz in Dürrenroth, «aber wir haben sie im Hinterkopf und Respekt vor dieser Situation.»

Massnahmen wie einen Stellenabbau zieht sie nicht in Erwägung. «Wir wollen aktiv der Krise begegnen, nicht Angst haben.» So würden sie mehr Werbung machen, vermehrt auf die Gäste zugehen. Annullierungen hat es bis jetzt keine gegeben. Chantal Beduhn: «Wir können zufrieden sein.»

Auch Jürg Ingold vom Landgasthof Bären in Madiswil antwortet auf die Frage, ob er die Wirtschaftskrise im Geschäftsgang spürt, mit einem «noch nicht». Doch er mag keine Prognose stellen. «Schwer zu sagen, wir hoffen auf den Aufschwung.» Als Massnahmen verstärke er die Werbung und: «Wir sind noch freundlicher zu den Gästen», sagt Ingold humorvoll. Einen Rückgang bei Geschäftsessen und Kundenevents kann er nicht feststellen. Auch das Catering laufe ausgezeichnet. Positiv ist ihm aber aufgefallen: «Die Menschen machen mehr Ferien in der Region und leisten sich dabei ein gutes Essen bei uns.»

Von der Wirtschaftskrise aber betroffen ist Markus Sicher, Wirtschaft zur weissen Kuh in Seeberg. «Die Besucherzahl hat etwa um 20 Prozent abgenommen», sagt er. Für den nächsten Sommer plane er spezielle Angebote wie Sonntagsbrunchs und Donnerstagbuffets.

Der Landgasthof Hirsernbad in Ursenbach kann einen gleichen Umsatz wie im Vorjahr verzeichnen, sagt Roger Duss. Spezielle Massnahmen gegen die Krise seien bei ihnen nicht getroffen worden. Seine Prognose für die Zukunft? «Wir nehmen es wie es kommt.»