Shire verlässt Zug. Bernhard Neidhart, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit, bleibt aber gelassen

Nach der Übernahme durch Takeda verlässt der Pharmakonzern Shire den Kanton Zug. Dadurch gehen 500 Arbeitsplätze verloren. 

Interview: Livio Brandenberg
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Mit dem Wegzug von Shire verliert Zug 500 Arbeitsplätze. (Bild: Werner Schelbert)

Mit dem Wegzug von Shire verliert Zug 500 Arbeitsplätze. (Bild: Werner Schelbert)

Im Dezember übernahm der japanische Pharmakonzern Takeda den irischen Konkurrenten Shire mit Sitz in Zug für 62 Milliarden US-Dollar. Die Zusammenlegung scheint inzwischen in vollem Gange. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, wird der Shire-Sitz in Zug aufgelöst und teilweise nach Zürich-Opfikon verlagert. Dadurch gehen in Zug rund 500 Stellen verloren, Shire beschäftigt in Zug rund 650 Mitarbeiter.

Takeda hat in Opfikon den europäischen Regionalsitz mit rund 500 Personen. Der Entscheid, diesen Standort auszubauen, sei aufgrund der Nähe zum Flughafen und wegen des Life-Science-Clusters in der Region gefallen, teilte Takeda mit. Bernhard Neidhart, Leiter des Zuger Amtes für Wirtschaft und Arbeit, ordnet den Verlust für seinen Kanton ein.

Bernard Neidhardt. (Bild: Werner Schelbert)

Bernard Neidhardt. (Bild: Werner Schelbert)

Was bedeutet dieser Wegzug von Shire respektive Takeda, einem der grössten Arbeitgeber, für den Kanton und den Wirtschaftsstandort Zug?

Bernhard Neidhart: Vorweg ist zu sagen: Bei solchen Übernahmen und Zusammenlegungen handelt es sich immer um einen Prozess. Da kämpft man von Seiten Kanton natürlich um die Arbeitsplätze. Oft sind wir auf derjenigen Seite, die gewinnt, doch jetzt ist es einmal anders herausgekommen. Das Gute ist: Der Standortentscheid des EU-Hauptsitzes von Takeda fiel zu Gunsten der Schweiz, genauer von Zürich, also für die Greater Zurich Area, dem Wirtschaftsgrossraum Zürich. Der Kanton Zug gehört auch zu dieser Region und ist Mitglied der gleichnamigen Organisation. Ein Punkt, der uns wichtig scheint, ist, dass es den betroffenen Personen auch weiterhin möglich ist, von ihrem bisherigen Wohnort an ihren Arbeitsplatz zu pendeln.

Befürchten Sie, dass ein solcher Wegzug ein Signal aussenden könnte?

Nein, das glaube ich definitiv nicht. In der Begründung von Takeda kam dies ja auch klar zur Geltung: Der Entscheid fiel nicht gegen Zug, sondern für Zürich, weil da schon ein grosser Standort besteht, den man nun ausbauen will. Da spielen immer konzerninterne Motive und Bewegungen eine wichtige Rolle.

Welchen Einfluss hat der Kanton in solchen Fällen? Hätte man diesen Verlust von Arbeitsplätzen verhindern können?

Wenn wir erfahren, dass es zu einer Fusion oder Übernahme kommt, dann nehmen wir sogleich Kontakt mit der übernehmenden Firma auf, um die Vorzüge des Standorts Zug darzustellen. Ein erstes Treffen mit Takeda fand kurz vor Weihnachten statt.

Was kann der Kanton konkret tun? Haben Sie überhaupt eine Verhandlungsposition?

Im Gegensatz zu anderen Standorten kennt der Kanton Zug keine auf einzelne Firmen ausgerichtete Industrie- oder Wirtschaftspolitik. Wir haben eine generelle Herangehensweise. Diese besteht bekannterweise darin, dass wir die Standortfaktoren für alle Branchen möglichst optimal gestalten. Wir zeigen interessierten Unternehmen also, was der Standort Zug alles bietet, etwa eine ausgebaute Infrastruktur, im Umgang mit internationalen Unternehmen routinierte Behörden, internationale Schulen, Vernetzung mit vielen internationalen Firmen, den Cluster-Effekt, sowie wettbewerbsfähige Steuern. Doch: Wir bieten keine Goodies, wir haben keine individuelle Verhandlungsmasse in einzelnen Fällen. Es geht vielmehr darum, den neuen Leuten, die vorher noch nicht hier waren – vorliegend den Vertretern von Takeda – zu zeigen, was Zug für Vorteile hat.

Wurden Sie im Fall Shire beziehungsweise Takeda vom Entscheid überrascht?

Wir kennen die Details des Entscheids auch nicht. Doch man muss ihn akzeptieren. Das ist eben auch Teil der Wirtschaft. Oft haben wir profitiert, jetzt ist es mal auf die andere Seite gekippt. Es gibt genug positive Beispiele. Gerade die vier Beispiele Amag, LafargeHolcim, Siemens oder vor rund zwei Jahren auch Anheuser-Busch passen gut zum Fall Shire: Diese Konzerne haben ebenfalls aufgrund von Zusammenschlüssen oder Reorganisationen Standortentscheide fällen müssen – und sich für den Kanton Zug entschieden. Ausserdem spielt in Zug nach wie vor der erwähnte Cluster-Effekt. Denn was viele nicht wissen: Wir haben hier eine Ansammlung von Pharmafirmen, die voneinander profitieren können. Shire war übrigens ein Grund, dass andere Pharmaunternehmen ebenfalls nach Zug gekommen sind. Shire war mit ausschlaggebend, dass der Pharma-Cluster gewachsen ist in den letzten Jahren.

Und wie sieht es aus mit Ansiedlungen in naher Zukunft, gibt es da Projekte oder Firmen, die Sie nennen können?

Namen von Firmen kann ich keine nennen. Was ich sagen kann: Unsere Pipeline ist nach wie vor vital, wir haben gute Projekte und sind auf gutem Wege. Der Wegzug von Shire respektive Takeda steht sicher nicht für eine Trendwende. Es handelt sich um einen Einzelfall, der wohl konzerninterne Gründe für eine Zusammenlegung mehrerer Standorte hatte.