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Interview

Otto's-Chef: «Die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten in der Stadt Luzern regt mich brutal auf»

Mark Ineichen, Chef des Schweizer Detailhändler Otto's, nimmt Stellung zum Streit mit der deutschen Otto Group. Er spricht auch über Ladenöffnungszeiten und erklärt, warum der eigene Onlineshop bisher nicht zum Fliegen kam.
Maurizio Minetti
Otto’s-Chef Mark Ineichen kündigt an, nötigenfalls bis vor Bundesgericht zu gehen. (Bild: Nadia Schärli (Sursee, 2. November 2018))

Otto’s-Chef Mark Ineichen kündigt an, nötigenfalls bis vor Bundesgericht zu gehen. (Bild: Nadia Schärli (Sursee, 2. November 2018))

Mark Ineichen, Sie wehren sich dagegen, dass die deutsche Otto Group die Domain Otto-Shop.ch für ihren neuen Schweizer Onlineshop verwenden will. Haben Sie Angst vor Konkurrenz?

In unserer 40-jährigen Firmengeschichte haben wir nie vor jemandem Angst gehabt. Zum Teil kommt es sogar vor, dass wir der Konkurrenz Immobilien vermieten.

Um was geht es Ihnen dann?

Es geht um die Verwechslungsgefahr. Die deutsche Otto Group ist ja schon heute mit ihrem Shop unter otto.de/ch hierzulande tätig. Damit haben wir überhaupt kein Problem, obwohl selbst die aktuelle Situation zu Verwechslungen führt. So kommt es immer wieder vor, dass Schweizer Kunden, die bei otto.de bestellen, bei uns anrufen, wenn etwas nicht klappt. Aber noch einmal: Mit dem deutschen Otto in der Schweiz haben wir kein Problem, das ist eine grandiose Firma, die mit ihren Marken Heine oder Jelmoli ja auch schon lange in der Schweiz ist. Wenn sich die Otto Group nun aber mit einer neuen Website als Schweizer Otto verkleiden will, ist das für uns nicht in Ordnung. Denn Otto in der Schweiz: das sind wir, ob mit oder ohne S am Ende.

Ziehen Sie das Urteil weiter, falls der Richter der deutschen Otto Group recht gibt?

Ganz sicher. Wir gehen nötigenfalls bis vor Bundesgericht.

Warum sind die Verhandlungen im Vorfeld gescheitert?

Die Verantwortlichen der Otto Group haben uns vor ungefähr einem Jahr kontaktiert. Sie kamen nach Sursee mit der Gewissheit, im Recht zu sein. Aber ich habe mich von Anfang an gewehrt. Wir haben ihnen die Registrierung der Seite gerichtlich untersagt, was ja auch vom Bundesgericht bestätigt wurde. Weitere Verhandlungen bringen nichts.

Die Otto Group hat ihre Marke in der Schweiz aber rund 15 Jahre früher schützen lassen als Otto’s.

Das stimmt. Aber Fakt ist, dass die Otto Group die Marke hierzulande nie gebraucht hat. Jetzt argumentieren sie mit einem Staatsvertrag aus dem vorletzten Jahrhundert, wonach eine Marke auch dann Gültigkeit in einem Land hat, auch wenn sie nicht gebraucht wird. Das ist das Hauptargument der Otto Group. Auf der anderen Seite spielt es im Schweizer Recht sehr wohl eine Rolle, ob eine registrierte Marke auch tatsächlich gebraucht wird oder nicht.

Hatten Sie bislang nie Probleme mit der Otto Group?

Doch, im Jahr 2000 wollten wir nach Deutschland expandieren und die Otto Group wehrte sich dagegen. Der Streit wurde beigelegt; wir haben unsere Pläne schubladisiert und die Otto Group hat uns in der Schweiz in Ruhe gelassen.

Auch aktuell haben Sie keine Expansionspläne im Ausland?

Nein, ich will mich nicht verzetteln. Ich will am Morgen aufstehen und Freude an der Arbeit haben. Viele Schweizer Firmen sind im Ausland gescheitert. Das sind andere Rechtsräume und man muss die besten Leute aus dem Heimmarkt abzügeln – so vernachlässigt man den Heimmarkt. Das wollen wir nicht. Wir haben noch viele Ideen für den Schweizer Markt.

Sie machen mit Ihrem Onlineshop lediglich zehn Millionen Franken Umsatz, das sind weniger als zwei Prozent des Gesamtumsatzes. Warum so wenig?

Wir machen vieles gut, im Web sind wir aber nicht die Besten. Das hat aber vor allem einen technischen Hintergrund: Wir sind in den letzten 40 Jahren stark gewachsen und der Onlineshop ist einfach parallel mitgewachsen. Vor drei, vier Jahren haben wir angefangen, im Web richtig Gas zu geben, doch mussten wir bald feststellen, dass unsere Systeme nicht tauglich sind für einen grossen Onlineshop. Heute müssen wir zu vieles manuell machen, es gibt für den Onlineshop kaum Automatisierung. Wir brauchen ein System, das alle Produkte auf die gleiche Weise erfasst. Darum stellen wir auf Ende 2019 auf SAP um. Erst dann werden wir online richtig vorwärtsmachen können mit mehr Produkten, schnelleren Lieferungen und effizienteren Retourenabwicklungen.

Was kostet die SAP-Einführung?

Ich sage es so: Wenn wir die nächsten zwei Jahre 20 Millionen Franken ausgeben, sind wir günstig weggekommen.

Heute ist der Onlineanteil aber vernachlässigbar, ein stationärer Otto würde Ihnen ja mehr schaden.

Diese Unterscheidung macht bald keinen Sinn mehr. Logistik und Systeme wachsen zusammen, auch der Kunde macht keinen Unterschied mehr. Wenn er etwas in einem Laden nicht findet, erwartet er, das Produkt online bestellen zu können. Unter den grössten Onlinehändlern der Welt befinden sich viele Player, die aus dem stationären Bereich kommen.

Was planen Sie im stationären Geschäft?

Wir betreiben heute mit allen Formaten schweizweit 140 Filialen. Ich bin überzeugt, dass ein dichtes Filialnetz nach wie vor Sinn macht. Wir haben im Vergleich mit anderen auch hier noch Aufholpotenzial. Wir werden in Zukunft weiter Filialen eröffnen und umbauen – wenn der Preis stimmt. Es gibt zwar immer mehr Leerstände, aber ob die Lage jeweils wirklich gut ist, ist eine andere Frage.

Sie haben nach der Pleite des Charles-Vögele-Nachfolgers OVS angekündigt, mit den Besitzern über eine mögliche Übernahme gewisser Standorte zu verhandeln. Was ist daraus geworden?

Wir haben uns Standorte angeschaut, aber letztlich keinen übernommen. Für unsere Formate Radikal oder Sherpa waren die Filialen zu gross, für Otto’s zu klein. Einzig die Filiale im Länderpark Stans hätten wir gerne übernommen, aber die haben wir nicht bekommen.

Wie beurteilen Sie die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten in der Stadt Luzern?

Es regt mich brutal auf. Da werden die Ladenöffnungszeiten für die Stadt-Touristen ausgeweitet, aber im ganzen Kanton haben wir die restriktivsten Öffnungszeiten der Schweiz. Für uns als Luzerner Unternehmen ist das absurd und nicht nachvollziehbar. Touristen dürfen länger einkaufen und an den Bahnhöfen gilt sowieso ein eigenes Regime. Das ist für Detailhändler ungerecht.

Sie fordern gleichlange Spiesse?

Ja, wir überlegen uns, rechtlich vorzugehen. Andere Detailhändler haben auch ein Problem damit, dass sie immer aussen vor bleiben. Ich suche darum den Schulterschluss mit ihnen.

Für 50 Millionen Franken bauen Sie derzeit das Zentrallager in Sursee aus. Wie verlaufen die Arbeiten?

Wir sind auf Kurs. Die Aufstockung des Lagers 4 ist bereits abgeschlossen und wir starten nun mit dem Abbruch des Lagers 3, welches dann neu auf die erlaubten 30 Meter Höhe gebaut wird. Dieses Lager 3 wird Ende 2020 in Betrieb genommen.

Gibt es Einsprachen?

Nein, man behandelt uns in Sursee wirklich gut, da gibt es nichts zu sagen.

Zur Person: Mark Ineichen (47) ist seit dem Jahr 2000 CEO von Otto’s mit Hauptsitz in Sursee. Der Detailhändler beschäftigt schweizweit rund 2250 Personen und erwirtschaftet einen Umsatz von ungefähr 700 Millionen Franken.

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