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Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer: «Es wird keinen Handelskrieg geben»

Die USA sind der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz. Laut Martin Naville, Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, werde das zu wenig beachtet. Dass der schwelende Handelsstreit eskaliert, glaubt er nicht.
Roman Schenkel
Martin Naville betonte in Luzern die wirtschaftlich guten Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA. (Marcel Bieri/Keystone; Zürich, 3. April 2009).

Martin Naville betonte in Luzern die wirtschaftlich guten Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA. (Marcel Bieri/Keystone; Zürich, 3. April 2009).

Der Kampfparole «America first» des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zum Trotz – die Schweizer Firmen sind im Geschäft mit den Amerikanern ganz vorne mit dabei. Im vergangenen Jahr haben Schweizer Unternehmen gemäss Aussenhandelsstatistik Produkte und Waren im Wert von 33,8 Milliarden Franken in die USA exportiert. «Das ist ein Anteil von 15,3 Prozent aller Schweizer Exporte», rechnet Martin Naville, Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, vor. Nach Deutschland (18,9 Prozent) sind die USA damit der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz. Seit 2012 sind die Exporte in die USA um 51,1 Prozent gewachsen. Zum Vergleich: Die Ausfuhren nach Deutschland stiegen im gleichen Zeitraum um 3,3 Prozent an. «Es wird viel Negatives über die USA im Zusammenhang mit Präsident Trump geschrieben, wie gut die wirtschaftlichen Beziehungen eigentlich sind, wird viel zu wenig beachtet», so der Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer.

Naville, brillanter USA-Verkäufer, sprach gestern an einem Anlass der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz in Luzern. Das Thema: Exporte in die USA. Dabei räumte Naville mit einigen Vorurteilen auf. Die Empörung über das Verwechseln der Schweiz mit Schweden beispielsweise müsse man etwas relativieren, «schliesslich kennen auch nur sehr wenige Schweizer die Nachbarstaaten von Minnesota». Die USA, das sei schliesslich nicht nur ein Land, das sei eine ganze Welt. Ein weiteres Beispiel gefällig: «Texas hat das gleich grosse Bruttoinlandprodukt wie Russland, Kalifornien entspricht von der Wirtschaftsgrösse Italien, und Illinois ist vergleichbar mit der Türkei», so Naville.

Handelsstreit: Die USA haben weniger zu verlieren

Der US-Experte geht nicht davon aus, dass der schwelende Handelsstreit um die Einfuhrzölle eskalieren wird: «Es wird keinen Wirtschaftskrieg geben», machte er klar. Und falls doch, dann hätten die Handelspartner der USA viel mehr zu verlieren – zum einen weil die US-Wirtschaft stark binnenorientiert sei, zum anderen weil die USA puncto Energieversorgung unabhängiger seien als noch vor zehn Jahren. Dank Fracking haben sich die USA mit rasantem Tempo in Richtung Spitze der Ölförderländer der Welt vorgearbeitet.

Ebenfalls nicht von einer Eskalation geht Rechtsanwältin Susanna Auf der Maur-Quinn aus. Die gebürtige US-Amerikanerin spricht von einem «Ausbalancieren» bei den Einfuhrzöllen. Sie warb für Verständnis der amerikanischen Massnahmen, China und die EU hätten in gewissen Bereichen deutlich höhere Zölle als die USA.

Tipps aus der Praxis, wie Unternehmen erfolgreich in die USA exportieren können, gab Damian Felchlin. Er arbeitet in San Francisco für Switzerland Global Enterprise S-GE und unterstützt hiesige Firmen, die in den USA Fuss fassen wollen. Als grösstes Hindernis für eine Expansion in die USA bezeichnet Felchlin die Risikoscheuheit Schweizer Firmen. Für den Schritt über den grossen Teich brauche es jedoch ein klares Bekenntnis: «Man muss bereit sein, finanziell zu investieren, sonst wird es nicht aufgehen.» Besonders gute Chancen in den USA sieht er für Firmen aus der Pharmabranche, der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, im Lebensmittelbereich oder der Informationstechnologie.

Schweiz will Trump (noch) nicht verklagen

Die Schweiz droht im Handelsstreit der USA mit der EU zwischen die Fronten zu geraten: Auf der einen Seite treffen sie die US-Stahl- und Aluminiumzölle. Auf der anderen Seite droht Kollateralschaden durch die Schutzmassnahmen, mit denen die EU auf dem Weltmarkt überflüssigen Stahl fernhalten will. Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Staatssekretärin für Aussenwirtschaft, ist deshalb zurzeit viel unterwegs, um der Schweizer Sache Gehör zu verschaffen. Vergangene Woche bei der OECD-Konferenz in Paris. Nun während mehreren Tage in Brüssel bei der EU-Kommission.

Deren Klage gegen Trump vor der Welthandelsorganisation WTO will sich die Schweiz vorerst nicht anschliessen. Zuerst gelte es abzuwarten, ob Washington der Schweiz nicht doch eine Ausnahme gewährt, so Ineichen-Fleisch gestern gegenüber Journalisten. Eine Antwort solle schon bald eintreffen. Aber die Staatssekretärin betont: «Wir behalten uns alle Optionen offen».

Kaum eine Möglichkeit scheint dagegen, dass der Bundesrat die EU-Vergeltungszölle auf Produkte wie Motorräder, Erdnussbutter und Whiskey mitträgt. Damit würde sich die Schweiz wohl mehr selbst schaden, als dass sie etwas ausrichten könnte, schätzt Ineichen-Fleisch.

Dass man gegenüber Washington relativ entspannt reagiert, liegt daran, dass der Exportanteil von Schweizer Stahl- und Aluminiumprodukten in die USA verschwindend klein ist. Ganz anders die Situation mit der EU: Über 90 Prozent von Schweizer Stahl- und Aluminiumerzeugnissen gehen nach Europa. Wenn die EU nun ihrerseits Schutzzölle erhebt, um eine wegen der Abschottung in Amerika wahrscheinliche Stahlschwemme zu verhindern, dann würde das die Schweiz empfindlich treffen.

Momentan läuft eine entsprechende EU-Beobachtung der globalen Warenflüsse, die bis zu neun Monate dauern kann. Wie Bundesrat Johann-Schneider Ammann Ende April machte auch Ineichen-Fleisch gegenüber Mitarbeitern von Handelskommissarin Cecilia Malmström deutlich, dass die Schweiz eine Ausnahme von den EU-Massnahmen wünsche. Sie habe allerdings «eine gewisse Zurückhaltung» auf das Begehren ausgemacht, obwohl ihr erklärt wurde, dass die Schweiz nicht Ziel der Schutzmassnahmen sei.

Ob die EU einzelne Länder von den Schutzmassnahmen befreien kann, ist rechtlich umstritten. Die EU-Kommission betont stets, dass laut WTO-Recht dem Grundsatz «erga omnes» («gegenüber allen») verpflichtet sei. Ineichen-Fleisch meinte allerdings, dass WTO-Regeln Ausnahmen «unter gewissen Bedingungen» durchaus zulassen. (rhb)

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