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Escape Games: Das Geschäft mit dem Rätseln

Beliebte Rätselräume: Der Geschäftsführer der Adventure Rooms Luzern spricht über die Herausforderungen in der Branche – und über frische Konkurrenz.
Federico Gagliano
Urban Aregger, Geschäftsführer der Adventure Rooms Luzern, und Mitarbeiter Kilian Niederberger in einem der Rätselräume. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 21. August 2017))

Urban Aregger, Geschäftsführer der Adventure Rooms Luzern, und Mitarbeiter Kilian Niederberger in einem der Rätselräume. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 21. August 2017))

Eine Stunde Zeit, um aus dem Raum zu flüchten – das ist die Grundidee der «Escape Games». Für zwei bis sieben Personen gilt es, mit Hilfe verschiedener Hinweise und Gegenstände mehrere Rätsel zu lösen, um in die Freiheit zu gelangen. Den Ursprung fand die Idee in einem Videospielgenre, bei dem es ebenfalls um die Flucht aus Räumen, Häusern oder sogar Inseln geht. Seit 2011 spriessen aber reale Versionen solcher Räume wie Pilze aus dem Boden. Erstmals in Ungarn aufgetaucht, übernahm der Physiklehrer Gabriel Palacios das Konzept und eröffnete den ersten Raum 2013 in Bern.

Der Erfolg war so gross, dass Palacios die Idee lizenzierte und im Franchisesystem weiterverkaufte – zunächst nur in der Schweiz, inzwischen aber auf der ganzen Welt: Egal ob Italien, USA, Frankreich oder sogar Katar – alle wollen miträtseln. Sein erster Abnehmer stammte aber aus Luzern: Urban Aregger, Geschäftsführer und Mitbegründer der Adventure Rooms Luzern.

Rätsel wichtiger als Dekoration

«Die Idee kam mir während des Spielens im Raum in Bern. Die Idee war so cool, dass ich fand, so etwas braucht es auch in Luzern», erklärt der Unternehmer. Da Palacios bereits an Franchising dachte, ging er rasch auf Areggers Vorschlag ein. Doch wie stark mischt die Adventure-Rooms-Zentrale in Bern bei ihren Ablegern mit? «Es ist eine sehr freie Zusammenarbeit», erklärt Aregger. «Man arbeitet zwar unter dem gleichen Namen und Logo, beim Tagesgeschäft und dem Bau der Räume ist man aber völlig selbstständig.»

Man könne natürlich Ideen von bereits gebauten Räumen übernehmen. Alle Adventure-Rooms-Besitzer tauschen sich in einer privaten Facebook-Gruppe über ihre Ideen aus. Einmal im Jahr trifft man sich auch persönlich. Aregger wollte in Luzern vorhandene Rätsel mit neuen, eigenen Einfällen mischen.

Zunächst startete man mit nur einem Raum am Kasernenplatz. Letztes Jahr zog der Betrieb in grössere Räumlichkeiten nach Emmenbrücke an den Seetalplatz. Inzwischen arbeiten dort fünf Fest- und acht Teilzeitangestellte. Drei Räume sind verfügbar: «Die schwarze Königin», «Das geheime Fenster» und «Der goldene Dschungel». Ein vierter Raum wird gerade gebaut.

Worauf muss man beim Bau eines solchen Rätselraums besonders achten? «Die Rätsel sind das Wichtigste», erklärt Aregger. Das sei auch der Grund, weshalb sie keine Themenräume bauen, die von Filmen oder Serien inspiriert sind. «Aufwendige Dekorationen spielen keine Rolle, wenn die Rätsel nicht befriedigend sind.» Deshalb würde er auch ständig mit seinem Team an neuen Dingen tüfteln: «Wir halten immer Ausschau nach neuen Objekten, auch elektronischen Geräten, die wir für unsere Zwecke verwenden können.» Trotzdem könne man das Dekor nicht ganz vernachlässigen. «Anfangs reichte es, die Räume mit einfachen Brocki-Möbeln auszustatten. Jetzt braucht es schon mehr, da die Konkurrenz steigt.»

Konkurrenz sei Bereicherung

Seit Anfang Monat gibt es nämlich einen neuen Escape-Games-Anbieter in Luzern: «Escape Quest» aus der Ukraine (siehe Kasten), welche bisher in der Schweiz nur in Zürich vertreten waren. Fünf Räume stehen beim Staldenhof in der Nähe des Littauer Boden zur Verfügung. Die Angebote sind zwar ähnlich, nur die Umsetzung ist anders. Zum Beispiel: Während man sich bei Escape Quest nur in einem Raum bewegt, kämpft man sich bei den Adventure Rooms durch meh­-rere Räume. Preislich bewegen sich die beiden im gleichen Feld: Für vier Spieler kostet eine Rätselstunde bei Adventure Rooms 30 Franken pro Person, bei Escape Quest 31 Franken.

Aregger sieht die Konkurrenz als Bereicherung: «Wer mal einen Raum gelöst hat, will meistens weitere lösen. Früher oder später kommen ihre Kunden zu uns – und umgekehrt.» Die Räume haben nämlich einen Nachteil für ihre Besitzer: Spieler haben wenig Anreiz, einen Raum zu ­lösen, den sie schon kennen.

Deshalb ist es nötig, die Räume zu rotieren oder ganz zu ändern: «Alle zwei bis drei Jahre sollte man die Rätsel wechseln. Bei unserem Umzug vom Kasernenplatz zum Seetalplatz letztes Jahr nutzten wir zum Beispiel die Gelegenheit und bauten zwei ganz neue Räume.» Die bestehenden Räume brauchen aber auch immer Arbeit. Einerseits gibt es viel Verschleiss, da die Gegenstände von den Spielern ständig untersucht und berührt werden. Andererseits müssen Rätsel optimiert werden, wenn sie zu schwer sind oder auf an­dere Arten gelöst werden, als eigentlich geplant war.

Aregger mag aber die Herausforderungen, die ihm sein neues Arbeitsfeld bietet. Besonders die begeisterten Reaktionen der Leute, nachdem sie einen Raum gelöst haben, motivieren ihn. «Die Begeisterung der Leute ist spürbar. Das positive Feedback, das wir von ihnen bekommen, treibt uns an.»

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