ESCHOLZMATT: Mit edlen Tropfen nach China

Die Destillerie Studer ist mit Design und Qualität ihrer Edelbrände in einem schwierigen Markt erfolgreich. Nun sollen die Tropfen China erobern.

Lukas Scharpf
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Der Geschäftsleiter der Destillerie Studer, Ivano Friedli, degustiert mit seiner Frau Käthi den Gin und den Wodka für den chinesischen Markt.

Der Geschäftsleiter der Destillerie Studer, Ivano Friedli, degustiert mit seiner Frau Käthi den Gin und den Wodka für den chinesischen Markt.

Elf Goldmedaillen und drei Mal Silber; alleine in diesem Jahr. Wäre das Destillieren von edlen Fruchtbränden olympisch, Käthi und Ivano Friedli-Studer wären die erfolgreichsten Sportler der Zentralschweiz. An den wichtigsten Wettbewerben weltweit räumen ihre Vieille Poire Williams, Williams Supérieur, Vieille Prune, Kirsch oder Absinthe Medaillen ab, wie die Schweizer Skifahrer in ihren besten Zeiten.

Zuletzt an der ISW – International Spirit Competition in Deutschland wurde die Brennerei in Escholzmatt zum Destillateur des Jahres gewählt; zum dritten Mal in Folge erhalten sie die höchste Ehrung. Übrigens räumt nicht nur der Inhalt, sondern auch die von Käthi Friedli-Studer designten Flaschen holen ihre Auszeichnungen.

Potenzial in Asien

Am meisten Freude bereiten Ivano Friedli-Studer derzeit zwei Preise aus Singapur. Im April gewannen Studer Swiss Classic Wodka und Swiss Premium Gin einmal Gold und die «schwarze» Medaille, den Master Award. Mit Gin und Wodka will die Destillerie Studer nun vermehrt in Asien wachsen. Denn die Wachstumschancen mit Edelfruchtbränden sind in der Schweiz begrenzt. Der Markt schrumpft, was viele Brennereien ihre Existenz gekostet hat. «Darum sind wir zufrieden mit dem Erfolg unserer Fruchtbrände», sagt Friedli.

Pflaumenschnaps ist gefragt

Der Export innerhalb Europas ist ein schwieriges Unterfangen. Die jeweiligen Länder sind traditionell stark mit ihren eigenen Sorten und Marken verbunden. «Ich kann noch so gut sein, aber wie soll man einen Franzosen überzeugen, anstatt Cognac aus seiner Region unseren Gravensteiner zu trinken? Das verbietet ihm sein Nationalstolz», sagt Friedli und schmunzelt.

Willst du wachsen, dann geh nach China. Diese Maxime, die für viele Industrieunternehmen der Region gilt, hat deshalb auch für die Destillerie aus dem Entlebuch ihre Gültigkeit. Denn die wachsende Oberschicht in Asien verlangt nach mehr Luxusgütern. Dazu passt auch Hochprozentiges aus dem Premiumsegment. «Allerdings gibt es keine echte Nachfrage für Fruchtbrände», sagt Friedli. Gefragt sind in China vor allem Cognac, Whisky, Gin und Wodka. Eine Ausnahme sind Pflaumenschnäpse, die in China Tradition haben. Daher darf ein edler «Vieille Prune Barrique» die Gins und Wodkas aus dem Hause Studer begleiten. Im April wurde der erste Container verschifft. Vor Ort kümmert sich ein Vertrauensmann um die Platzierung in Luxushotels und -restaurants.

Handverlesen in die Brennerei

Gin und Wodka bieten der Destillerie Studer einen Vorteil. Sie können unabhängig von der Erntezeit und automatisch gebrannt werden. Bei den Fruchtbränden kommt nur Schweizer Obst innerhalb von 24 Stunden nach der Ernte handverlesen in die Brennerei, wird eingemaischt und vier bis sechs Wochen vergärt.

Der Meisterbrenner Bruno Limacher steuert von Hand Druck und Temperaturen, um das beste Ergebnis zu erzielen. Im Gegensatz zu den Fruchtbränden gibt es bei Gin und Wodka dabei keine Qualitätseinbussen. In Escholzmatt stehen 5 Brennkessel. Das ist viel. Ein Erbe aus der guten alten Zeit. «Deshalb können wir die Produktion von Gin und Wodka um ein Vielfaches steigern. Da liegt das grosse Potenzial», sagt Friedli. Die Geschmacksmischung für den Gin aus Wacholder und anderen Gewürzen hat das Ehepaar Friedli-Studer und ihr Sohn Saverio, der ebenfalls im Betrieb arbeitet und dereinst die Tradition weiterführen soll, selbst zusammengestellt und verfeinert. Dabei kommen auch immer wieder alte Rezepturen aus dem Familienschatz zum Zuge.

Lange Tradition im Entlebuch

Den Grundstein legte 1883 Hans Studer nach einer Reise in die französische Aquitaine, um die Geheimnisse der Veredelung von Obstfrüchten in Bordeaux und Cognac zu lernen. Eigentlich hatte Käthi Friedli-Studer nie im Sinn, ins Familiengeschäft einzusteigen. Sie war Grafikerin in Luzern, und ihr Gatte Ivano hatte eine Werbeagentur. 1989 trat ihr Vater an das Ehepaar und verkündete, bald in Pension zu gehen. Die beiden hatten ein Jahr Zeit, um nachzudenken, ob sie das Erbe antreten wollten. Es war vermutlich ein Glücksfall, dass ein Werber und eine Grafikerin ohne Erfahrung mit Schnapsbrennen, aber mit viel Respekt vor der Qualität und der Tradition des Hauses, das Geschäft übernahmen.

Ein Budget für Werbung gab es nicht. Daher war das Flaschendesign von Käthi Friedli-Studer immer ein zentraler Faktor für den Erfolg. Ein Exponat steht heute auch im Schweizer Museum für Design. Aber den Anfang machten Flaschen mit mundgeblasenen Glasfiguren darin. Obwohl dies vorher schon gemacht wurde, war die Version aus Escholzmatt verspielter. Auf der Spitze des Erfolgs dieser Flasche beschäftigte die Destillerie in Escholzmatt drei Glasbläser. «Mit dieser Flasche fingen wir die Aufmerksamkeit des Kunden in den Geschäften ein», sagt Käthi Friedli-Studer. Über das Äussere wurden die Kunden auf den Geschmack des Innern gebracht. Der Coup hat sie mehrmals wiederholt und soll nun auch in China punkten.

Swissness für Superreiche

Wodka und Gin stecken in bauchigen Flaschen mit dem Matterhorn aus Glas darin. Wahlweise kommt noch Goldflitter dazu. Es sieht aus wie eine Schneekugel mit edler Swissness für Superreiche. Genau das Richtige für China. Eine andere Version, die in China Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist die St.-Moritz-Luxus-Edition. Die Verantwortlichen des Nobelkurorts gehen Kooperationen mit ausgewählten Produzenten von Luxusgütern ein wie Omega, Lafite Rothschild oder Dampierre Champagne. Käthi Friedli-Studer hat auch hierfür eigens die Flasche designt, und so profitiert man vom Namen des Engadiner Skiorts, der auch in Chinas Oberschicht bekannt ist. Zahlen gibt man im Familienunternehmen keine bekannt. Aber es wäre nicht verwunderlich, wenn die Brennkessel in Zukunft stärker ausgelastet wären.